Jerusalem: Die Altstadt Teil 1

Hallöchen ihr Lieben,

heute gibt es zum ersten Mal seit Langem einen Beitrag über meinen Aufenthalt in Israel. Ich habe mich dieses Mal entschieden, den Beitrag anders zu gestalten als sonst. Normalerweise schreibe ich meine Reisebeiträge komplett in chronologischer Reihenfolge. Da ich mehrmals in der Altstadt von Jerusalem war, fasst dieser Beitrag mehrer meiner Jerusalembesuche zusammen. Ich berichte euch von den verschiedenen Orten, die ich dort sah, ohne dass es sich auf einen bestimmten Zeitraum bezieht. Neben der Altstadt Jerusalems besuchte ich noch andere Sehenswürdigkeiten Jerusalems, doch dies wird der Gegenstadt anderer Reisebeiträge sein. Zum ersten Mal war ich im Dezember 2018 in Jerusalem. Später besuchte ich die Stadt noch im März 2019 und im Juli 2019. Ich bin mir sicher, dass ich Jerusalem in Zukunft noch öfters besuchen werde. Die Stadt gehört zu meinen Lieblingsreiseorten. Ich kann euch allen empfehlen, sie euch anzuschauen.

Jerusalem ist eine Stadt mit einer komplexen Geschichte und heilig für drei Religionen. Ich versuche die verschiedenen Orte so gut wie möglich zu beschreiben und keine Fehler zu machen, aber keine Garantie, dass mir dies gelingt. Dieser Beitrag beschränkt sich auf das Armenische Viertel und das Christliche Viertel.

Die Altstadt von Jerusalem ist kleiner, als man denkt. Sie ist ca. 2km2 groß und in ihr leben ca. 40.000 Menschen.  Von Außen sieht die Altstadt so aus.

20190322_153157

Der Eingang in die Stadt führt durch eines von sieben Toren: Das Neue Tor, das Damaskustor, Herodestor, Löwentor, Zionstor oder das Jaffator. Letzteres seht ihr hier auf dem Bild.

Das Jaffator fungiert als Haupteingang in die Altstadt und von ihm aus starten die meisten Stadtführungen.  Es wurde 1538 von dem osmanischen Herrscher Suleiman der Prächtige errichtet. Der Name des Tors kommt daher, dass die Straße aus ihm heraus nach Jaffa führte. In Jaffa gibt es ein Jerusalemtor.

Direkt hinter dem Jaffator liegt die Davidzitadelle. Suleiman baute diese ebenfalls im 16. Jahrhundert. An ihrer Stelle befanden sich in der Vergangenheit andere Festungen. Trotz des Namens steht die Zitadelle nicht dem Ort, an dem König David lebte. Die Byzantiner interpretierten ältere Quellen falsch und glaubten, dass sich an der Stelle der Palast König Davids befunden hatte. Derartige Fehler gibt es in Jerusalem häufig und viele Orte oder Gebäude sind nach Personen benannt, mit denen sie nichts zu tun haben.

P1060412
Die Davidzitadelle

Die Altstadt Jerusalems ist in vier verschiedenen Viertel aufgeteilt, von denen ich nacheinander berichten werde: Armenisches Viertel, Christliches Viertel, Jüdisches Viertel und Muslimisches Viertel.

Armenisches Viertel

Fangen wir mit dem armenischen Viertel an: Wieso gibt es dieses überhaupt?

Die Armenier waren das erste Volk, welches das Christentum als Staatsreligion annahmen. Dies geschah im 4. Jahrhundert. In diesem Jahrhundert ließen sich einige Armenier in Jerusalem nieder und blieben über die Jahrhunderte dort. Lange Zeit lebten nur Priester und andere Angestellte im Dienste der Kirche in Jerusalem. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten weitere Armenier, die vor dem Armenischen Völkermord flohen, nach Jerusalem. Dadurch wuchs die armenische Gemeinde. Die Davidzitadelle gehört zum Armenischen Viertel.

P1060413
Das Armenische Viertel zur Weihnachtszeit

Im armenischen Viertel gibt es mehrere Souvenirläden, Restaurants, ein armenisches Museum und mehrere Kirchen. Die berühmteste davon ist die St.-Jakobuskathedrale. Die jetzige Kathedrale kommt aus dem 12. Jahrhundert, aber sie steht an der Stelle, wo zum ersten Mal im Jahre 420 eine Kirche erbaut wurde. Hier sollen sich angeblich die Gebeine des Apostels Jakobus des Jüngeren befinden. Dummerweise behauptet die Kathedrale von Santiago de Compostela das Gleiche. Leider konnte ich die Kirche nicht betreten, aber sie sieht von außen schön aus.

