Kambodscha: Year of the Rabbit von Tian Veasna

Format: Taschenbuch

Genre: Biographie, Comic

Seitenzahl: 380

Letztes Jahr las ich mit The Wolf of Baghdad zum ersten Mal seit Jahren einen Comic. Diese Lektüre führte für mich dazu, dass ich Comics für mich wiederentdeckte. Mehr darüber könnt ihr in meiner damaligen Rezension lesen. Seitdem begann ich mehr Comics zu lesen und habe noch einige auf meinem SuB liegen. Heute möchte ich euch im Zuge des ComicMärz meine letzte Comiclektüre vorstellen. Der ComicMärz ist eine Blogaktion, die dieses Jahr zum zweiten Mal von Nico vom Buchwinkelblog veranstaltet wird. Bei dieser Aktion dreht sich alles, wie der Name verrät, um Comics. Hier findet ihr eine Übersicht sämtlicher Beiträge, die andere Bloger*innen beim ComicMärz bisher veröffentlichten.

Kommen wir jetzt zu dem Comic, um den es in dieser Rezension geht: Year of the Rabbit von Tian Veasna. DerGraphic Novel spielt in Kambodscha zur Zeit der Roten Khmer. Er erzählt die Geschichte der Familie des Autors zu dieser Epoche. Es beginnt damit, wie die Rote Khmer 1975 die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh erobert und somit die Kontrolle über das Land übernimmt. Zu diesem Zeitpunkt war der Autor noch nicht geboren. Die Rote Khmer begann sofort, sämtliche Einwohner aus der Hauptstadt zu deportieren, um sie zur Arbeit auf den Reisfeldern zu zwingen. Tian Veasnas Eltern mussten Phnom Penh gemeinsam mit zahlreichen weiteren Familienmitgliedern verlassen. Damals hofften sie darauf, schnell in ihre Heimatstadt zurückkehren zu können, doch dies geschah nicht. Stattdessen verbrachten sie die nächsten Jahre als Zwangsarbeiter in verschiedenen Orten und auf der Flucht. Nachdem die Rote Khmer 1979 während einer vietnamesischen Invasion entmachtet wurde, kehrte ein Teil der Familie Phnom Penh zurück. Da die Lage dort instabil war, entschieden sich verschiedene Familienmitglieder zu fliehen. So wuchs der Autor in Frankreich auf und kehrte erst als Erwachsener nach Kambodscha zurück. Year of the Rabbit basiert auf den Erzählungen verschiedener Familienmitglieder und erzählt ihre Geschichten.

Year of the Rabbit ist aufgrund der Thematik keine einfache Lektüre. Dies will der Graphic Novel auch nicht sein, immerhin setzt er sich mit dem kambodschanischen Genozid auseinander. Dennoch wird der Autor und Zeichner nur an wenigen Stellen explizit. An den brutalsten Stellen wird meist nicht gezeigt, wie ein Mensch ermordet wird, sondern ein „Fade to Black“ benutzt. Die schlimmsten Dinge bleiben der Vorstellung der Leser*innen überlassen. Trotzdem kommt der Horror der Roten Khmer Regimes gut herüber. Es wird deutlich, wie die Bevölkerung unter Hunger litt und gleichzeitig schwere Zwangsarbeit leisten musste. Außerdem befanden sich überall Spitzel, sodass jede*r, der*die minimal gegen die strickten Regeln der Roten Khmer verstieß, befürchten musste, bestraft zu werden. Der Graphic Novel zeigt gut, wie es den meisten Menschen unter der Roten Khmer ging.

Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es schwieriger sein könnte, ihn zu verstehen, wenn man nicht ein gewisses Vorwissen zu dem Thema hat. Ich wusste bevor ich Year of the Rabbit las, etwas über die Rote Khmer. Ich hatte einen groben Abriss dessen, was während ihrer Terrorherrschaft in Kambodscha passierte und was ihre Ideologie war. Ich vermute, dass es Leser*innen ohne dieses Vorwissen schwerfallen könnte, alle Zusammenhänge zu verstehen. Zwar gibt es vor jedem Kapitel Erklärungen zu verschiedenen Aspekten der Roten Khmer von ihrer Kleidung bis zu ihrer Struktur, aber mache kommen spät. Zudem ist der Graphic Novel auf die Erfahrungen der Familie des Autors beschränkt, sodass andere Dinge, die zu dem Zeitpunkt passierten, nicht erwähnt werden.

Ein Aspekt, der mir an dem Graphic Novel gut gefiel und half die Geschichte von Tian Veasnas zu erzählen, war der Zeichenstil. Er gefiel mir gut und zeigte viel Liebe zum Detail. Besonders schön wurden hierbei die Emotionen der verschiedenen Figuren dargestellt. Der Autor und Zeichner nutzte Farben um Stimmungen oder die Umgebung anzuzeigen. Neben den verschiedenen Figuren, wurden die Bildhintergründe detailliert ausgearbeitet. Ich schaute mir diese beim Lesen immer an, um zu sehen, was dort passierte.

Trotz des vielen Lobs habe ich einen Kritikpunkt an Year of the Rabbit: Es war manchmal schwer, den Überblick über die verschiedenen Figuren zu behalten. Am Anfang des Graphic Novels gibt es einen Stammbaum der Familie. Zu diesem blätterte ich häufig zurück, um zu verstehen, wer wie mit wem verwandt ist. Leider half der Stammbaum nicht immer weiter. Es gab viele Familienmitglieder, die ständig auseinandergerissen wurden und wieder zusammen fanden. Dadurch war es schwierig, den Überblick zu behalten, wer sich gerade mit wem an welchem Ort befand. Zudem kommen zahlreiche Nebenfiguren vor, die nicht zu der Familie gehören und da war es nicht immer leicht, sich an alle zu erinnern.

Insgesamt war Year of the Rabbit ein faszinierender Graphic Novel, der anschaulich das Leben einer Familie unter dem Terrorregime der Khmer Rouge erzählte und schön gezeichnet war. Ich kann allen, die sich für Graphic Novels über historische Ereignisse interessieren, empfehlen.

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