Infomacracy von Malka Older

Genre: Science-Fiction
Seitenzahl: 315
Format: E-Book
Verlag: Tor
Erscheinungsjahr: 2017
Reihe: Centenal Cycle
Seit zwanzig Jahren gibt es weltweite Wahlen bei der elektronisch lokale und internationale Regierungen gewählt werden. Es stehen wieder Wahlen an, doch dieses Mal versucht jemand sie zu manipulieren. Ken, ein junger ehrgeiziger Mitarbeiter der aufstrebenden Partei Policy1st, kommt dem auf die Schliche. Um Wahlbetrug zu verhindern muss er mit der Spionin Mishima, welche für die mysteriöse Firma Information arbeitet, zusammenarbeiten.

Infomacracy ist das Debüt von Malka Older und der erste Teil des Centenal Cycles. Der Roman war 2017 für verschiedene SFF Preise nominiert und der Fokus auf Wahlen sprach mein Interesse für Politik an.

Das Worldbuilding des Romans ist gut. Manche der Ideen mögen nicht neu sein, aber Malka Older setzt sie gekonnt um. Zugleich schafft sie es den Zustand, in dem sich die Erde in Infomacracy befindet, wie eine mögliche Zukunft unserer Welt aussehen zu lassen. In Infomacracy können die Menschen online Wählen etwas, das mancherorts bereits Realität ist. Überwacht werden die Wahlen von der mysteriösen Firma Information. Information ist ein globaler Techkonzern, über den die Menschen Nachrichten lesen, mit anderen Menschen kommunizieren, im Internet recherchieren und viele andere Dinge tun können. Gleichzeitig ist Information Schiedsrichter bei den Wahlen und sorgt dafür, dass alle Parteien die Regeln einhalten. Zudem erinnern manche Funktionen der Firma an die einer Polizei und Information sammelt Daten über jeden Menschen.

Ich las Infomacracy vor zwei Wochen, als die ersten Informationen über den Skandal bei Facebook und Cambridge Analytica öffentlich wurden. Die Parallelen sind hier unverkennbar, denn Information ähnelt in vielen Aspekten einem mächtigeren Facebook. Außerdem nutzen die Parteien Information für benutzerspezifische Wahlwerbung. Stellen des Romans wirkten ein bisschen so als würde Malka Older mit der Frage spielen, was bei Facebook passieren würde, wenn es zu größeren Skandalen käme. Ich vermute stark, dass die Autorin hier Fragestellungen, die sie aus ihrem Beruf kennt, in den Roman einfließen ließ. Malka Older studierte Internationale Beziehungen, arbeitete als Entwicklungshelferin im Katastrophenschutz und promoviert aktuell in den Politikwissenschaften. Dies wir neben der Rolle, die Information spielt deutlich, als es in mehreren Stellen des Buchs um Naturkatastrophen und Katastrophenhilfe geht.

Positiv fand ich an diesem Worldbuilding, dass Information nicht nur als eine klischeehafte böse Firma dargestellt wurde. Es wird deutlich was die Gefahren dieser Firma, sind aber gleichzeitig zeigt sie klar auf, wie Information das Leben der Menschen einfacher macht. Selbst als jemand, der keine allzu hohe Meinung zu Facebook hat, konnte ich nachvollziehen, warum die Charaktere in Infomacracy für Information arbeiten wollen und der Firma gegenüber loyal sind.

Ich hätte einen kleinen Kritikpunkt zum Worldbuilding und der wäre, dass nicht klar war, was die Welt dazu bewegt hat internationale Wahlen einzuführen. Es wird angedeutet, dass dies nach irgendwelchen Kriegen passierte, aber es blieb unklar, wie die Welt sich in diese Situation bewegte. Insgesamt war das Worldbuilding des Romans verständlich, aber ich hätte gerne mehr Hintergrundinformationen bekommen. Vielleicht werden diese noch im zweiten Teil geliefert.

Die Handlung des Romans beginnt langsam, sodass den Leser_innen Zeit gegeben wird sich an die Welt zu gewöhnen und die Charaktere kennen zulernen. Jedoch ist von Anfang an Spannung da und man fragt sich, wer hinter den Intrigen und Wahlmanipulationen steckt. Später nimmt der Roman Fahrt auf und am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Das Ende des Roman verlief mir sogar zu hastig. In wenige Szenen wurden viele wichtige Ereignisse gepackt und manche Geschehen, die ihre eigenen Szenen verdient hätten, wurden nur kurz in Nebensätzen erwähnt. Dadurch war mir beim Lesen nicht ganz klar, wie es zu diesen Ereignissen kam. Mit 315 Seiten ist Informacracy relativ kurz und Malka Older hätte hier das Ende ruhig länger gestalten können.

Die Charaktere des Romans sind komplex. Ken ist als junger idealistischer Mitarbeiter einer Partei, der gleichzeitig eigene Ambitionen hegt glaubhaft gezeichnet. Mishima bietet mir etwas, dass ich schon länger in einem Roman sehen wollte, nämlich einen kompetenten weiblichen Spion. Wobei ich über ihren Charakter gerne gewusste hätte, warum sie sich entschied, für Information zu arbeiten. Es gibt außerdem zahlreiche Nebencharaktere und diese bekommen alle ihre eigene Charakterisierung. Der einzige Aspekt, der mich bei den Charakteren störte, war eine Liebesgeschichte. Die entsprechenden Charaktere verlieben sich sehr schnell ineinander und es ist nicht klar, warum sie einander mögen. Normalerweise sagt man, dass bei Filmen, aber ich hatte beim Lesen lange Zeit nicht das Gefühl, dass die Chemie zwischen den Charakteren funktioniert.

Ein weiterer Kritikpunkt wäre für mich Malka Olders Schreibstil. Er ist nicht sprachlich schlecht, aber er ist trocken und es fehlen ein bisschen die Emotionen. Der Stil des Romans erinnerte mich stellenweise an den von Sachbüchern. Bei diesen wäre er passend gewesen, aber für einen Roman war er mir zu trocken gehalten.

Alles in allem ist Informacracy für ein Debüt vielversprechend. Der Roman weißt zwar ein paar Kritikpunkte auf, doch erzählt er eine spannende Geschichte, kombiniert mit einem gelungenen Worldbuilding und interessanten Charakteren. Ich freue mich den zweiten Band des Centenal Cycles zu lesen.

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