Jerusalem: Die Altstadt Teil 2

Hallo zusammen,

eigentlich sollte ich jetzt in Portugal sein, aber wegen des Coronavirus musste ich meine Reise stornieren. Stattdessen werde ich gedanklich nach Jerusalem verreisen und euch auf meine Reise mitnehmen. In meinem letzten Reisebeitrag berichtete ich euch über das armenische und das christliche Viertel der Altstadt Jerusalems. Nachlesen könnt ihr ihn hier. Dieser Beitrag wird euch das jüdische und das muslimische Viertel Jerusalems vorstellen. Über den Tempelberg werde ich einen gesonderten Beitrag verfassen.

Muslimisches Viertel

Das muslimische Viertel ist das bevölkerungsreichste Viertel der jerusalemer Altstadt. Es herrscht dort die lebendigste Atmosphäre von allen Vierteln. Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt, verlaufen die Via Dolorosa und der Jerusalemer Shuk durch dieses Viertel.  Da ich diese Orte in dem anderem Beitrag beschrieb werde ich hier nicht genauer auf sie eingehen.

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Das muslimische Viertel bietet gute Möglichkeiten, um Essen zu gehen. Zum einem lassen sich an den verschiedenen Marktständen frisch gepresste Säfte oder Heißgetränke und Essen kaufen. Zum anderen gibt es in dem Viertel Restaurants. Vor allem leckere Hummus und Falafel lassen sich hier finden. Ein Restaurant, welches ich mehrmals besuchte ist die Pizzeria Basti. Dies ist ein palästinensisches Restaurant im muslimischen Viertel. Trotz des Namens ist das beste Essen dort nicht die Pizza, sondern fantastische Falafel und leckere Limonade.

Ähnlich wie die anderen Viertel der Altstadt gibt es beim muslimischen Viertel ein berühmtes Stadttor, und zwar das Damaskustor. Es neben dem Jaffator eines der belebtesten Tore der Altstadt. Wie der Name des Tores sagt, führt von ihm aus die Straße nach Damaskus. Am Damaskustor befinden sich viele weitere Restaurants und Geschäfte.

Zusätzlich gibt es in dem muslimischen Viertel zahlreiche Moscheen und Kirchen. Einige weitere christliche Sehenswürdigkeiten liegen im muslimischen Viertel, aber ich schaute sie mir nicht an.

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Eine Gasse im muslimischen Viertel

Jüdisches Viertel

Das jüdische Viertel ist das zweitgrößte Viertel der Jerusalemer Altstadt. Obwohl die jüdische Präsenz in der Stadt alt ist, ist das jüdische Viertel das erkennbar neuste Viertel der Altstadt. Dies liegt daran, dass die Altstadt Jerusalems zwischen 1948 und 1967 unter jordanischer Kontrolle stand. Während dieser Zeit zerstörten die Jordanier viele der Häuser und Synagogen im jüdischen Viertel zerstörte. Nachdem Israel die Altstadt 1967 im 6 Tage Krieg eroberte, kam es zum Wiederaufbau vieler dieser Gebäude.

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Cardo

Eine interessante Sehenswürdigkeit im jüdischen Viertel ist der Cardo. Cardo waren zur Römerzeit die wichtigste Straße einer römischen Stadt. Einen Cardo gibt es nicht nur in Jerusalem, sondern in anderen Städten mit römischen Ruinen. Die heutige Stätte zeigt, wo sich zu römischer Zeit die wichtigste Straße Jerusalems befand. Wie ihr auf diesem Foto sehen könnt, sind noch ein paar Ruinen von dem Cardo übrig, die sich von oben betrachten lassen. Zudem ist der Cardo in der Nähe mehrerer kleinerer Cafés. Dies war bei meinem ersten Besuch Jerusalems hilfreich, da es nass und kalt war und ich mich kurz aufwärmen konnte.

