Südafrika – Born a Crime von Trevor Noah

Genre: Biographie
Länge: 8 Stunden 44 Minuten
Format: Hörbuch
Verlag: Audible
Deutscher Titel: Farbenblind
Erscheinungsjahr:
2016
Born a Crime ist die Autobiografie des südafrikanischen Comedians Trevor Noah, der seit 2015 in den USA die Daily Show moderiert. Ich bin ein Fan seiner Comedy und wollte deshalb dieses Buch lesen, bzw. hören.
Noah wurde während der Apartheid als Sohn einer schwarzen Südafrikanerin und eines weißen Schweizers geboren. Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen waren zu diesem Zeitpunkt verboten und Noahs bloße Existenz ein Verbrechen. Aus diesem Grund war Noah von klein auf zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. So musste er zum Beispiel, wenn er mit seinen Eltern draußen war, Abstand von ihnen nehmen, damit er nicht für ihr gemeinsames Kind gehalten wird. Born a Crime setzt sich detailliert mit dem Rassismus in Südafrika auseinander und gibt einen guten Einblick in das Leben während und nach der Apartheid. Das Buch bringt einen dazu sich über Rassismus und Diskriminierung Gedanken zu machen und beschäftigt sich zusätzlich noch mit Themen wie Sexismus und häuslicher Gewalt.

Trotz der Schwere der Thematik enthält Born a Crime eine Prise Humor und Noah erzählt immer wieder Anekdoten, die einen zum Lachen bringen. Der Autor zeigt sich hier als Meister der Situationskomik und beweist sich als talentierter Erzähler. Es gab allerdings eine Stelle, an der ich den Humor unangemessen fand. In dieser ging es darum, wie in Südafrika mit dem Holocaust umgegangen wird. Noah erklärt hier den Leser- bzw. Höhrer_innen gut, dass die meisten Südafrikaner_innen wenig über den Holocaust wissen und diese Erklärungen waren verständlich. Allerdings gab es an dieser Stelle Witze über den Holocaust. Ich habe einen ziemlichen Galgenhumor und kann über viele ernste Themen lachen. Jedoch ist der Holocaust für mich ein Thema, über das man keine Witze machen sollte. Ich wünschte mir Noah wäre angemessener mit der Thematik umgegangen.
Ein weiterer Kritikpunkt war für mich, dass die Biografie nicht chronologisch, sondern thematisch, sortiert ist. Dies machte es manchmal schwer die Ereignisse einzusortieren. Allerdings scheint sich der Autor dieser Schwierigkeit bewusst zu sein und versucht die Ereignisse in den Kontext zu stellen. Zusätzlich bemüht sich Noah seinen Leser- und Hörer_innen viel über die Apartheid, sowie die Geschichte und Gesellschaft Südafrikas zu erklären. Obwohl ich, bevor ich das Buch zu hören begann, wenig über die Apartheid wusste, hatte ich beim hören, dank Noahs Erklärungen, keine Verständnissprobleme.
Eine Person, die eine wichtige Rolle in der Biografie einnimmt, ist Trevor Noahs Mutter, die wichtigste Person in seinem Leben. Auch wenn sie mir nicht immer sympathisch war (sie bestrafte ihren Sohn mit Prügeln), ist sie eine beeindruckende Frau. Sie wurde in eine Gesellschaft geboren, die ihr aufgrund des systematischen Rassismus und Sexismus, kaum Möglichkeiten bot, doch sie akzeptierte die Grenzen nicht, die ihr die Gesellschaft setzte. Sie suchte nach Lücken im System und suchte nach Aufstiegsmöglichkeiten. Sie stammt aus einer armen Familie und versuchte sich, und ihrem Sohn ein besseres Leben zu bieten. Die Gesellschaft versucht sie zu unterdrücken, aber sie bliebt eine selbstbewusste Frau und eine Kämpferin. Beim Hören des Buches, wurde deutlich, wie sehr Trevor Noah sie liebt.
Etwas Schade fand ich, dass Born a Crime nicht von Noahs Anfängen als Comedian, sondern nur über seine Kindheit und Jugend, berichtet. Diese Aspekte seines Lebens sind interessant und waren prägend. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass Buch wäre länger gewesen und hätte auch spätere Abschnitte seines Lebens mit einbezogen.
Als Hörbuch war Born a Crime fantastisch und ich kann allen, die Hörbücher mögen und englische Hörbücher verstehen, raten zur Hörbuchversion zu greifen. Trevor Noah liest diese selbst und er ist ein begnadeter Erzähler. Mir passiert es bei Hörbüchern manchmal, dass nach einer Weile meine Gedanken abschweifen und es mir schwer fällt zu zuhören. Dies war hier zu keinem Zeitpunkt der Fall. Zudem ließt Noah das Hörbuch mit verschiedenen Stimmen und ahmt den Tonfall anderer, wie zum Beispiel seiner Mutter nach. Zusätzlich sind einige Passagen in den verschiedenen südafrikanischen Sprachen enthalten (keine Sorge die werden anschließend auf Englisch wiederholt). So bietet einem das Hörbuch die Möglichkeit diese gesprochen zu hören.
Insgesamt war Born a Crime, trotz vereinzelter Kritikpunkte, eine bewegende und zum Nachdenken anregende Biografie. Ich kann sie allen, die mehr über Südafrika und die Apartheid erfahren wollen, oder einfach nur Fans von Trevor Noah sind, empfehlen.
Die nächste Station der Weltlesereise ist Neuseeland.
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2 Gedanken zu “Südafrika – Born a Crime von Trevor Noah

  1. Ende des Jahres erscheint ja „You’ll Laugh, but it’s True“ ich vermute mal, daß es darin um seine Anfänge als Comedian gehen wird. Ich bin da eher nervös. Die erste Biografie von Stephen Fry, in der es um seine Jugend geht, fand ich zum Beispiel auch ganz wunderbar, aber ab Teil zwei, in dem es auch um die Karriereanfänge ging, fand ich seine Bücher schrecklich uninteressant und name dropping lastig. Ich hoffe, daß das bei Trevor Noah nicht der Fall sein wird.

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