Die Gentleman Bastard Reihe von Scott Lynch

 

The Lies of Locke Lamora (Gentleman Bastard 01) von Scott Lynch

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 719

Deutscher Titel: Die Lügen des Locke Lamora

Erscheinungsjahr: 2007

 

Red Seas Under Red Skies (Gentleman Bastard 02) von Scott Lynch

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 760

Deutscher Titel: Sturm über Roten Wassern

Erscheinungsjahr: 2008

 

The Republic of Thieves (Gentleman Bastard 03) von Scott Lynch

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 690

Deutscher Titel: Die Republik der Diebe

Erscheinungsjahr: 2013

Deutscher Klappentext des ersten Bands: Locke Lamora ist ein Held. Nein, eigentlich ist er das nicht: Er ist ein Dieb, ein Lügner und ein Ganove, wenn auch mit guten Manieren. Mit seiner Bande bewegt er sich in den Kanälen und engen Gassen des Herzogtums Camorr, um die Nobilität um ihre Schätze zu erleichtern. Und darin ist Locke unschlagbar, denkt er zumindest. Bis ein weiterer Verbrecher in Camorr auftaucht. Locke muss handeln – und das Abenteuer seines Lebens beginnt …

Im Stadtstaat Camorr hat man eine ganz eigene Lösung gefunden, um die Kriminalität unter Kontrolle zu halten: den „Geheimen Frieden“. Gemäß dieser Absprache zwischen dem Adel und dem Herrscher der Unterwelt dürfen Diebe mehr oder weniger ungestraft ihr Unwesen treiben, solange die Aristokratie von ihnen verschont bleibt. Doch Locke Lamora und seine Gentlemen-Ganoven halten nicht viel von Absprachen und haben es sich zur Gewohnheit gemacht, die Reichen der Stadt um ihr Geld zu erleichtern. Das funktioniert wunderbar, bis der geheimnisvolle Graue König mithilfe eines scheinbar unbesiegbaren Soldmagiers die Macht über die Unterwelt an sich reißt und droht, das sensible Herrschaftsgefüge von Camorr aus dem Gleichgewicht zu bringen – und dazu braucht er Lockes einzigartige Fähigkeiten …

Die Gentleman Bastard Reihe von Scott Lynch war eine der erfolgreichsten Fantasyreihen der letzten Jahre. Nach Erscheinen des ersten Bands wurde der Autor in Fantasykreisen gefeiert. Ich hatte die Reihe bisher noch nicht gelesen, aber nach der Lektüre gehört sie jetzt zu meinen Lieblingsreihen und ich verschlang die Bücher regelrecht.

Einer gelungener Aspekt an Scott Lynchs Romanen ist das Worldbuilding. Die Bücher spielen in einer Welt, die sich kurz vor einer industriellen Revolution befindet. Jeder Band der Reihe spielt in einer anderen Stadt und alle Städte haben ihren eigenen Charakter.  Sie sind detailliert beschrieben und ihre verschiedenen Ecken sind liebevoll gezeichnet. Die Städte in der Gentleman Bastard Reihe wirken fast wie eigene Charaktere und ich fühlte mich beim Lesen in sie hineingezogen. Gleichzeitig enthält die Welt einen mysteriösen Aspekt, so gab es ein magisches Volk das plötzlich verschwand aber Spuren hinterließ. Zu den Geheimnissen der Welt enthüllt der Autor, nach und nach kleine Aspekte, aber die weiteren Geheimnisse werden bestimmt erst in den Folgebänden aufgedeckt. Die vorhandenen Informationen bieten auf jeden Fall viel Raum für Spekulationen. In der Welt, in der die Gentleman Bastard Reihe spielt, jedoch in den ersten beiden Bänden gab es nicht viel von ihr zu sehen. Ich dachte anfangs sogar, dass The Lies of Locke Lamora ein Fantasyroman ohne Magie ist.

