Reihenrezension: The Craft Sequence von Max Gladstone

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In den letzten Monaten las ich die ersten fünf Bände der Craft Sequence eine Fantasyreihe, die von dem amerikanischen Autor Max Gladstone geschrieben wurden. Aktuell umfasst die Reihe 6 Bände, von denen die ersten fünf eine Einheit bilden und der sechste Band getrennt ist. Weitere Bücher werden folgen und ich weis nicht, wie viele Bände der Autor noch plant. Leider gibt es bisher keine Deutsche Übersetzung der Reihe. Im Englischen erschien sie beim Tor Verlag.

Das interessante an der Reihe ist, dass sich die ersten 5 Bücher auf zwei verschiedene Weisen lesen lassen. Entweder man ließt sie in der Reihenfolge, in der sie erschienen, oder man ließt sie in der inneren Chronologie der Reihe. Dies sind die beiden möglichen Leseweisen:

Nach Erscheinungsdatum:

Three Parts Dead erschienen 2012, 336 Seiten lang

Two Serpents Rise erschienen 2013, 350 Seiten lang

Full Fathom Five erschienen 2014, 384 Seiten lang

Last First Snow erschienen 2015, 383 Seiten lang

Four Roads Cross erschienen 2016, 416 Seiten lang

The Ruin of Angles erschienen 2017, 572 Seiten lang

 

Innere Chronologie:

Last First Snow

Two Serpents Rise

Three Parts Dead

Four Roads Cross

Full Fathom Five 

The Ruin of Angles

Ich las die Bücher in letzterer Reihenfolge, aber ich habe gehört, dass es kein Problem ist, sie nach Erscheinungsdatum zu lesen. Jedes Buch ist für sich abgeschlossen und Verständnisprobleme traten durch meine Lesereihenfolge nicht auf. Jetzt habe ich genug um den heißen Brei herumgeredet. Ich möchte euch endlich mitteilen, worum es in der Reihe geht und was mir an ihr gefiel.

Die Craft Sequence ist anders, als viele andere Bücher, die ich bisher las. Sie spielt in einer Fantasywelt, allerdings ist diese nicht an eine historische Periode, die an das europäische Mittelalter angelehnt ist, wie es bei vielen anderen Fantasybüchern der Fall ist. Stattdessen ähnelt die Welt unserer Welt im 21. Jahrhundert. Es gibt Apartments in Hochhäusern, Taxis, Kaffeemaschinen und die Magie der Welt funktioniert wie unsere moderne Technik. Die Magie ist die sogenannte „Craft“ welche von Craftsmen oder Craftswomen (a.k.a. Magier_innen) verwendet wird. Dabei ließ sich Max Gladstone ein interessantes Magiesystem einfallen. Um die Craft zu verwenden, müssen die Craftspeople häufig komplizierte Verträge aushandeln. Manchmal kommt es dabei zu Konflikten, die vor speziellen Craftgerichten verhandelt werden. Die Magier_innen dieser Welt sind also Anwält_innen. Als Juristin fand ich diese Idee richtig klasse und las die Szenen, welche vor Gericht spielten, mit Begeisterung.

Ein weiterer Pluspunkt der Reihe waren die Handlungsorte. Die Romane spielten in verschiedenen Großstädten, die L.A. oder New York ähneln. Die Städte wechseln innerhalb der verschiedenen Bände. Last First Snow und Two Serpents Rise spielen in einer Stadt Three Parts Dead und Four Roads Cross in einer anderen und Full Fathom Five wieder in einer anderen. Jede Stadt hat ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigenen Traditionen, dadurch wirken sie fast wie eigene Charaktere.

