Antisemitism: What it is . What it isn’t. And why it matters von Julia Neuberger

Titel: Antisemitism: What it is. What it isn’t and why it matters.
Länge: 192 Seiten
Format: E-Book
Verlag: Tor Books
Erscheinungsjahr: 2019
In letzter Zeit beschäftigte ich mich ausführlicher mit Antisemitismus. Als ich online einen Artikel über Julia Neubergers Buch las, entschied ich mich es zu lesen. Die Autorin ist eine Rabbinerin, Mitglied des britischen Unterhauses und engagiert sich im interreligiösen Dialog.
In der Einführung erklärt Neuberger, dass sie das Buch schrieb, weil sich die Situation von Jüd_innen in Großbritannien in den letzten Jahren stark verschlechterte. Sie beschreibt, wie sie in ihrer Kindheit und Jugend kaum Antisemitismus ausgesetzt war. Sie fühlte sich in dem Land als Jüdin sicher. Dies änderte sich in den letzten 15 Jahren stark.

Der Rest des Buchs ist in 3 Abschnitte aufgeteilt. Der erste Abschnitt heißt „Where did antisemitism come from“. Er erklärt die historische Entwicklung des Antisemitismus von der Antike bis zur aktuellen Situation. Aufgrund der Kürze des Buchs ist diese historische Abhandlung knapp und es können nicht alle Entwicklungen erklärt werden. Dennoch ist die Erklärung gut, gerade für Leser_innen, die noch nicht viel über das Thema Antisemitismus wissen. Ich wusste  viel, das in dem Abschnitt erklärt wurde. Gleichzeitig lernte neue Dinge aus dieser Passage. Zudem erklärt Julia Neuberger gut, wie sich manche antisemitische Stereotypen, wie z. B. die Ritualmordlegende, über Jahrhunderte veränderten.

Der zweite Abschnitt trägt den Titel „What it it – and what it isn’t „. Hier macht die Autorin deutlich, wie sich Antisemitismus erkennen lässt. Es beginnt mit einer Unterscheidung von legitimer Kritik an Israel und Antisemitismus. Es folgen Erläuterungen über die Ritualmordlegende, die Verschwörungstheorie, dass Jüd_innen die Medien und Finanzen kontrollieren, Holocaustleugnung und aktuellen Fällen von Antisemitismus. In Letzteren bezieht sich Neuberger vor allem auf Großbritannien. Sie geht auf Fälle von Antisemitismus in den beiden größten britischen Parteien (den Torries und Labour) ein. Wer britischer Politik aufmerksamer folgt, weiß dass es in der Labour Partei in den letzten Jahren haufenweise antisemitische Vorfälle gab. Falls ihr euch damit noch nicht befasst habt, bekommt ihr in dem Buch eine gute Erklärung der wichtigsten Ereignisse. Zusätzlich geht Neuberger auf Vorfälle in verschiedenen anderen Ländern ein. Die Autorin schaffte es zahlreiche aktuelle Ereignisse in das Buch einzubringen. Sogar das Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh im letzten Jahr findet Erwähnung.

Der letzte Abschnitt heißt „how does it feel“ und zeichnet auf wie sich Jüd_innen unter dem wachsenden Antisemitismus fühlen. Er skizziert was sich dagegen tun lässt und analysiert, wieso der Wachsende Antisemitismus nicht nur Jüd_innen, sondern der Gesellschaft als Ganzes schadet. Dieser Abschnitt ist um einiges kürzer als die beiden Vorgänger.

Auf knapp unter 200 Seiten bietet Julia Neuberger eine gute Einführung in das Thema Anitsemitismus. Für mich waren nicht viele neue Informationen dabei, da ich mich mit der Thematik länger beschäftige. Ich glaube aber, wer dies bisher noch nicht getan hat, bekommt mit Antisemitism die perfekte Einführung in die Thematik. Neuberger beschreibt hier den Konsens der Antisemitismusforschung. Die Erklärungen sind leicht verständlich und lassen sich ohne irgendwelches Vorwissen verstehen. Zwar geht das Buch am stärksten auf die Entwicklungen in Großbritannien, aber viel davon ist in anderen Ländern relevant.

Es gibt einen großen Kritikpunkt an dem Buch: Es enthält zahlreiche Fehler. Nicht in den Erklärungen zum Thema Antisemitismus, diese sind richtig. Stattdessen schlichen sich Fehler in die Hintergrundinformationen ein. Die Autorin behauptet dass die meisten Israelis die Gebiete jenseits der Grünen Linie als „Besetzte Gebiete“ oder als „Westjordanland“ bezeichnen. Dies sind zwar die international am weitesten verbreiteten Bezeichnungen, aber die wenigsten Israelis verwenden sie. An andere Stelle beschreibt sie den Pastor und KZ-Häftling Martin Niemöller als Gegner des Antisemitismus. Zwar war Niemöller ein Gegner des NS-Regimes, doch er äußerte sich mehrmals antisemitisch. Mehrere weitere Fehler schlichen sich in das Buch ein. Meine Vermutung ist, dass dies daran liegt, dass das Buch schnell geschrieben und lektoriert wurde.  Antisemitism erwähnt den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch. Dieser ereignete sich am 15.03.2019. Das Buch erschien am 30.05.2019. Dies heißt es blieb nicht viel Zeit für das Lektorat und den Faktencheck. Vermutlich schrieb die Autorin das Buch schnell und es kam zu den Fehlern. Ich wünschte mir, der Verlag hätte sich mehr Zeit für die Veröffentlichung genommen. In dem Fall hätten sich zahlreiche Fehler vermeiden lassen. 

Insgesamt ist Antisemtism eine gute Einführung in das Thema Antisemitismus, aufgrund unnötiger Fehler ist das Buch nicht perfekt.

 

 

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