Georgien: Das achte Leben (für Brilka) von Nino Haratischwili

 

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Seitenzahl: 1280

Verlag: Ullstein

Erscheinungsjahr: 2014

Genre: Familiensaga

Als Das achte Leben (Für Brilka) 2014 erschien, war der Roman der deutsch-georgischen Autorin Nino Haratischwili erfolgreich. Ich muss jedoch gestehen, dass ich von dem Buch nichts mitbekam. Ich wurde erst auf das Werk aufmerksam, als ich für die Weltlesereise nach Bücher für Georgien suchte. Zu diesem Zeitpunk erhielt Das achte Leben im Zuge der englischen Übersetzung einiges an Aufmerksamkeit auf dem internationalen Markt.

Der Roman beschreibt anhand der Geschichte der Familie Jaschi die Entwicklung Georgiens über mehr als ein Jahrhundert. Er beginnt im Jahr 1900 und zieht sich bis in die frühen 2000er-Jahre. Dabei erzählt die Protagonistin Niza Jaschi ihrer jungen Nichte Brilka die Geschichte der Familie, wobei der Fokus vor allem auf den weiblichen Familienmitgliedern.

Es beginnt 1900 mit dem Familienvater, der eine gutlaufenden Konditorei in Tiflis betreibt. Er stellt eine besondere, magische Schokolade nach Geheimrezept her, welche ungeahnte Auswirkungen auf all jene hat, die sie kosten. Die Schokolade spielt im Laufe des Romans eine wichtige Rolle und gibt dem Roman ein Element des magischen Realismus. Sie taucht stets auf, wenn ein Charakter in einer Notlage ist und sie bereiten diese zu, um ihre Probleme zu lösen. Jedoch hat dies unvorhersehbare Konsequenzen. Der Vater kommt jedoch nur zu Beginn des Romans vor. Stattdessen liegt der Fokus auf seinen Töchtern Stasi und Christine, sowie Stasias Nachfahren.

Die Handlung von Das achte Leben lässt sich nicht leicht zusammenfassen, da das Buch mit fast 1300 Seiten eine lange Handlung hat. Sie beschreibt das Leben der verschiedenen Charaktere. Dabei stehen Ereignisse im Vordergrund die auf den ersten Blick gewöhnlich wirken. Zum Beispiel wie die Charaktere sich verlieben, heiraten und Kinder kriegen, die Kindheit der Kinder und späte ihre Universitätskarriere. Jedoch spielen dabei zwischenmenschliche Konflikte eine wichtige Rolle. Es geht um Liebe, Hass und Freundschaft und die Beziehungen der verschiedenen Familienmitglieder sind im Wandel. Zudem spielen all diese Ereignisse im Hintergrund von  historischen Ereignissen: Dem Ersten Weltkrieg, der Russischen Revolution, Dem Zweiten Weltkrieg, Stalins Terrorkampagnen, dem Kalten Krieg, dem Fall der Soviet Union, dem Georgischen Bürgerkrieg und zuletzt der Rosenrevolution. Historische Figuren wie Stalin und Lawrenti Beria werden erwähnt, oder treten persönlich auf.

Obwohl die Handlung des Romans Weitestgehend auf das Alltagslebens der Figuren fokussiert ist fand ich sie größtenteils spannend. Die ständigen Entwicklungen und komplizierten Familienbeziehungen vor dem Hintergrund  politischer Ereignisse fand ich interssant zu verfolgen. Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt und in jedem Teil steht ein anderer Charakter im Fokus. Ganz am Ende gibt es eine Seite auf der Brilka steht und Brilkas Abschnitt bilden soll. Jedoch ist der Text dahinter lehr, da sie ihr Leben noch vor sich hat. Auch wenn ich die Handlung des Romans größtenteils interessant war, fand ich das letzte Drittel des Romans weniger interessant als die ersten zwei Drittel. Dies lag vor allem daran, dass die Figuren welche in diesen Abschnitten, mich weniger begeisterten als die älteren Figuren. Die neuen Figuren ähnelten sowohl in ihren Charaktereigenschaften, als auch in ihrer Entwicklung den älteren Figuren etwas. Dadurch konnte ich sie teilweise schwer auseinanderhalten und bekam stellenweise das Gefühl dieselbe Geschichte erneut erzählt zu bekommen. Gleichzeitig kann ein langes Buch  nicht konstant auf einem fantastischen Level bleiben.

Der Haupthandlungsort der Geschichte ist Tiflis, aber es gibt auch Szenen die in Moskau, London, Deutschland und auf dem georgischen Land spielen. Dennoch kehren (fast) alle Charaktere wieder in das  Familienhaus in Georgien zurück. Selbst wenn sie die Vergangenheit und ihre alte Heimat hinter sich lassen wollen, gelingt ihnen dies nicht endgültig.

Der gesamte Roman wird aus der Perspektive von Niza Jaschi erzählt. Sie spricht ihre Nichte Brilka und damit die Leser_innen direkt an. Öfters lässt sie ihre eigene Meinung und Gedanken in den Roman einfließen, was die Sprache angenehm direkt macht. Andere Abschnitte bieten einen direkten Einblick in die Gedankengänge der Figuren und wieder andere erklären sachbuchähnlich historische Entwicklungen Georgiens, wodurch der Schreibstil der Autorin abwechslungsreich gestaltet ist.

Insgesamt gefiel mit Das achte Leben trotz einiger Längen am Ende des Romans gut. Das Buch verwebt gelungen historische Ereignisse mit tollen Charakteren und spannenden persönlichen Konflikten. Es bot einen guten Einblick in die moderne Geschichte Georgiens und war gelungen geschrieben. Ich freue mich, darauf in Zukunft mehr von Nino Haratischwili zu lesen.

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