Liberia: She would be King von Wayetu Moore

Genre: Historischer Roman, Magischer Realismus

Verlag: One

Seitenzahl: 311

Die amerikanisch-liberische Autorin Wayétu Moore wurde 1985 in Liberias Hauptstadt Monrovia geboren. Als sie 5 Jahre alt war, musste die Familie aufgrund eines Bürgerkriegs fliehen. Um die Kinder vor dem Horror des Kriegs zu schützen, dachten sich ihr Vater und ihre Großmutter magische Geschichten aus. Darin waren Gewehrschüsse Drachen, die kämpften, und Leichen, die am Straßenrand lagen, Menschen, die nur auf der Straße schliefen. Schließlich verließ die Familie Liberia und wanderte in die USA aus. In den USA begann Moore viel zu lesen und schreiben. Schon bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte, arbeitete sie in der Buchbranche. 2011 gründete sie gemeinsam mit ihren Geschwistern einen eigenen Verlag und eine NGO. Dieser spezialisierter sich auf Kinderbücher, die von Kindern handeln, die in der Kinderliteratur unterrepräsentiert sind und auf Kinder aus Ländern mit einer hohen Analphabetenrate. Sie gaben zahlreiche Bücher umsonst an solche Länder. Die ersten Bücher des Verlags waren eine Teamarbeit der gesamten Familie. Wayétu Moore und eine ihrer Schwestern schrieben die Geschichten, während zwei andere Geschwister die Bücher illustrierten. 2015 eröffneten sie sogar eine Buchhandlung in Monrovia.

2018 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, der die Gründungsgeschichte Liberias erzählt, aber einiges an magischem Realismus verwendet. Die Geschichte wird aus der Perspektive von drei Protagonist/innen erzählt, die alle samt über magische Kräfte verfügten. Die erste Protagonistin ist Gbessa, die in West-Afrika aufwächst. Sie muss außerhalb ihres Dorfes Leben, da sie verdächtigt wird eine Hexe zu sein. Der nächste Protagonist ist June Dey, der als Sklave auf einer Plantage in den Südstaaten aufwächst. Dann gibt es noch Norman Aragon, das Kind eines weißen Kolonialherrn und einer Sklavin, welches auf Jamaica aufwächst. Die Geschichten aller drei sind miteinander und mit der Staatsgründung Liberias verknüpft.

Leider konnten mich diese Charaktere nicht immer überzeugen. Die Motivationen für ihr Handeln konnte ich stellenweise nicht nachvollziehen. Ich fragte mich teilweise, warum sie auf eine gewisse Art und Weise handelten. Hier fehlte mir ein besserer Einblick in ihr Innenleben. Außerdem ähnelten sich die Charaktere teilweise stark und hätten über mehr eigene Persönlichkeit verfügen können. Dies war vor allem ein Problem mit den beiden männlichen Protagonisten.

Trotz dieser Schwächen gab es einige positive Aspekte an She Would be King. Der Roman hatte einen tollen Schreibstil. Besonders stark war hier, wie die Autorin den Schreibstil wechseln konnte. Jedes Mal, wenn die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt wurde, wechselte die Autorin die Perspektive. Dies ist nicht einfach und etwas, dass wenigen Autor_innen gelingt. Auch wenn ich die Perspektiven der Figuren teilweise schwächer fand, boten sie aufgrund ihrer verschiedenen Hintergründe unterschiedliche Blicke auf die Entstehung Liberias. Liberia wurde von schwarzen Amerikaner_innen gegründet, die das Land kolonisierten, da sie in Afrika Chancen für ein besseres Leben sahen als in den USA. Sie hatten keine gute Beziehung zu den Ureinwohnern und benachteiligten diese. Die Charaktere dieses Romans gehören nicht exklusiv zu einer dieser Gruppen. Gbessa gehörte den Ureinwohnern an, während June Dey ein ehemaliger Sklave war, der in Liberia Hoffnung für ein besseres Leben sah. Hier sollte man sich in die Geschichte Liberias einlesen (die Autorin bietet am Ende auch ein paar Leseempfehlungen), da diese Hintergrundinformationen im Roman nicht geliefert wurden. Dies störte mich nicht.

Auf der negativen Seite hatte ich ein Problem mit dem Pacing des Romans. Die Handlungsstränge in der Mitte hätten kürzer sein können. Das Ende dagegen wirkte zu gehastet. Alles geschah Hals über Kopf und es war manchmal schwer die Entwicklungen nachzuvollziehen.

Insgesamt fand ich She Would be King nicht schlecht. Die Autorin hat einen tollen Schreibstil und bot einen guten Einblick in die Entstehungsgeschichte Liberias. Allerdings hätten die Figuren mehr Persönlichkeit gebraucht und das Pacing des Romans stimmte nicht immer.

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