The Poppy War von R.F. Kuang

Titel: The Poppy War
Deutscher Titel: Im Zeichen der Kornblume (erscheint am 20.01.2020)
Länge: 545 Seiten
Format: E-Book
Verlag: Harper Voyager
Erscheinungsjahr: 2018
TW: Genozid, Krieg, Tod, Vergewaltigung, Gewalt, Rassismus, Kolonialismus, Drogen, Sucht
Spoilerwarnung: Mir fällt es schwer zu beschreiben, was genau mich an dem Roman störte, ohne zu spoilern. Ich habe mich entschieden eine Rezension ohne Spoiler zu Schreiben und in ihr wage zu bleiben. Hinter diese Rezension werde ich einen Spoilerabschnitt packen, in dem ich meine Probleme mit gewissen Handlungspunkten genauer beschreibe. Ihr könnt euch entscheiden, ob ihr diesen lesen wollt oder nicht.
Deutscher Klappentext: Rin ist ein einfaches Waisenmädchen, das im Süden des Kaiserreichs Nikan lebt. Ihre Adoptiveltern benutzen sie als billige Arbeitskraft, und um sie herum gibt es nur Armut, Drogensucht und Ödnis. Um diesem Leben zu entfliehen, setzt sie alles daran, um an der Eliteakademie von Sinegard aufgenommen zu werden. Doch auch dort wird Rin wegen ihrer Herkunft verspottet und ausgegrenzt. Da bricht ein Krieg gegen das Nachbarreich aus. Rin muss nun kämpfen und entdeckt dabei, dass ihre Welt nie so einfach war, wie sie geglaubt hatte – und dass sie zu viel mehr in der Lage ist, als sie selbst je für möglich gehalten hätte.

Beginnen wir mit einem der positiven Aspekte des Romans: Das Worldbuilding. Dieses basierte auf der chinesischen Geschichte und verband diese gelungen mit Mythen. Die Magie basierte hier auf der Schamanentradition, was ich interessant fand. Es ist anders als viel, was ich bisher in Romanen sah. Besonders gut gefiel mir an der Geschichte, wie die Autorin genügend erklärte, aber es gleichzeitig schaffte gewisse Geheimnisse zu bewahren, die erst n den Folgebänden der Bände aufgeklärt werden. Dies gelingt vielen Autor_innen nicht.

Das Worldbuilding bleibt leider, der einzige Aspekt von The Poppy War, an dem ich keine Kritikpunkte habe. Charaktere, Handlung, Sprache und Themen zeigten alle Potenzial, aber ich habe größere Kritikpunkte an ihnen. Zuerst möchte ich anmerken, dass ich, trotz meiner Kritik an dem Roman, R. F. Kuang für eine talentierte Autorin halte. Für ein Debüt sind viele Facetten von The Poppy War durchaus gelungen und ich denke, sie wird eine erfolgreiche Karriere als Autorin haben.

Kommen wir als Erstes zum Schreibstil. Dieser ist gut. Kuang schaffte es mit ihrem Schreibstil interessant den Spannungsbogen zu halten und mich mit der Protagonistin mitfiebern zu lassen. Allerdings verwendete sie an mehreren Stellen, die nicht in die Welt des Romans passten und zu modern wirkten.

Mit Rin schuf die Autorin eine facettenreiche Protagonistin, deren Entwicklung interessant zu verfolgen ist. Wobei mir die Richtung dieser Entwicklung gegen Ende des Romans nicht gefiel. Mich störe zudem an ihr, dass sie zu perfekt ist. Sie ist extrem intelligent und kann gut lernen, sie wird zu einer exzellenten Kämpferin, sie ist eine starke Magierin. In allem, was sie macht, ist sie extrem gut. Ähnlich verhielt es sich mit dem Charakter Altan, der nach ihr die größte Rolle in The Poppy War spielte. Gerade die Charaktere mit magischen Kräften waren in dem Roman zu stark und konnten teilweise ganze Armeen alleine ausschalten. Dies wurde irgendwann lächerlich.

