Jerusalem: Der Tempelberg

Hallöchen ihr Lieben,

heute gibt es zum ersten Mal seit Langem einen Reisebeitrag. Hier kommt mein letzten Eintrag über die Altstadt von Jerusalem. Meine ersten beiden Artikel dazu könnt ihr hier und hier nachlesen.

Dieses Mal geht es um den umstrittensten Ort Jerusalems: Den Tempelberg. Heilige Stätte für Jüd_innen und Muslim_innen.

Viele Tourist_innen, die Jerusalem besuchen, glauben, dass man als nicht- Muslim_in den Tempelberg nicht besuchen kann. Dies stimmt nicht. Es ist möglich, den Tempelberg zu besuchen. Allerdings nur an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten. Pro Tag geht es für 4 oder 5 Stunden und freitags und samstags ist es nicht möglich, den Tempelberg zu besuchen. Zusätzlich kann man als Nicht-Muslim_in einen bestimmten Eingang benutzen. Aus diesen Gründen machte ich mich, als ich den Tempelberg besuchte früh auf den Weg dahin. Ich wollte nicht durch Anstehen am Aufgang zum Tempelberg zu viel Zeit verlieren. Da ich kein Morgenmensch bin, war das frühe Aufstehen für mich nicht angenehm, aber dafür lohnte sich das Besuchen des Tempelbergs.

Für Nicht-Muslime gibt es in der Nähe der Klagemauer einen Aufgang zum Tempelberg. Dort musste ich kurz Anstehen und durch eine Polizeikontrolle, die ähnlich verläuft wie eine Flughafenkontrolle. Ich wurde dort mehrmals darauf hingewiesen, dass ich auf dem Tempelberg nicht beten darf. Danach durfte ich den Weg nach oben nehmen. Wie ihr auf den folgenden Bildern sehen könnt, sieht es auf dem Tempelberg wunderschön aus. Es ist eine beeindruckende Atmosphäre.

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Viele denken, dass es sich bei der Moschee auf diesen Fotos um die al-Aqsa Moschee handelt. Dies ist nicht der Fall. Stattdessen ist es der Felsendom. Bevor ich euch den Unterschied zwischen diesen beiden Gebäuden erkläre, muss ich euch erzählen, warum der Tempelberg für verschiedene Religionen heilig ist und welche Bedeutung er für sie hat.

Der Tempelberg heißt so, weil sich dort sowohl der Erste als auch der Zweite Jüdische Tempel befanden, dies war die heiligste Stätte des Judentums. Der Erste Tempel wurde ca. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. An derselben Stelle, an der sich der Erste Tempel befand, wurde ca. 521 v. Chr. der Zweite Tempel erbaut. Dieser war ebenfalls, solange er stand, der wichtigste Ort des Judentums. Jedoch zerstörten die Römer ihnim Jahre 70 n. Chr. Die Klagemauer ist das einzige, was vom Tempel übrig geblieben ist. Zusätzlich soll im jüdischen Glauben, der Tempel der Ort sein, wo Abraham Isaak opfern wollte und der Ort sein von dem aus Gott die Welt erschuf.

Im Christentum spielt der Tempelberg eher eine untergeordnete Rolle und unter frühchristlicher Herrschaft über Jerusalem wurde er weitestgehend vernachlässigt. Eine Zeit lang befand sich dort eine Kirche. Später wurde er teilweise sogar als Mülldeponie genutzt.

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Im Islam spielt der Tempelberg, welcher al-haram al-Sharif genannt wird ebenfalls eine wichtige Rolle. Er gilt als drittheiligste Stätte der Religion. Von dort aus solch sich Mohammed auf eine Himmelfahrt begeben haben, während der Allah ihm auftrug, dass Muslim_innen fünfmal täglich beten sollen. 637 eroberten Muslime Jerusalem von den Römern und bauten zum ersten Mal eine Moschee auf dem Tempelberg. 1099 geriet Jerusalem wieder in christliche Hand. Als die Stadt von den Kreuzfahrern erobert wurde. Die Kreuzfahrer gingen äußerst brutal gegen die jüdische und muslimische Bevölkerung der Stadt vor. Zusätzlich erbauten sie auf dem Tempelberg christliche Gebetsstätten. In 1187 eroberte Saladin Jerusalem und entfernte sämtliche christlichen Zeichen vom Tempelberg.

Später befand sich der Tempelberg durch die Mamelucken und die Osmanen unter muslimischer Herrschaft. Als das Gebiet nach dem Fall des Osmanischen Reiches zu einem britischen Mandat wurde, erhielten diese weitestgehend den Status Quo am Tempelberg aufrecht. Nach dem Israelisch Arabischen Krieg 1948 geriet der Tempelberg sowie die gesamte Jerusalemer Altstadt in Jordanische Hand. Während des Sechstagekriegs 1967 wurde die Altstadt Jerusalems von Israel erobert und seitdem ist die Situation wie folgt:

  • Die muslimische Waqf Stiftung (welche von Jordanien finanziert wird) kümmert sich um die Verwaltung des Tempelbergs und der Heiligen Stätten
  • Israel reguliert den Zugang und sie Sicherheit auf dem Tempelberg
  • Nicht-Muslim_innen ist das Gebet und Tragen religiöser Symbole auf dem Tempelberg nicht gestattet, aber sie können ihn besichtigen.

Dies war ein kurzer Abriss über die komplexe Geschichte und religiöse Bedeutung der heiligen Stätte. Bei einer Führung durch die Jerusalemer Altstadt werden einem noch mehr Details darüber geliefert. Als Nächstes möchte ich die Bedeutung des Felsendoms und der al-Aqsa Moschee erklären.

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Rechts der Felsendom, Links die Al-Aqsa Moschee

Das berühmte Gebäude, welches ihr rechts seht, ist der Felsendom. Er wurde zum ersten Mal gegen Ende des 7. Jahrhunderts gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er zerstört und wiederaufgebaut und mehrere Male restauriert. Die letzte Restaurierung fand 1993 statt und wurde von der jordanischen Regierung finanziert und diese lies das Gold der Kuppel erneuern. Heute dürfen nicht Muslim_innen den Felsendom nicht mehr betreten. Jedoch sieht er von Außen schön aus und ihr könnt Fotos des Inneren online finden.

Die Moschee, die ihr links auf dem Bild seht, ist die Al-Aqsa Moschee. „Al-Aqsa“ bedeutet auf Arabisch weit entfernt. Die Bedeutung ruht daher, dass Mohammed von Mekka zu der am weitesten entfernte Mosche reiste um sich von da aus auf seine Himmelfahrt zu begeben. Die Al-Aqsa Moschee ist die drittheiligste Städte des Islam. Sie wurde zum ersten Mal im 8. Jahrhundert errichtet und seitdem zerstört, wiederaufgebaut und restauriert. Der Zugang ist nicht-Muslim_innen ebenfalls nicht gestattet.

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Ich lief ca. 1 Stunde über den Tempelberg und betrachtete die verschiedenen Gebäude von Außen. Neben der Al-Aqsa Mosche und dem Felsendom gibt es dort noch mehrere kleinere Gebäude. Außerdem ist die Aussicht vom Tempelberg fantastisch. Man kann von da aus gut auf die Altstadt und andere Teile Jerusalems blicken. Ich fand meinen Besuch des Tempelbergs angenehm und kann es allen, die Jerusalem besuchen, empfehlen. Allerdings sollte man sich vorher über die Zugangszeiten und Regeln informieren.

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