Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten von Becky Chambers

Titel: The Long Way to a Small, Angry Planet
Deutscher Titel: Der lange Weg zu einem kleinen, zorningen Planeten
Genre: Science Fiction
Länge: 464 Seiten
Format: E-Book
Verlag: Hotter & Stoughton
Erscheinungsjahr: 2015
Deutscher Klappentext: Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

The Long Way to a Small, Angry Planet erschien 2015 und wurde fast durchweg positiv rezipiert. Auch auf zahlreichen anderen Blogs las ich Lobeshymnen. Das Buch lag seit zwei Jahren auf meinem SuB, aber ich las es in dieser Zeit nicht. Die ganzen positiven Rezensionen machten mich skeptisch. Ich bin Hypes gegenüber misstrauisch und dachte mir „so toll kann das Buch nicht sein“. Jetzt las ich es  im Zuge der Science-Fiction Challenge und weil ich im März ausschließlich Bücher von Frauen lesen wollte. Nach Beenden des Romans muss ich sagen: Die Kritiker_innen hatten recht The Long Way to a Small, Angry Planet ist fantastisch und ich hätte es viel früher lesen sollen.
Um The Long Way to a Small, Angry Planet zu mögen muss man ein Fan langsamer Romane sein. Das Buch ist stark auf die Charaktere fokussiert und die Handlung ist eher langsam. Es handelt weitestgehend von der Reise der Wayfarer und es gibt kaum actionlastige Momente. Die Handlung bleibt bis auf einige spannende Szenen am Ende  ruhig. Es gibt keine dramatische Momente, stattdessen ist es eher ein feel-good Roman.
Wer charakterfokussierte Romane mag, wird dieses Buch sicher mögen. Außerdem sollte jeder hier Charaktere finden die er_sie mag. Meine persönlichen Favorit_innen war die Pilotin Sissix, welche ein bisschen wie die Mutter der Crew war, aber auch tough sein konnte. Dr. Chef war als Koch und Arzt die gute Seele des Schiffs, denen man lieb haben musste.  Kizzy, eine quirlige Technikerin auf dem Schiff, war ebenfalls amüsant zu lesen. Die weiteren Charaktere sind schön ausgearbeitet und der Roman konzentriert sich auf ihre Entwicklungen und Beziehungen. Die Beziehungen blieben nicht oberflächlich, sondern waren tief ausgearbeitet. Es ist schön einen Sci-Fi Roman zu lesen, der in die Tiefe von Freundschaften und Kameradschaften geht. Da dies in dem Genre eher selten vorkommt. Gleichzeitig fand ich es angenehm, dass der Roman den Fokus kaum auf romantische Beziehungen legte. Von der Romanze zwischen Jenks und dem AI Lovelance abgesehen. Diese ist nicht kitschig geschrieben und nimmt nicht zu viel Raum in der Handlung ein.
Positiv ist hier, dass die Charaktere divers sind. Sie gehören verschiedenen Völkern an, manche von ihnen sind PoC, andere sind Queer, es gibt eine Beziehung zwischen zwei Frauen und die unterschiedlichen Völker haben verschiedene Vorstellungen von Gender und Beziehungen. Die weiblichen Charaktere sind gut ausgearbeitet. Sie sind kompetent und auf ihre eigene Art stark, was nicht immer durch physische Stärke gezeigt wird. Rosemary ist zum Beispiel keine Kämpferin, aber intelligent und fähig in ihrem Job. Gut gefiel mir an dieser Stelle auch die Beziehung zwischen dem Kapitän Ashby und seiner Freundin. In vielen Romanen ist es so, dass der Mann einen gefährlichen Job hat und die Frau voller Sorge auf ihn wartet. Hier war es umgedreht.
Ein weiteres Highlight des Romans ist das Worldbuilding. Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in dem sich die Menschheit im Weltraum befindet, aber in der gleichzeitig andere Völker existieren. Diese Völker sind einzigartig und anders als alle, die ich bisher in anderen Sci-Fi Romanen gelesen habe. Sissix gehört zum Beispiel einem reptilienartigen Volk an, bei dem die Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Dennoch sind emotionale Bindungen und physischer Kontakt für das Vokk wichtig sind. Die Autorin erklärt die Welt verständlich, ohne Infodumps zu verfassen.
Zudem spricht der Roman wichtige Themen wie Moral  bei Themen wie Klonen oder lebensrettende Maßnahmen, wenn jemand gegen diese Maßnahmen ist, an. The Long Way to a Small, Angry Planet handelt von der Überwindung von Vorurteilen. Denn die Angehörigen der unterschiedlichen Völker haben Vorurteile anderen Völkern gegenüber und müssen diese während der Reise überwinden.
Insgesamt ist The Long Way to a Small, Angry Planet ein in allen Aspekten gelungener Roman, der vor allem mit seinen Charakteren und ihren wunderbaren Beziehungen besticht. Ich werde definitiv die anderen Bände der Wayfarer Reihe lesen.
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3 Gedanken zu “Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten von Becky Chambers

  1. Ich freue mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! In meinen Augen ist es auch etwas ganz Besonderes, weil es einfach so untypisch für das Genre ist. Ja, ein SciFi-Roman kann auch mal „Menschlichkeit“ und Akzeptanz im Fokus haben, anstatt nur von Kriegen zu erzählen. Ich fand es auch echt klasse.
    Liebe Grüße, Hannah

    Gefällt 1 Person

      1. Die habe ich noch nicht gelesen, zumindest Band 2 habe ich aber schon im Regal stehen. Ich fand den ersten Teil schon so „gemütlich“, dass ich die weiteren Teile unbedingt lesen muss – am besten dann, wenn ich etwas Positives brauche. 🙂

        Gefällt mir

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