Monatsrückblick Oktober

Halli Hallo ihr Lieben,

hier ist mein zweiter Monatsrückblick aus Israel. Mir geht es gut und ich werde euch in meinen Reiseberichten weiter über meinen Aufenthalt auf dem Laufen halten. Allerdings kann ich euch jetzt schon zwei Dinge verkünden: Erstens, ich habe das Kibbuz gewechselt und bin nicht mehr in Yotvata. Zweitens, mir gefällt es in meinem neuen Kibbuz sehr gut und ich werde hier länger bleiben. Ich hatte ursprünglich geplant Anfang Dezember nach Deutschland zurückzukommen, aber dies wird jetzt nicht der Fall sein. Stattdessen werde ich noch ein paar Monate hier bleiben.

Im Oktober habe ich vor allem Bücher gehört. Bei meiner Arbeit im Kibbuz, hatte ich fast jeden Tag die Möglichkeit mehrere Stunden Musik oder Hörbücher zu hören, was dazu führte, dass ich im Oktober 4 Hörbücher hörte. In normalen Monaten schaffe ich in der Regel noch nicht mal ein Hörbuch. Dies sind die Bücher, die ich las und hörte.

Gelesene (und gehörte) Bücher

When We Rise: My Life in the Movement von Cleve Jones gelesen vom Autor

51W6rqz4AoL._SX329_BO1,204,203,200_

Genre: Biographie, LGBTQIA

Länge: 9 Stunden 31 Minuten

Dieses Hörbuch fing ich vor einigen Monaten an, aber kam nie dazu es zu beenden. Jetzt im Oktober schaffte ich es endlich. When We Rise ist die Biografie von Clive Jones, einem Aktivisten für LGBTQIA Rechte. Die Biografie beginnt zum Zeitpunkt von Jones Kindheit und erstreckt sich bis heute. Dabei geht der Autor vor allem auf die frühe Entwicklung der LGBTQIA Bewegung ein. Dies fand ich interessant und es war faszinierend zu hören, wie die Bewegung damals für ihre Bewegung kämpfte. Das Buch wird vom Autor selbst gelesen. Etwas, dass ich bei Hörbüchern mag und ich fand es angenehm Jones zuzuhören. Das Einzige, was mich an dem Buch störte war, dass Jones extrem viele Freund_innen und Mistreiter_innen erwähnte. Einerseits ist es wichtig die ganzen Figuren der LGBTQIA Bewegung vorzustellen. Andererseits führte es dazu, dass ich nicht den Überblick über die ganzen Menschen behalten konnte. Häufig wurden gewisse Personen am Anfang des Buchs erwähnt und tauchten dann erst gegen Ende des Buchs wieder auf, als ich vergessen hatte, wer sie waren. Insgesamt fand ich When We Rise dennoch gut und kann es allen, die sich für LGBTQIA Geschichte interessieren empfehlen.

War on Peace: The End of Diplomacy and the Decline of American Influence von Ronan Farrow gelesen vom Autor

51ZSk8J+MML._SX327_BO1,204,203,200_

Genre: Sachbuch, Diplomatie, US-Außenpolitik

Länge: 10 Stunden 53 Minuten

Ronan Farrow ist für allem bekannt für seine Berichterstattung im Fall Harvey Weinstein. Er ist erst 29 und arbeitete für die UN, studierte Jura, war Diplomat im amerikanischen Außenministerium und arbeitete als Investigativjournalist. Während er im Weinsteinscandal ermittelte, arbeitete er an War on Peace. Das Buch behandelt Diplomatie heutzutage. Es zeigt wie Diplomatie und das Außenministerium in den US immer mehr an Stellenwert verlieren, während Außenpolitik vor allem von Militärs und Geheimdienstlern geführt wird. Farrow greift dabei vor allem auf seine eigenen Erfahrungen im Außenministerium zurück, aber er führte zusätzlich Interviews mit allen noch lebenden Außenminster_innen.

Im Fokus steht vor allem Richard Holbrooke, ein hochrangiger US-Diplomat, der Frieden im ehemaligen Jugoslawien verhandelte. Später versuchte er diesen ebenfalls in Afghanistan zu verhandeln, was leider ohne Erfolg blieb. Holbrooke stellt sich als überlebensgroße Figur heraus. Ein chaotisches Genie, der alle mit seinem Verhalten in den Wahnsinn trieb. Sein Job Interview mit Farrow führte er zum Beispiel, während er unter der Dusche stand (kein Scherz). Holbrooke und einige andere Figuren sorgen für amüsante Anekdoten. So berichtet Farrow zum Beispiel über einen brutalen afghanischen Warlord, der aber Tiere liebt und ein Rentier besitzt. Dann ist da auch der Talibankommandant, der für Geheimverhandlungen in Deutschland ist, und unbedingt Schloss Neuschwanstein sehen will.