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Es gibt an der Seite die Möglichkeit in eine unterirdische Halle runter zu gehen. Dort wurde nachgezeichnet, wie der Cardo zu römischer Zeit aussah und wie das Marktreiben dort ablief. P1060423

Hurva Synagoge

Es gibt im jüdischen Viertel Jerusalems mehrere Synagogen. Die bekannteste davon ist die Hurva Synagoge. Diese Synagoge hat eine komplizierte Geschichte. Mit ihrem Bau wurde im Jahr 1700 begonnen. Dieser wurde erst 1856 vollendet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zuerst fehlte der jüdischen Gemeinde das Geld, um die Synagoge zu vollenden. Sie nahm einen Kredit bei lokalen Arabern auf. Als sie den Kredit nicht zurückzahlen konnten, steckten die Schuldner die Synagoge 1721 in Brand, um sie unbenutzbar zu machen. Dies verhalf der Synagoge zu ihrem späteren Namen, denn Hurva bedeutet auf Hebräisch Ruine.

Nach dem Brand war von der Synagoge lange Zeit nur diese übrig. Es gab Jahrzente lang  von den osmanischen Herrschen ein Verbot für den Wiederaufbau der Synagoge. Zudem fehlte es an Finanzierungsmöglichkeiten. Schließlich wurde das Bauverbot in den 1930er Jahren zurückgenommen und es ließen sich Finanzierer finden, sodass die Synagoge 1856 fertiggestellt werden konnte.

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Jahrzehntelang galt sie als schönste und wichtigste Synagoge der Region. Während des ersten israelisch-arabischen Kriegs 1948 eroberten jordanische Truppen die Synagoge und sprengten sie anschließend. Zwar eroberte Israel im 6 Tage Krieg 1967 die Altstadt Jerusalems, jedoch gab es keine Einigung darüber, wie sie aussehen sollte. Anstatt die Synagoge wieder aufzubauen, trat an ihre Stelle ein Gedenkbogen. In den 2000ern Jahren begann der Wiederaufbau der Hurva Synagoge. Dieser wurde 2010 beendet und die Synagoge wird wieder aktiv genutzt.

Klagemauer

Der bekannteste Ort im jüdischen Viertel ist die Klagemauer. Entgegen weiter Annahme handelt es sich bei ihr nicht um die heiligste Stätte im Judentum, sondern um die zweitheiligste. Allerdings ist es die heiligste Stätte, an der Juden beten dürfen (dazu in meinem nächsten Beitrag mehr).

Basierend auf der Geschichte und Bedeutung der Mauer, ist der englische Name Western Wall passender als die deutsche Bezeichnung. Die Mauer war die westliche Mauer des Jerusalemer Tempels und ist das einzige, was nach seiner Zerstörung übrig blieb. Die ursprüngliche Mauer war um einiges höher, jedoch wurde ein Teil von ihr abgetragen und ein weiterer Teil liegt unter der Erde.

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Wie ihr sehen könnt, befindet sich vor der Mauer ein großer Platz. Dieser ist allen Besuchern frei zugänglich. Als Nicht-Jude darf man genauso zur Klagemauer, wie als Juden und auch das christliche, muslimische, hinduistische etc. Bethen ist gestattet genauso wie das nicht Beten. Ich kann allen  den Besuch der Klagemauer empfehlen, selbst  wenn ihr nicht religiös seid.

Dabei müssen ein paar Regeln beachtet werden. Zum einen gibt es separate Bereiche für Frauen und Männer und Männer müssen eine Kippa aufsetzten. Zum anderen sollte man sich angemessen kleiden. Das heißt, eine Hose oder einen Rock, der mindestens bis zu den Knien reicht, und ein Oberteil, welches bis zu den Ellbogen geht. Also kein Top und Minirock Das Fotografieren ist (außer am Shabbat) erlaubt.

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Ich war während meiner Jerusalembesuche mehrmals an der Klagemauer und fand es jedes Mal bewegend. Besonders lustig war es an Purim, einem jüdischen Fest, an dem sich alle verkleiden. Da standen zahlreiche Menschen in Kostümen an der Klagemauer und beteten teilweise in Teufelskostümen.

So dies war mein Bericht über die verschiedenen Viertel der Altstadt. In meinem nächsten Reiesebeitrag wird es um einen Ort gehen, den ihr hier auf dem letzten Foto im Hintergrund sehen könnt: Den Tempelberg.

 

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