P1060479P1060482

P1060417

Im armenischen Viertel lässt sich lecker Essen. Es gibt dort die armenische Taverne. Ein Restaurant mit armenischen Essen und wunderschöner armenischer Deko.

20181228_16030520181228_16063220181228_161000

Das Christliche Viertel

Das Christliche Viertel ist das nächste Viertel der Altstadt. Wer die Stadt durch das Jaffator betritt, landet dort. Zudem solltet ihr wissen, dass es in der Altstadt von Jerusalem einige Sehenswürdigkeiten gibt, die von einem Viertel in das andere übergehen. Mehre Sehenswürdigkeiten des Christlichen Viertels gehen in das Muslimische Viertel über oder beginnen dort und enden im Christlichen Viertel.

Das Viertel gehört nicht zu einer christlichen Konfession, stattdessen ist es der Sitz mehrer Christlicher Konfessionen, die sich regelmäßig um die christlichen Stätten Jerusalems streiten.

Shuk

Der Shuk von Jerusalem ist einer meiner Lieblingsorte Jerusalems. Er erstreckt sich nicht nur durch das Christliche, sondern auch durch das Muslimische Viertel der Altstadt. Es gibt unzählige Stände mit Kleidung, Accessoires, Schmuck, Souvenirs und Essen. Viele Geschäfte verkaufen dieselben Produkte, aber manche haben einzigartige Objekte.

20181229_094628

Der Shuk bestehlt aus zahlreichen kleinen Gassen, die alle ineinander übergehen. Hier verlor ich öfters die Orientierung, aber ich glaube dies gehört zu einem richtigen Besuch des Shuks dazu. Viele der Verkäufer sind aufdringlich und versuchen einem alle möglichen Sachen anzudrehen. Es ist laut und voll, aber dies schadet dem Shuk nicht, im Gegenteil es sorgt für eine einzigartige Stimmung. Hinzu kommt, dass es auf dem Markt zahlreiche Gewürzstände gibt, die einen wunderbaren Geruch verbreiten. P1060431

Es gibt auf dem Markt einiges an leckerem Essen und trinken zu kaufen. Zahlreiche Stände bieten gemixte Fruchtsäfte an. Mein absoluter Favorit ist Granatapfelsaft, der in der Region häufig angebotet wird.

Als ich zum ersten Mal in der Altstadt Jerusalem war, gab es außerdem Sachlab. Dies ist ein süßes Milchgetränk, das nach Zimt und Kokoss schmeckt. Genau das Richtige, um mich im Winter aufzuwärmen. P1060508

Einer der faszinierendsten Aspekte an dem Shuk ist für mich definitiv die Kleidung. Es gibt viele Geschäfte die sowohl Kippas, als auch palästinensische Keffiyehs verkaufen. Ketten mit dem Davidstern und dem islamischen Halbmond lassen sich an demselben Stand kaufen. Genauso gibt es Stände wie diesen, der pro-palästinensische und pro-israelische T-Shirts und Sweatshirts verkauft. Er bedruckt T-Shirts und Sweatshirt mit allen möglichen Motiven.

Ich war bei meinem ersten Besuch der Altstadt im Winder dort und hatte keine warmen Klamotten dabei. Aus diesem Grund ließ ich mir einen Pullover mit diesem lustigen Motiv bedrucken.

20181228_184000

20190322_154705

Via Dolorosa

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im christlichen Viertel Jerusalems ist die Via Dolorosa. Diese beginnt im Muslimischen Viertel, aber endet im Christlichen Viertel. Via Dolorosa bedeutet auf lateinisch Leidensweg und dieser Weg durch die Altstadt soll die Route sein, die Jesus als er das Kreuz durch Jerusalem trug, nahm. Heute gibt es in Jerusalem 14 Stationen, die den Leidensweg Jesu markieren. Die letzte davon ist die Grabeskirche.

Geführte Touren durch die Altstadt halten an den verschiedenen Stationen, aber nicht immer an allen. Die Stationen sind gekennzeichnet und wer will, kann die Via Dolorosa alleine nachgehen. Allerdings lassen sich die Stationen leicht übersehen, da sie teilweise zwischen verschiedenen Geschäften und Restaurants liegen.

P1060510
Station 7 der Via Dolorosa. Hier soll Jesus zum zweiten Mal gefallen sein

Grabeskirche

Die Via Dolorosa endet an der Grabeskirche, der bekanntesten Kirche Jerusalems. Diese steht dort, wo angeblich Jesus gekreuzigt begraben und aufgestanden sein soll. In ihr befinden sich die letzten 4 Stationen der Via Dolorosa. Die erste Kirche an dieser Stelle ließ  im 4. Jahrhundert von Helena der Mutter von Konstantin dem Großen errichten. Allerdings wurde sie mehrere Male zerstört und wieder aufgebaut. Hinzu kommt, dass verschiedene Teile zu unterschiedlichen Zeitpunkten gebaut wurden.

