Schweden: Im Traum kannst du nicht lügen von Malin Persson Giolito

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Seitenzahl: 464

Verlag: Bastei Lübbe

Übersetzer: Thorsten Alms

Schweden ist bekannt für seine erfolgreichen Krimi- und Thrillerautor_innen und Malin Persson Giolito war eine der erfolgreichsten Genreautor_innen der letzten Jahre. Ihr dritter Roman, welcher auf deutsch Im Traum kannst du nicht lügen heist wurde mit Preisen belohnt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Schließlich erschien letztes Jahr auf Netflix eine Serienverfilmung des Buchs, welche den Titel Quicksand trägt. Normalerweise lese ich Bücher, bevor ich die dazugehörigen Verfilmungen schaue. Allerdings war Im Traum kannst du nicht lügen einer der wenigen Fälle, in dem ich die Serie sah, bevor ich das Buch las. Da ich die Serie gut fand, entschied ich mich im Zuge der Weltlesereise das Buch für Schweden zu lesen.  Denjenigen, die die Serie, aber nicht das Buch kennen, möchte ich an dieser Stelle mitteilen, dass die Serie dem Buch stark ähnelt.

Falls ihr weder Buch noch Serie kennt, hier ein kurzer Abriss der Handlung: An einer Eliteschule in Stockholm kam es zu einem Amoklauf. Eine der wenigen Überlebenden, aus dem Klassenraum, ist die achtzehnjährige  Maja. Der Täter war ihr Freund Sebastian und ist als seine Komplizin angeklagt. Maja ist die meistgehasste Person Schwedens, doch die Frage stellt sich, ob sie schuldig ist. Gleichzeitig setzt sich der Roman damit auseinander, wie es soweit kommen konnte. Um dies aufzudecken, wechselt der Roman zwischen Rückblenden und dem Gerichtsprozess.

Ich denke, dass es spannender ist das Buch zu lesen, wenn man die Serie nicht kennt. Da man dann die Antwort auf die Fragen, ob Maja schuldig ist und wie es so weit kommen konnte, noch nicht kennt. Dennoch lohnte sich die Lektüre des Romans für mich. Die Geschichte war zu keinem Zeitpunkt langweilig, sondern unterhaltsam und spannend geschrieben.

Malin Persson Giolito hat einen klaren und deutlichen Schreibstil. Dieser ließ Majas Handeln und Entwicklungen gut nachvollziehen und gab einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt. Zudem war Majas Stimme so geschrieben, wie die einer achtzehnjährigen. Dies gelingt nicht vielen Autor_innen, da sie häufig Charaktere in diesem Alter zu kindlich oder zu Erwachsen beschreiben. Malin Persson Giolito machte zum Glück nicht diesen Fehler.

Die gesamte Geschichte ist aus Majas Perspektive geschrieben, aber sie zeigt gleichzeitig einen guten Einblick in die anderen Figuren. Maja ist kein sympathischer Charakter. In anderen Rezensionen sah ich, wie manche Leser_innen stark über sie aufregten. Ich denke allerdings, dass sie keine nette Protagonistin sein soll. Sie soll verwöhnt, zynisch und uneinsinnig sein, um einen Blick auf die schwedische Gesellschaft zu werfen. An dem Schreibstil der Autorin mochte ich, wie sie mit Worten spielte, um die Entwicklung von Majas und Sebastians Beziehung aufzuzeigen. Am Anfang waren die Rückblendenkapitel der beiden mit „Sebastian und ich“ übertitelt, später hießen sie nur noch „Ich“. So wurde gut deutlich, wie sich die Beziehung der beiden im Laufe der Zeit weiter verschlechterte. Diese Rückblenden mischten sich gut mit der Haupthandlung und eine Rückblende war immer geschickt mit einem Kapitel der Haupthandlung vermischt.

Der interessanteste Aspekt an Im Traum kannst du nicht lügen ist seine starke Gesellschaftskritik. Der Buch setzt sich stark mit Reichtum, Sexismus, Rassismus und Arroganz auseinander. Sebastians Vater ist der reichste Mann Schwedens und viele der anderen Kinder an der Eliteschule wachsen im Luxus auf. Sie und Sebastian, können alles machen, was sie wollen und ihnen werden keine Grenzen gesetzt. Auch die Eltern verlieren die komplette Kontrolle und scheinen sich nicht sonderlich um ihre Kinder zu scheren. Gleichzeitig tun die Eltern und Schüler nach außen hin weltoffen, aber blicken mit Abscheu auf ärmere Menschen und Migranten. Dies bekommt vor allem der Schüler Samir zu spüren, der aus einer Flüchtlingsfamilie stammt und stark ausgegrenzt wird.

Besonder gut gefiel mir hier, wie sich der Roman Sexismus aufzeigte. Als Maja in ihrer Beziehung immer unglücklicher wird und Sebastian anfängt sie zu missbrauchen, will sie mit ihm Schlussmachen. Ihre Familie und Freunde überreden sie es nicht zu tun. Diese weisen sie ständig darauf hin, dass es Sebastian ohne sie schlecht geht und dass er sie braucht. Maja soll sich bitte um ihn kümmern, damit es ihm besser geht. Ihre eigenen Gefühle spielen keine Rolle.

Insgesamt war Im Traum kannst du nicht Lügen ein gelungener Roman. Er war gut geschrieben, spannend und übte wichtige Kritik an der schwedischen Gesellschaft.

 

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