Diese Anekdoten sind nötig, denn der Rest des Buchs ist eher deprimierend. Zum einen, weil die Verhandlungen in Afghanistan nicht von Erfolg gekrönt sind und sich als extrem kompliziert erweisen. Dabei haben alle Seiten Dreck am Stecken und Themen wie Menschenrechte oder Gerechtigkeit scheinen keine Rolle zu spielen. Zudem wurden jene, die tatsächlich an praktischen Lösungen für den Frieden arbeiteten, weitestgehend ignoriert oder aus den Verhandlungen gedrängt. Gleichzeitig beschreibt Farrow, wie das Außenministerium und die Diplomatie immer mehr an Einfluss verliert und stattdessen militärische Lösungen in den Vordergrund rücken. Wer US Politik in den letzten Monaten etwas aufmerksamer verfolgte, wird mitbekommen haben, wie Trump das Budget des Außenministeriums stark kürze und zahlreiche hochrangige Diplomaten entließ. Mir war allerdings nicht bewusst, dass dieser Prozess bereits unter vergangenen US-Präsidenten begann und von Obama verstärkt wurde. Gerade Obama kommt in War on Peace nämlich nicht gut weg und wie er Außenpolitik angeht, wirkte auf mich eher enttäuschend.

Trotz dieses deprimierenden Ausblicks, fand ich War on Peace interessant. Farrow las das Buch selbst und dies gelang ihm gut. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Buch manchmal zu stark zwischen verschiedenen Ereignissen hin und her sprang.

Ensel und Krete: Ein Märchen aus Zamonien von Walter Moers gelesen von Dirk Bach

61V7J0jaNvL._SX339_BO1,204,203,200_

Genre: Humoristische Fantasy:

Länge: 7 Stunden und 19 Minuten

Vor zwei Jahren hörte ich mit die 13,5 Leben des Captain Blaubär meinen ersten Roman von Walter Moers. Nachdem War on Peace deprimierend war, brauchte ich ein lustigeres Hörbuch und Ensel und Krete war damit das richtige. Moers schreibt aus der Perspektive des zamonischen Autoren Hildegunst von Mythenmetz. Die Geschichte ist, wie der Name andeutet, leicht an Hänsel und Gretel angelehnt, dennoch sollte man nicht erwarten zu wissen, was passieren wird, da es zahlreiche Abwandlungen gibt.

Zudem funktioniert Mythenmetz hier als auktorialer Erzähler, der zahlreiche Anmerkungen macht und manchmal sogar für längere Abschweifungen (die sogenannte Mythenmetzsche Abschweifung) die Handlung unterbricht. Dabei nimmt der Autor amüsant das Autorendasein, Literaturkritik und den Literaturbetrieb aus Korn. Wie sein Vorgänger ist Ensel und Krete seht lustig und Moers schuf mit Zamonien eine eine kreative und komplexe Welt. Außerdem liest Dirk Bach das Hörbuch gelungen und es war angenehm ihm zuzuhören. Insgesamt ist Ensel und Krete ein gelungenes Hörbuch und ich freue mich darauf die Fortsetzung zu hören.

Last First Snow von Max Gladstone

51mWwCBp4ZL._SX331_BO1,204,203,200_

Genre: Urban Fantasy:

Länge: 400 Seiten

Die Craft Sequence von Max Gladstone war mir schon öfters empfohlen wurden. Außerdem befindet sich ein Bundle mit den ersten 5 Bänden seit einem Jahr auf meinem Kindle. Jetzt endlich entschloss ich mich mit der Reihe zu beginnen und begann mit Last First Snow. Das Buch bot mir einen Urban Fantasyroman mit erfrischend neuen Ansätzen. Eine längere Rezension wird folgen.

Two Serpents Rise von Max Gladstone

91pr6YcUNbL

Genre: Urban Fantasy

Länge: 350 Seiten

Last First Snow gefiel mir so gut, dass ich im Anschluss direkt den zweiten Band der Craft Sequence las und aktuell den Dritten lese. Two Serpents Rise konnte zwar nicht ganz an seinen Vorgänger anknüpfen, aber es gefiel mir insgesamt gut. Eine längere Rezension wird folgen.

Thirteen Days in September: Carter, Begin, and Sadat at Camp David von Lawrence Wright

21965079

Genre: Sachbuch,  Diplomatie, Nahostkonflikt

Länge: 11 Stunden und 55 Minuten

Während War on Peace von den Misserfolgen der Diplomatie berichtet, handelt Thirteen Days in September von einem der größten diplomatischen Erfolge des 20. Jahrhunderts: dem Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel. Nach 5 Kriegen innerhalb von 30 Jahren kamen der israelische Ministerpräsident Menanchem Begin und der ägyptische Präsident Anwar Sadat auf Einladung von Jimmy Carter in Camp David zusammen, um über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Auch wenn die Friedensverhandlungen zäh waren, erwiesen sie sich letztendlich als erfolgreich und der Friedensvertrag hat selbst heute noch bestand. In Thirteen Days in September beschreibt Lawrence Wright detailliert die Friedensverhandlungen, welche mehrmals fast scheiterten.

Allerdings sollte man wie ich Interesse an Diplomatie und Geschichte haben, ansonsten wird man diese detaillierten Beschreibungen wohl langweilig finden. Das Buch ist gut recherchiert und berichtet weitestgehend neutral von der Situation. Außerdem geht Wright mehrmals auf die historischen Hintergründe ein und erläutert diese wann immer nötig. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Wright in den Analysen historischer Persönlichkeiten seine eigene Meinung zu stark einfließen ließ. Es war stark deutlich, wen er mochte und wen nicht. Dennoch war es insgesamt ein hörenswertes Buch.

So dies war mein Monatsrückblick. Ich wünsche euch allen einen schönen Oktober.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.