Yom Kippur

Nach Rosh Hashanah passierte die nächste Woche nichts besonders. Ich arbeitete weiterhin in der Küche und im Speisesaal und las oder bloggte nachmittags. Leider hatte ich kaum Kontakt mit den anderen Freiwilligen, da sie sich nachmittags meist auf ihre Zimmer verzogen. Wenn wir uns sahen, konnten wir uns kaum unterhalten, weil sie schlecht Englisch sprachen. Zudem reichte mein Spanisch nicht aus, um mich mit ihnen zu unterhalten. So fühlte mich in dem Kibbuz ziemlich einsam.

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Schließlich stand am 14. Tag meines Israelaufenthalts der nächste jüdische Feiertag an: Yom Kippur. Yom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag. Yom Kippur ist der Versöhnungstag. Am Tag wird nicht groß gefeiert. Stattdessen ist es ein Tag der Einkehr, an dem jede_r darüber nachdenkt, ob er_sie anderen für Unrecht, dass sie einem angetan haben, verzeiht. Außerdem entschuldigt man sich bei anderen für Unrecht, dass man ihnen angetan hat oder für das eigene Fehlverhalten.

An Yom Kippur gehen in der Regel selbst nicht religiöse Jüd_innen in die Synagoge. Zudem ist es ein Tag an dem gefastet wird und auch dies halten Jüd_innen ein, die ansonsten nicht sonderlich religiös sind. Dabei wird sowohl auf Essen als auch auf Trinken gefastet. Wobei Ausnahmen getroffen werden können, wenn es die Gesundheit gefährdet (z.B. für Kinder, ältere Leute, chronisch Kranke). Da das Kibbuz Yotvata soweit im Süden liegt und es dort äußerst heiß ist, hat das Kibbuz von einem Rabbi die Erlaubnis trotzdem zu trinken.

An Yom Kippur soll auch auf elektronische Produkte verzichtet werden. Ultra-orthodoxe Juden verzichten sogar aufs Duschen, aber das tuen andere Juden nicht. In Israel steht an Yom Kippur alles still. Sämtliche Geschäfte sind geschlossen, Radio und Fernsehsender operieren nicht, der öffentliche Transport ist ebenfalls eingestellt, Züge und Busse fahren nicht. Der Flughafen ist ebenfalls geschlossen und auf den Autobahnen ist nichts los. Die wenigen israelischen Juden, die den Tag nicht feiern, nutzen letztes aus, um an Yom Kippur um auf der Autobahn Fahrrad zu fahren oder inline zu skaten. Das einzige, was an dem Tag noch funktioniert, sind Krankenhäuser und die Armee (1973 nutzen Syrien und Ägypten Yom Kippur aus um Israel anzugreifen und begannen so den Yom Kippur Krieg, welchen Israel nach einigen Rückschlägen noch gewinnen konnte).

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Ähnlich wie Rosh Hashanah begann der Feiertag am Sonnenuntergang des eines Tages und endete am Sonnenuntergang des anderen Tages. So begann der 14. Tag für mich normal mit meiner Arbeit. Ich hatte mich entschieden mit an Yom Kippur teilzunehmen und zu fasten (nur auf Essen nicht auf Trinken). Dies überraschte Reut, welche für die Freiwilligen im Kibbuz zuständig war.

Bevor Yom Kippur begann, gab es um 17:00 Uhr noch ein ausgiebiges Abendessen, dann begann der Feiertag um 18:00 Uhr. Ich fing an zu lesen und verbrachte ein paar Stunden damit, schlief aber relativ früh ein. Dies führte dazu, dass ich am nächsten morgen früh aufwachte. Eigentlich hatte ich gehofft länger zu schlafen, um es mir am nächsten morgen einfacher zu machen auf mein Frühstück zu verzichten.

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Den nächsten Tag las ich viel, ging im Kibbuz spazieren und dachte nach. Auf Essen zu verzichten fiel mir erstaunlich einfach, womit ich nicht gerechnet hatte. Im Kibbuz war es bis zum Ende des Feiertags am zweiten Tag um 19:00 Uhr (man achtet darauf, wann die Sonne untergeht) ruhig. Die meisten Familien verbrachten ihre Zeit untereinander. Ab 19:00 Uhr gab es im Speisesaal dann Abendessen und dabei achtete ich darauf nicht zu viel zu essen, um meinen Körper nicht direkt zu überhäufen. Yom Kippur und das Fasten waren für mich eine positive Erfahrung. Mir gelang es abzuschalten und mich zu entspannen. Ich fand, dass der Tat mir sehr gut tat.

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In meinem nächsten Beitrag werde ich euch über den jüdischen Feiertag Sukkot berichten.

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