Trotz dieser positiven Aspekte muss ich das Worldbuilding kritisieren. Etwas, dass mich an den Büchern störte war, wie wenig erklärt wurde. Da das Worldbuilding einzigartig ist, ist nicht alles einfach zu verstehen. Außerdem spielen historische Ereignisse in den Büchern eine wichtige Rolle. Einige Jahrzehnte vor Beginn der Handlung töteten Craftspeople die Götter einiger Städte und rissen die Macht an sich. In anderen Städten gibt es dagegen noch Götter. Die historischen Ereignisse wurden so beschrieben, dass ich verstehen konnte, was passiert war. Dennoch wurde es zum Beispiel nicht erklärt, warum sich die Protagonistin aus Last First Snow an den Kriegen gegen die Götter beteiligte. Auch wie die Welt funktioniert ließ sich nicht immer leicht verstehen und es gab nur wenige Erklärungen. Dadurch verstand ich die Welt nicht so gut, wie ich mir gerne gewünscht hätte.

Die Handlung der Reihe gefiel mir gut und ich langweilte mich beim Lesen der Bücher kein Mal. Dabei klingen die Prämissen der Romane auf den ersten Blick teilweise uninteressant. Last First Snow handelt von einem Disput über Stadtplanung und Two Serpents Rise von Problemen bei der städtischen Wasserversorgung. Klingt auf den ersten Blick langweilig, doch der Autor schafft es aus diesen Situationen fesselnde Handlungen zu entwickeln. Aus dem Konflikt über Stadtplan wird eine Geschichte über die Bewohner einer Stadt, welche gegen die Pläne der Regierung protestieren. Dabei entsteht eine Situation, in der die Protagonistin eine Schlacht abwenden muss. Der Beginn von Two Serpents Rise entwickelt sich zu einem Thriller, in dem der Protagonist einer Verschwörung die Stadtbevölkerung zu vergiften auf die Schliche kommt. Hier schafft der Autor etwas, dass ich noch in keinem anderen Roman sah und er zauberte aus scheinbar alltäglichen Situationen packende Handlungen.

Am ehesten lassen sich die Handlungen der Bücher als Krimis beschreiben, da die Protagonist_innen in mehreren Romanen herausfinden. In Three Parts Dead und Full Fathom Five geht es darum einen Mord aufzuklären. In den Krimihandlungen müssen die Protagonist_innen häufiger größere Verschwörungen aufklären. Allerdings solltet ihr nicht in allen Büchern Krimihandlungen erwarten, denn in Last First Snow geht es wie gesagt um einen Disput zwischen Stadtbewohnern und Regierung.

Die Handlungen der Bücher sind abwechslungsreich, sie bieten Krimielemente, Schlachten (sogar mit Drachen !!!), Gerichtsprozesse und Einblicke in tiefe Freundschaften. Nur Freunde des Romancegenres (zu denen ich nicht gehöre) werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Liebesgeschichten gibt es den meisten Büchern der Reihe nicht. In Four Roads Cross gibt es eine kleine Romanze zwischen zwei Nebencharaktere und in Two Serpents Rise ist der Protagonist in eine Liebesgeschichte verwickelt, die eine größere Rolle in der Handlung einnimmt. Diese war leider ein schwächerer Teil der Romane, da nicht klar wurde, was der Protagonist an seiner Loveinterest toll findet. Dafür legen die Romane einen Schwerpunkt auf die Freundschaften zwischen den Protagonist_innen und ihren Freund_innen. Hier wurden Freundschaften zwischen zwei Frauen oder zwischen Frauen und Männern (die sich nicht zu Liebesbeziehungen entwickelten) gezeigt. Beides Dinge, die in Fantasyromanen immer noch zu selten vorkommen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Autor in Three Parts Dead und Four Roads Cross zu viel in die letzten Seiten packte. Dies machte die Handlung am Ende gehetzt. Außerdem kam es am Ende von Three Parts Dead zu einigen unglaubwürdigen Twists. Allerdings war dies das erste Werk des Autors, sodass es nicht verwunderlich ist, dass es schwächer als die Folgebände ist.

Bei der Craft Sequence handelt es sich zwar um eine Reihe, aber die Handlung jedes Bandes ist für sich abgeschlossen. Jedoch werden in den späteren Büchern manchmal Ereignisse des Vorgängers erwähnt.