Während die Protagonistin facettenreich war, blieben die Nebencharaktere Stereotypen. Es gab die Zicke, den besten Freund, den exzentrischen Lehrer, etc. Alle Nebencharaktere hatte ich ähnlich in anderen Geschichten gesehen. Zusätzlich störten mich zwei weitere Punkte an den Nebencharakteren: Es gab viele Nebencharaktere und die Meisten von ihnen kamen kurz vor. Dies muss nicht immer schlecht sein. Es gibt viele Romane, die mit einer großen Anzahl an Charakteren überzeugen, und in denen Charaktere die nur in ein paar Szenen vorkommen in Erinnerung bleiben. Dies war bei The Poppy War nicht der Fall. Dadurch das die meisten Nebencharaktere wandelnde Stereotypen waren viel es schwer sie in Erinnerung zu behalten. Es passierte zum Beispiel, dass ein Nebencharakter stab und dies Rin stark belastete. Ich merkte, dass Kuang an dieser Stelle bei mir als Leserin Trauer auslösen wollte. Das Problem war, ich konnte mich nicht mehr erinnern, wer dieser Charakter war, da er über keinerlei Alleinstellungsmerkmale verfügte.

Zu der Story von The Poppy War habe ich gemischte Gefühle. Die erste Hälfte gefiel mir  gut. Die zweite Hälfte mochte ich dagegen nicht. Die erste Hälfte des Romans handelt von Rins Aufnahme an der Eliteakademie Sinegard und ihrer Ausbildung dort. Ehrlich gesagt erinnerte mich dieser Teil des Romans stark an Der Name des Windes von Patrick Rothfuss. Viele der Charaktere und Handlungselemente ähnelten sich. Wer schon mal Fantasyromane, in denen Eliteakademien oder Magierschulen vorkommen gelesen hat, wird in diesem Teil des Romans viele bekannte Motive entdecken. Trotz der bekannten Handlungselemente, war dieser Teil der Geschichte unterhaltsam. Wäre der Rest von The Poppy War ähnlich verlaufen, hätte ich den Roman insgesamt positiv beurteilt. Leider gab es jedoch die zweite Hälfte des Romans.

Diese ist  anders als diese erste Hälfte. Sie handelt größtenteils vom Krieg, der zwischen Nikan und dem Nachbarreich ausbricht und enthält mehrere Schlachten. Vom Ton her ist die zweite Hälfte vollkommen anders als die erste. Dieser Wechsel kam  aprubt. Der ganze Roman änderte sich direkt, ich hatte fast das Gefühl einen anderen Roman zu lesen. Hier hätte die Autorin einen besseren Übergang schaffen können.

Kuang beschreibt die Schlachten mitreißend und spannend, sodass ich beim Lesen richtig mit Rin mitfiebern konnte. Dennoch muss ich die Gewaltdarstellung in dem Roman kritisieren. The Poppy War enthält mit die grausamsten Szenen, die ich je in einem Roman las. Selbst wer viel gewohnt ist, wird hier vermutlich stark mitgenommen. Ich bin nicht per se gegen Gewaltdarstellungen in Romanen und einige meiner Lieblingsromane enthalten brutale Szenen. Allerdings finde ich Romane, die solche Szenen enthalten sollten sensibel an das Thema herangehen. Dies fehlte mir bei The Poppy War teilweise.

Wenn abscheuliche Dinge passierten, wurden diese schnell abgehakt und dann kam die nächste Szene. Meiner Meinung nach fehlte es an tieferer Auseinandersetzung mit den furchtbaren Ereignissen. Dies ist besonders tragisch, da Teile des Romans von historischen Ereignissen inspiriert wurden. Teilweise wurden hier Nebencharaktere von Gewalt getroffen und erfuhren diese am eigenen Leibe. Mit dem Effekt, den die Gewalt auf sie hatte beschäftigte sich der Roman kaum. Stattdessen wurde nur gezeigt, wie Rin sich damit fühlte. Das Leiden andere Charaktere wurde benutzt, um Rin voranzutreiben und in eine gewisse Richtung zu entwickeln. Wie es den leidenden Charakteren ging, war egal.