20190706_114646
Ein anderer Weg zur Grabeskirche in Jerusalem

Für Christen ist die Kirche wegen ihrer religiösen Signifikanz ein wichtiger Wallfahrtsort. Ich finde, dass es sich aus anderen Gründen lohnt, sie zu besuchen, selbst wenn man nicht religiös ist. 6 verschiedene christliche Gruppierungen teilen sich die Kirche und streiten sich heftig um sie. Die sind die folgenden christlichen Konfessionen: Die katholische Kirche, die äthiopisch-orthodoxe Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche, die koptische Kirche und die syrisch-orthodoxe Kirche.

P1060432
Die Grabeskirche von Außen

Da alle diese Konfessionen die Kirche beanspruchen, kam es in der Vergangenheit zu schweren Konflikten zwischen ihnen. Priester der verschiedenen Kirchen töteten sich gegenseitig. Die Osmanen hatten irgendwann genug davon und führten 1757 den sogenannten Status quo ein. Dieser legt fest, dass Änderungen an der Kirche nur vorgenommen werden dürfen, wenn alle christlichen Gruppierungen dem zustimmen. Zudem wurde der Schlüssel für die Kirche in die Hände einer muslimischen Familie gegeben. Jeder christlichen Gruppe steht ein gewisser Bereich der Kirche zu.

Der Status quo wird ist heute noch in Kraft. Dennoch kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den verschiedenen christlichen Gruppierungen. Gelegentlich muss die israelische Polizei anrücken, um Prügeleien zwischen verschiedenen Mönchen aufzulösen. Es lohnt sich die Kirche mit einem/r guten Führer_in zu besuchen, der euch diese erklären kann. Sie sind interessant. Als ich da war, gab es zum Beispiel gerade einen Konflikt zwischen den Katholiken und einer anderen christlichen Gruppe.

Die Kirche hat festgelegte Zeiten wann die verschiedenen Gruppierungen Gottesdienste veranstalten dürfen. Wenn eine Gruppe einen Ehrengast hat, dürfen sie einen Extragottesdienst veranstalten. Da die Katholiken sich mit der anderen Gruppe im Konflikt befanden, luden sie ständig Kardinäle oder Bischöfe als Ehrengäste ein, um den anderen Gruppierungen mit ihren Extragottesdiesten auf die Nerven zu gehen. Neben diesen inter-religiösen Konflikten ist die Kirche wegen ihrem Innerem faszinierend.

20181229_165402

Im Inneren der Grabeskirche war es nicht leicht Fotos zu machen. Zum einen, weil es  voll ist und zum anderen, weil Teile der Kirche dunkel sind. 20181229_170542

Ein weiterer interessanter Aspekt der Kirche sind ihre verschiedenen Stile. Dadurch, dass die Kirche zwischen den verschiedenen Konfessionen aufgeteilt ist, besteht sie aus mehreren Teilen, die alle unterschiedlich aussehen. Der katholische Teil ähnelt katholischen Kirchen, der griechisch-orthodoxe Teil griechisch Orthodoxen Kirchen, etc. 20181229_171527

20190706_121031

Der wohl wichtigste Teil der Kirche ist die Grabeskappelle, die ihr in den beiden obigen Fotos seht. Dort soll angeblich Jesus begraben worden sein. Viele Menschen stehen dort stundenlang an, um das Grab kurz berühren zu können. Ich hatte kein Interesse daran.

20190706_122236

Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, ist das Innere der Kirche schön und ich mochte es die verschiedenen Stile zu sehen.

Es gibt noch mehr in beiden Vierteln zu sehen. Gerade das christliche Viertel enthält noch zahlreiche weitere Kirchen und Kloster. Die her beschriebenen Orte sind jedoch die bekanntesten.

In meinem nächsten Reisebericht werde ich mich wieder der Altstadt Jerusalems widmen und euch von den Jüdischen und dem Muslimischen Vierteln der Altstadt berichten.

 

 

4 Gedanken zu “Jerusalem: Die Altstadt Teil 1

  1. Wenn ich deinen Bericht so lese wird mir klar, dass ich unbedingt mal für länger nach Jerusalem möchte. Ich bin 2016 für einen Tag dort gewesen und war einfach nur von den Bauwerken und der Historie beeindruckt.
    LG Kerstin

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu reisenderbuecherwurm Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.