Ein Highlight waren für mich die Charaktere. Wie oben auf den Covern deutlich wird, sind die Protagonist_innen der Reihe divers. Die Protagonistin von Three Parts Dead und Four Roads Cross ist schwarz, der Protagonist von Two Serpents Rise Latino und die Protagonistin von Last First Snow ist eine ältere Frau, etwas das man in Romanen leider seltener sieht. Full Fathom Five hat zwei Protagonistinnen. Eine ist trans und die andere schwarz. In Nebenrollen kommen andere Charaktere vor die PoC und/oder LGBTQI+ sind. Außerdem gibt es ungefähr (ich habe nicht gezählt) genauso viele männliche wie weibliche Charaktere. In Full Fathom Five sind die vier wichtigsten Charaktere alle Frauen. Diese Diversität war erfrischend zu sehen.

Die Protagonist_innen aller Bücher gefielen mir gut und es gab keinen, mit dem ich nicht mitfieberte. Sie haben alle Schwächen und Stärken, private oder berufliche Probleme und wirken wie reale Menschen. Wenn ich eine Favoritin wählen sollte, wäre es wohl Izza, eine der beiden Protagonist_innen von Full Fathom Five. Ein junger Flüchtling, die auf der Straße ums Überleben kämpft, sich gleichzeitig um andere Kinder kümmern muss. Ihre Zerrissenheit und Komplexität waren faszinierend. Die Nebencharaktere sind ebenfalls detailliert ausgearbeitet und bieten unter anderem einen Vampirpiraten und ein Skelett als Chef eines Großkonzerns.

In Three Parts Dead und Four Roads Cross kommen weitestgehend dieselben Charaktere vor, ansonsten stehen in jedem Band der Reihe andere Charaktere im Mittelpunkt. Es tauchen aber häufig Charaktere eines Bandes in einem anderen Band auf. Trotz einer hohen Anzahl an Charakteren fiel es mir nicht schwer den Überblick zu verlieren, denn jeder Charakter blieb mir durch die eigene Persönlichkeit in Erinnerung.

Insgesamt ist die Craft Sequence eine wunderbare Fantasyreihe mit faszinierenden Worldbuilding, diversen und komplexen Charakteren sowie einer spannenden Handlung. Ich freue mich demnächst The Ruin of Angles zu lesen

 

 

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6 Gedanken zu “Reihenrezension: The Craft Sequence von Max Gladstone

  1. Hallo,
    ich habe deinen Blog beim #litnetzwerk entdeckt und musste schmunzeln, weil du diese Reihe rezensiert hast, die schon eine ganze Weile in meinem Regal darauf wartet, gelesen zu werden. Immerhin hat sie dir gefallen … 🙂
    LG Kerstin

    Gefällt 1 Person

  2. Ehrlich gesagt habe ich von den Bücher noch nie gehört, somit danke dass du das geändert hast. Finde die Idee ziemlich spannend, denn die Reihe weißt viele realistische Bezüge auf und verbindet das mit Fantasy. Gefällt mir. Auch dass die Charaktere so divers sein, ist schön. Ich persönlich bin ja kein Fan von Romance in Fantasyromanen. Also ich habe da nichts dagegen, aber sobald darunter die Hauptstoryline und Spannung leidet, bin ich genervt. Ich mag das als Nebenhandlung ganz gerne, aber brauche es auch nicht unbedingt. Somit finde ich auch das erfrischend.

    Schade nur, dass das World Building nicht so intensiv erklärt wird, das finde ich immer wichtig, damit man die Zusammenhänge versteht.

    Lg Nicole
    #litnetzwerk

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Nicole,

      danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass ich dein Interesse an der Reihe wecken konnte. Romance sehe ich auch nicht so gerne in meinen Fantasyromanen, deshalb fand ich es gut, dass die in der Reihe keine so große Rolle einnimmt.

      LG
      Elisa

      Gefällt mir

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