Der nächste faszinierende Aspekt an der Reihe sind ihre Charaktere. Sie sind facettenreich und schaffen es einen zu überraschen. Lynch zeigt sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwäche auf und die Charaktere kommen als komplexe Individuen rüber. Der Protagonist ist intelligent, charmant und loyal seinen Freunden gegenüber, weshalb ich ihn sehr mochte. Gleichzeitig ist er skrupellos und tut manchmal Dinge, für die man ihn hassen könnte. Durch die verschiedenen Bücher durchlief er eine interessante Entwicklung. Besonders gut gefiel mir an ihm, dass er keiner dieser Protagonisten ist, die durch Kampfesleistungen gewinnen, ganz im Gegenteil, Locke ist ein eher schlechter Kämpfer. Stattdessen muss ehr sich auf seinen Intellekt und seine Fähigkeiten als Dieb verlassen. Dies bot eine nette Abwechslung zu den typischen Fantasyhelden.

Auch die Nebencharaktere konnten mich begeistern. Sie hatten alle eigene Persönlichkeiten und selbst Nebencharaktere waren einprägsam. Gut gefiel mir, dass obwohl die beiden wichtigsten Charaktere Männer waren, viele weibliche Charaktere in den Romanen vorkamen. Im ersten Teil waren es noch etwas weniger, aber in den beiden Folgebänden tauchen jede Menge weibliche Figuren mit den verschiedensten Charakterzügen auf. Scott Lynchs Welt ist weniger stark sexistisch geprägt, als die vieler anderer Fantasyromane, weshalb die weiblichen Charaktere häufig in Führungsrollen zu finden sind. Vor allem Sabathea, Lockes große Liebe, gefiel gut. In den ersten beiden Bänden wird nur über sie berichtet und sie taucht erst in Republic of Thieves auf. Sie ist die Frau, in die Locke abgöttisch verliebt ist, und hätte leicht zur typischen „Loveinterest“ werden können. Jedoch ist hier das Gegenteil der Fall. Sabathea ist eine Frau, die ihre Unabhängigkeit waren und eine gleichgestellte Partnerin in einer Beziehung seien will. Sie ist eine intelligente Diebin und genauso kompetent, wenn nicht sogar besser, als Locke. Sie mag manchen Lesern unsympathisch erscheinen, aber ich fand es erfrischend einen solchen Charakter zu lesen.

Die Handlung der Bücher war ein weiterer Höhepunkt. In den ersten beiden Romanen plant Locke Diebstähle in dem Dritten muss er eine Wahl manipulieren. Diese Handlungen beinhalten jedes Mal komplexe Intrigen und unvorhersehbare Wendungen. Trotzdem ist die Handlung der Romane verständlich und dem Autor gelingt es gut nach und nach die Puzzleteile der Handlung zusammenzusetzen. In The Lies of Locke Lamora und Republic of Thieves gibt es Flashbacks, die Lockes Jugend und seinen Werdegang als Dieb zeigen. Diese helfen die Charaktere besser zu verstehen und sind alles andere als langweilig.

Sind die Bücher perfekt? Nein, sie enthalten Schwächen. The Lies of Locke Lamora ist anzumerken, dass es ein Debüt ist, denn zu weilen kommt es zu längeren Infodups. Red Seas under Red Skies enthält einige Längen und gegen Mitte des Buches nimmt die Spannung stark ab. Wer ein Problem mit Gewalt in Büchern hat, dem kann ich von der Reihe abraten. Mich hat es nicht gestört, aber Scott Lynch schreibt kreative Folterszenen. Trotz dieser kleinen Schwäche ist die Gentleman Bastard Reihe  insgesamt eine sehr gute Reihe und besser als viele andere Fantasyromane, die ich bisher las.

Es sollen noch vier weitere Bände folgen, doch steht aktuell für den vierten Band The Thorn of Emberlain, noch kein Erscheinungsdatum fest. Ich weiß, dass viele Leser_innen sich aufregen, wenn Autor_innen so lange brauchen, um ihre Bücher zu schreiben. Aus diesem Grund weis ich darauf hin, dass der Autor unter schweren Depressionen leidet. Diese wirken sich negativ auf seine Produktivität aus und führten unter anderem dazu, dass The Republic of Thieves erst fünf Jahre nach Red Seas under Read Skies erschien. Ich weiß, alle wollen den nächsten Band lesen, aber ich denke die Gesundheit, des Autors geht vor.

 

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2 Gedanken zu “Die Gentleman Bastard Reihe von Scott Lynch

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