Samoa: Telesa The Covenant Keeper von Lani Wendt Young

Titel: Telesa: Covenant Keeper
Genre: YA-Fantasy
Länge: 443 Seiten
Format: E-Book
Verlag: Pasifika Books
Erscheinungsjahr: 2011
Wie in meinem Eintrag zu Kiribati  erwähnt, ist es nicht einfach Literatur für die pazifischen Inselstaaten zu finden. Bei Samoa ist die Lage anders und es gibt mehrere Bücher von Autor_innen aus dem Land. Diese lassen sich leicht online kaufen und sind nicht, wie es bei Kiribati der Fall war, nur in Fachbibliotheken erhältlich.
Lani Wendt Young ist einer der erfolgreichsten samoanischen Autor_innen der letzten Jahre. Sie baut in ihrer Bücher explizit samoanische Kultur ein und hofft viele Jugendliche aus Samoa zum Lesen zu bewegen. Mit diesem Vorhaben hatte sie Erfolg und der Auftakt ihrer Telesa Reihe war ein Bestseller in der Pazifikregion.
Telesa: The Covenant Keeper handelt von Leila, der Tochter einer samoanischen Frau, die kurz nach ihrer Geburt starb, und eines Amerikaners. Leila wuchs mit ihrem Vater in den USA auf. Nach dessen Tod, begibt sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben nach Samoa, um das Land und die Familie ihrer Mutter zu entdecken. Ihre Tante verhält sich mysteriös und weigert sich Leila irgendwas über ihre Mutter zu erzählen. Gleichzeitig merkt sie, dass sie über magische Kräfte verfügt und dann ist da noch der gut aussehende Junge Daniel, in welchen Leila sich verliebt.

Ein Highlight des Buches ist definitiv das Worldbuilding, bei dem es der Autorin wunderbar gelingt die samoanische Kultur einzubinden. Da die Protagonistin Samoa zum ersten Mal besucht, lernen die Leser_innen das Land gut mit ihr kennen und werden mit ihr über Land und Kultur informiert. Lani Wendt Young gelingen hier exzellente Beischreibungen, welche mir halfen sich das Land vorzustellen. Bei ihren Beschreibungen samoanischen Essens bekam ich direkt Hunger. Zum Glück sind im Anhang einzige Rezepte beigefügt. Außerdem bindet die Autorin gut lokale Folklore in ihre Geschichte ein. Leilas magische Fähigkeiten sind an eine lokale Legende über eine Art weibliche Dämonen namens Telesa angelehnt. Natürlich hat sich die Autorin hier Freiheiten genommen und erklärt in den Anhängen, wie die Legende der Telesa auf Samoa erzählt wird.

So sehr ich das Worldbuilding lobe, so muss ich andere Aspekte des Werks kritisieren. Die beiden wichtigsten Charaktere Leila und Daniel fand ich extrem nervig. Leila hatte starke Stimmungsschwankungen und ihre Stimmung änderte sich von einem Moment zum nächsten. In einem Moment schwört sie dem einen Jungen ewige Liebe, im nächsten will sei einen anderen küssen und dann steht sie wieder auf den Ersten.  Außerdem meckerte sie andere Leute öfters ohne irgendwelche Gründe an.  Gut gefiel mir an ihr, dass sie nicht so hilflos war wie die Protagonistinnen vieler anderer YA Romane. Sie versuchte sich gegenüber Leuten, die sie einschüchtern wollten, zu behaupten.

Daniel war der typische perfekte YA Loveinterest. Er sieht fantastisch aus, er ist ein exzellenter Schüler und so etwas wie ein Schülersprecher, er kann gut debattieren, er ist ein talentierter Sportler und im Schulrugbyteam, er ist Musiker, er betreibt das Handwerksgeschäft seiner Familie und er ist nett. Das war zu viel des Guten. Er ist als Charakter zu perfekt. Daniel hatte keine einzigen Charakterschwächen und es gab keine Dinge, die er nicht konnte. Die Romanze der beiden ist ebenfalls klischeehaft. Sie schwören sich nach kürzester Zeit die ewige Liebe und sagen, dass sie nicht ohne den Anderen leben können.

Es gab bei der Charakterisierung auch positive Aspekte. Zum einen nutzt die Autorin Leilas gemischte Herkunft um sich mit Themen wie Herkunft und Rassismus auseinanderzusetzen. Zum anderen gibt es in der Geschichte einen gender bendenden Charakter. Somit enthält das Buch ein Bisschen Diversität.

Auch zu der Handlung des Romans habe ich gemischte Gefühle.  Der Handlungsort und die Charaktere wurden gut vorgestellt und der Anfang des Romans gefiel mir gut. Leider verwendete die Autorin zu viel Zeit auf den Mittelteil. Die Autorin verbrachte über 100 Seiten damit Leilas Alltag in der Schule und ihre Beziehungen zu ihren Freund_innen zu beschreiben. Die ersten magischen Aspekte wurden zu diesem Zeitpunkt eingeführt. Allerdings begann Leila erst nach 2/3 der Handlung Leila ihre Ausbildung und die Telesa tauchten auf. Dies machte einen Teil der Handlung langweilig und führte dazu, dass das letzte Drittel der Handlung zu gehetzt wirkte. Leila erlernte ihre Fähigkeiten zu schnell und das Hauptproblem wurde erst im vorletzten Kapitel eingeführt.

Thematisch setzt sich das Buch neben dem Thema Identität mit dem Zusammenleben zwischen Mensch und Natur auseinander. Es zeigt wie Menschen die Natur Samoas zerstören, aber auch wie sie besser mit ihr im Einklang leben können.

Insgesamt fand ich Telesa: The Covenant Keeper mittelmäßig. Mir gefiel das Worldbuilding gut. Die Charakterisierung und die Handlung enthielten vereinzelte positive Punkte, jedoch auch viele negative Aspekte. Diese sorgten dafür, dass ich den Roman insgesamt schwach fand und nicht denke, dass ich die Folgebände lesen werde. Es freut mich jedoch, dass die Jugendlichen aus Samoa ein Buch haben, dass in ihrem Land spielt und ihre Kultur behandelt.

Anmerkung: Dieser Beitrag behandelt den unabhängigen Staat Samoa. Es gibt auch Amerikanisch-Samoa. Dieses Gebiet bildet zusammen mit Samoa die Samoa-Inseln. Amerikanisch-Samoa ist ein amerikanisches Außengebiet und damit Teil der USA, deshalb werde ich kein Buch für Amerikanisch-Samoa lesen.

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