Kanada: The Lions of Al-Rassan von Guy Gavriel Kay

Verlag: Harper Voyager

Format: E-Book

Seitenzahl: 528

Genre: Fantasy

Erscheinungsjahr: 2005

Vor 3,5 Jahren las ich Tigana von Guy Gavriel Kay. Mein erstes Buch des kanadischen Fantasyautors. Der Roman gefiel mir gut und ich plante weitere Werke des Autors zu lesen, aber kam nicht dazu. Dies geschah im vergangenen Jahr, als ich bei der Weltlesereise ein Buch für Kanada suchte. Ich entschied mich für The Lions of Al-Rassan, da es nach Tigana als das Beste seiner Werke galt. Erneut spielt die Geschichte in einer fiktiven Welt, die aber an eine historische Epoche in unserer realen Welt angelehnt ist. Dieses Mal an Spanien im Mittelalter zu einem Zeitpunkt, wo christliche und muslimische Herrscher um Kontrolle über das Land kämpfen und Jüd_innen zwischen die Fronten geraten. In der Geschichte eroberte das Kalifat al-Rassan einen Teil des Landes Esperana und herrscht über diesen seit Jahrhunderten. Jedoch ist Esperana dabei das Land zurückzuerobern. Allerdings ist Esperana zwischen verschiedenen Königen aufgeteilt, die sich alle gegenseitig bekämpfen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive verschiedener Figuren auf allen Seiten des Konflikts erzählt. Dennoch zwingen sie Ereignisse manchmal dazu zusammenzuarbeiten. Da ist einerseits Ammar ibn Khairan ein Poet, Diplomat und Soldat, der dem Herrscher über die Stadt Carthada dient. Die beiden gehören einer Religion an, deren Angehörigen die Sterne anbeten und die lose auf dem Islam basiert. Weiter im Norden lebt Rodrigo Belmonte, der einem der nördlichen Herrscher dient, aber ins Exil getrieben wird. Er betet die Sonne an und seine Religion ist am Christentum angelehnt. Zwischen den Fronten steht die junge Ärztin Jehane, die auf keiner Seite sicher ist. Ihr Volk betet den Mond an und steht für Jüd_innen. Hier geht der Autor direkt auf die Judenverfolgung im mittelalterlichen Spanien ein und zeigt explizit Feindschaft auf beiden Seiten des Konflikts, der bis zu Pogromen reicht.

Die große Anzahl an verschiedenen Fraktionen mit unterschiedlichen Charakteren bring sowohl Vor- als auch Nachteile. Die große Anzahl an verschiedenen Faktionen und Unter-Faktionen innerhalb einer Faktion machte es schwierig den Überblick über die Handlung zu behalten. Mir war nicht immer klar, wer gerade gegen wen ist und wer welches Ziel hat. Dafür war die Lage zu unübersichtlich. Besonders schwierig war es auf der Seite, die an die spanischen Christen angelehnt ist. Auf dieser gab es unterschiedliche Herrscher, die alle über einen Teil des Landes regieren und in einer größeren Stadt ihre Basis hatten. Da sich diese Städte und ihre Herrscher stark ähnelten, konnte ich sie nicht immer gut unterscheiden. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Autor die Städte unterschiedlich gestaltet hätte.

Bei den wichtigsten Figuren war es weniger schwer sie zu unterscheiden, da sie alle eigene Charakterzüge und Motivationen hatten. Sie gefielen mir gut und ich konnte ihr Handeln gut nachvollziehen. Obwohl sie teilweise auf unterschiedlichen Seiten standen, fieberte ich mit ihnen allen mit. Dennoch habe ich zwei Kritikpunkte an ihnen: Der Autor hätte mehr von ihrem Innenleben zeigen können und ich hätte gerne mehr von ihren Gedanken gesehen. Außerdem waren bis auf Jehanne die wichtigsten Charaktere Männer. Weitere Frauen kamen nur in kleinen Rollen vor. Jehanne war ein toller Charakter, die sich in einer männerdominierten Welt gut behaupten konnte. Leider bekundeten die meisten männlichen Charaktere zu irgendeinem Zeitpunkt romantisches oder sexuelles Interesse an ihr, was nervig war.

Trotz dieser negativen Aspekte gab es viele Punkte an dem Roman, die mir gut gefielen. Die Handlung war spannend und komplex. Sie bat einen guten Mix aus Intrigen, Kämpfen und persönlichen Beziehungen. Mein einziger Kritikpunkt hier war, dass am Ende alles etwas schnell ging. Ich hätte gerne mehr Details über manche Entwicklungen gesehen.

Die Sprache des Romans war gewohnt gelungen. Guy Gavriel Kay hat einen tollen Schreibstil mit dem er gleichzeitig viel Emotionen und viel über die Welt transportiert. Dadurch fühlte ich mich in diese hineingezogen. Apropos Welt. Diese fand ich interessant. Ich mochte, wie der Autor sie an historische Ereignisse anlehnte und bekam beim Lesen gleich Lust mehr über das mittelalterliche Spanien herauszufinden. Manche Fantasyleser_innen wird hier vielleicht stören, dass im Roman kaum Magie oder andere Fantasyelemente vorkamen, aber ich fand dies tat der Geschichte keinen Abbruch.

Insgesamt gefiel mir The Lions of Al-Rassan trotz dieser Kritikpunkte gut. Allerdings war Tigana für mich das bessere Werk des Autors. The Lions of Al-Rassan bietet gleichwohl tolle Sprache, eine spannende Handlung und komplexe Charaktere sowie interessante historische Parallelen.

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