Mein letzter Kritikpunkt ist Rins Entwicklung gegen Ende des Romans. In den letzten Szenen tut sie Dinge, die ich komplett unverzeihlich finde und die sich nicht entschuldigen Lassen. Kuang entschuldigt Rins taten ebenfalls nicht.  Das Problem ist hier, dass The Poppy War der erste Teil einer Trilogie ist und dass die Geschichte aus Rins Perspektive geschrieben ist. Ich habe keine Lust 2 weitere Bücher, die jeweils ca. 500 Seiten lang sind, in dem Kopf von einem Charakter zu verbringen, der so etwas getan hat. Dies ist einer der Gründe, warum ich die Folgebände der Reihe nicht lesen werde.

In The Poppy War zeigte R. F. Kuang, dass sie eine talentierte Autorin ist und faszinierende Welten schaffen kann. Dennoch überwiegen die negativen Aspekte des Romans für mich die positiven. Die Protagonistin war zu kompetent in allem und entwickelte sich am Ende der Handlung in eine furchtbare Richtung. Die Nebencharaktere blieben  Stereotypen, die mich weitestgehend nicht begeistern konnten. Hinzu kommt, dass sich The Poppy War nicht angemessen mit Gewalt und ihren Konsequenzen auseinandersetzte. Aus diesen Gründen werde ich die Folgebände nicht lesen.

Spoiler

Falls ihr eine detaillierte Beschreibung der Handlungspunkte lesen wollt, die mich störten, könnt ihr sie hier lesen. Falls nicht hört an dieser Stelle auf zu lesen.

  1. The Poppy War basiert auf dem Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, vor allem auf dem Massaker von Nanking. Dies war eines der brutalsten Epochen der Menschheitsgeschichte (falls diese Ereignisse euch nichts sagen, seiht beim googlen vorsichtig, denn es war wie gesagt ein abscheuliches Ereignis und die Beschreibungen sind hart zu lesen). In dem Roman gibt es ein Massaker, dass an das von Nanking angelehnt ist. Dieses wird in einem Kapitel gegen des Romans beschrieben. Brutale Gewaltexzesse werden über Seiten beschrieben, aber mit den Auswirkungen auf die wenigen Überlebenden und den Konsequenzen des Massakers setzt sich The Poppy War kaum auseinander. Stattdessen liegt der Fokus darauf, Rins Entwicklung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dies ist meiner Meinung nach keine angemessene Art und Weise, um sich mit solch grausamen  Ereignissen zu beschäftigen.
  2. Eine Freundin von Rin wird bei dem Massaker vergewaltigt. Das was ihr passierte, scheint an die Schicksale der „Trostfrauen“ angelehnt zu sein. Rin erfährt später davon und sinnt auf Rache an den Tätern. Damit wie es der Freundin ging, setzte sich der Roman kaum auseinander. Sie verschwindet, nachdem sie Rin von der Vergewaltigung erzählte, von der Bildfläche. Ich bin nicht gegen Vergewaltigungen in Romanen, aber wieder gilt, diese sollten sich angemessen damit beschäftigen. Dies tut The Poppy War nicht, stattdessen ist es ein Plot Device, um Rins Entwicklung voranzutreiben.
  3. Am Ende des Romans sinnt Roman auf Rache. Sie nutzt ihre Magie um den Feind zu vernichten. Sie tötet nicht nur die Soldaten, sondern sämtliche Angehörigen des Volkes. Kinder die friedlich in ihrer Heimat leben und niemanden in Nikan etwas antaten. Rin begeht ebenfalls einen Genozid und sie fühlt sich nicht schuldig. In dem Kopf eines Charakters, der dies getan hat, will ich keine zwei weiteren Romane verbingen.

 

 

 

 

3 Gedanken zu “The Poppy War von R.F. Kuang

  1. Hallöchen,

    ich hatte schon länger überlegt es zu lesen. Nach deiner Rezension bin ich tatsächlich eher abgeneigt. Mich hasse Schlachtszenen. Nichts langweilt mich mehr. Politische Intrigen und Pläne schmieden, yey, Schlachten, meh.
    Aber gut zu wissen, dass das Buch tatsächlich auch auf Deutsch erschienen ist, davon wusste ich noch gar nichts.

    Liebe Grüße
    Sarah von Books on Fire

    Gefällt 1 Person

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