The Rivers of London von Ben Aaronovitch

Genre: Krimi, Urban Fantasy
Seitenanzahl: 385
Format: E-Book
Verlag: Gollancz
Deutscher Titel: Die Flüsse von London
Erscheinungsjahr:
2011
Bewertung: 7 Punkte
 Deutscher Klappentext: Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand.

Ich las The Rivers of London im Zuge Der Reise durch die Genres, da das Genre des Monats Februar das Krimigenre ist, und der Roman der einzige Krimi auf meinem SuB war.

The Rivers of London spielt, wie der Titel sagt, in London und beim Lesen wird deutlich, dass der Autor die Stadt gut kennt und liebt. Die zahlreichen Ecken Londons sind liebevoll beschrieben und er lässt einiges an Informationen über die Geschichte der Stadt einfließen. Zudem zeigt der Roman nicht nur die bekannten Seiten Londons, sondern auch unbekannte Orte. Beim Lesen des Romans bekam ich richtig Lust die Stadt wieder zu besuchen und die verschiedenen Handlungsorte zu erkunden.

Außerdem gibt es in Aaronovitchs London einiges an Magie und Mythen. Dabei kombiniert der Autor geschickt bekannte Fabelwesen wie Vampire oder Geister mit eigenen Erfindungen. Dadurch das Peter Grant, der Protagonist der Geschichte, zu Beginn des Romans zum ersten Mal von der Existenz von Magie erfährt können die Leser_innen gemeinsam mit ihm diese magische Welt erkunden. Diese wird vom Autor gut erklärt.

Die Anzahl an Charakteren ist für einen kurzen Roman groß. Dennoch besteht beim Lesen keine Gefahr den Überblick zu verlieren, da alle Charaktere über eigene Persönlichkeiten verfügen. Dies gilt selbst für Charaktere, die kurz auftauchen. Positiv zu bewerten ist außerdem die Diversität des Buches, da mehrere Charaktere einschließlich dem Protagonisten People of Colour sind. Aaronovitch nutzt hier die Perspektive des Protagonisten, um auf Diskriminierungen und Mikroaggressionen hinzuweißen. Da ich weiß bin, kann ich aber nicht gut beurteilen, wie gut ihm das gelingt.

Die Handlung von The Rivers of London ist spannend. Es gibt nicht nur die Krimihandlung, sondern auch eine Nebenhandlung über zwei verfeindete Familien, die sich um die Herrschaft über die Londoner Flüsse streiten. Dabei lenkt diese Handlung nicht von der Krimihandlung ab, stattdessen ergänzen sich beide gut. Der Roman ist kurzweilig und lässt sich schnell lesen.

Gut gefiel mir zudem der Humor des Romans. The Rivers of London ist keine Krimikomödie, aber es kamen viele Lustige Stellen vor, die mich laut auflachen ließen. Wie zum Beispiel diese Stelle

„So magic is real,“ I said. „Which makes you a…what?“
„A wizard.“
„Like Harry Potter?“
Nightingale sighed. „No,“ he said. „Not like Harry Potter.“
„In what way?“
„I’m not a fictional character,“ said Nightingale.”

Übersetzung

So, Magie existiert,“ sagte ich. „Das macht dich zu einem…?“

„Einem Magier“

„Wie Harry Potter?“

Nightingale seufzte. „Nein,“ sagte er. „Nicht wie Harry Potter.“

„Wieso nicht?“

„Ich bin kein erfundener Charakter,“ sagte Nightingale

Diese Stelle zeigt einen weiteren Aspekt, der mir an dem Roman gut gefiel: Die Referenzen auf andere Werke der Popkultur. Es gab Anspielungen auf Harry Potter, Star Wars und Twilight, welches ordentlich auf die Schippe genommen wurde.

Nach all diesen positiven Aspekten muss ich leider Kritik üben. Leider ist The Rivers of London ein Buch in dem, die Charaktere wenige Emotionen zeigen dürfen. Als Peter oder andere Charaktere von Magie erfahren reagieren sie kaum. Es gibt ein bisschen Überraschung, aber das war’s und das, obwohl die Existenz der Magie vorher ein streng gehütetes Geheimnis war. An anderen Stellen, an denen die Charaktere emotional reagieren sollten (ich verrate aus Spoilergründen nicht, was da passierte), zeigten sie kaum emotionale Reaktionen. Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem die Charaktere so wenig Gefühle zeigten. Dies machte es manchmal schwer sich in sie hineinzuversetzen.

Ein weiterer negativer Aspekt ist der Sexismus des Romans. Leider ist die Geschichte im „Male Gaze“ geschrieben. Dieser Begriff wurde ursprünglich für Filme und Serien verendet und beschreibt unter anderem einen voyeuristischen Blick auf Frauen und den weiblichen Körper. Gemeint sind zum Beispiel diese Stellen, an denen die Kamera langsam über die Brüste oder den Hintern einer Frau fährt. Auch Werke in denen es zahlreiche unnötige Nacktszenen, bei denen sich nur Frauen komplett ausziehen müssen, gibt, fallen darunter. Game of Thrones wäre dafür das beste Beispiel.  Die entsprechenden Szenen richten sich an den männlichen, heterosexuellen Teil, der Zuschauer und Frauen werden als Sexobjekte dargestellt.

The Rivers of London ist komplett aus Peter Grants Perspektive geschrieben, und jedes Mal, wenn ein weiblicher Charakter auftritt, beschreibt er zuerst ihre Brüste und ihre Rundungen. Sobald er nahe an einer attraktiven Frau steht, muss er an Sex denken. Es gibt durchaus Bücher, die kurz den Male Gaze nutzen, um ihn dann zu kritisieren, zum Beispiel in dem andere Charaktere sich über ein derartiges Verhalten kritisch äußern. Allerdings ist dies bei The Rivers of London nicht der Fall. Peter Grants sexistische Perspektive wird zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt, sondern als etwas präsentiert, „dass Männer halt machen“. Ich habe schon viel sexistischere Bücher gelesen, aber dies entschuldigt The Rivers of London nicht, und es war nicht angenehm die entsprechenden Stellen zu lesen.

The Rivers of London erzählt eine spannende Geschichte und bietet einen guten Blick auf London. Das Buch macht Lust auf mehr und ich werde den nächsten Band der Reihe lesen. Leider kann ich wegen der negativen Aspekte nur 7 Punkte vergeben.

 

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21 Gedanken zu “The Rivers of London von Ben Aaronovitch

  1. Ich liebe diese Reihe. Mit dem Male Gaze hast Du leider Recht. Das scheint ein Problem vieler Bücher von männlichen Autoren zu sein.

    Das mit den Emotionen habe ich auf die britische Distanziertheit geschoben, aber Peter zeigt später doch noch seine Gefühle, auch wenn das etwas dauert, aber es wird noch 🙂 Ich bin gespannt, wie Dir der zweite Teil gefallen wird.

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    1. Oh ja. Das passiert leider vielen männlichen Autoren. Wobei die Situation jetzt besser ist als vor noch 5 oder 10 Jahren.
      Ich freue mich zu hören, dass das mit den Emotionen in den folgenden Bänden besser wird.
      Ich fand ja viele Aspekte in dem Buch gut und hätte es gerne besser bewertet, aber die anderen Aspekte haben mich zu sehr gestört.

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      1. Ich bin sehr auf Deine Meinung zu den nächsten Bänden gespannt. Wenn Dich Male Gaze sehr stört beim Lesen, dann empfehle ich keinesfalls die Dresden Files. Da gibts nämlich viele heiße Frauen mit toll beschriebenen Sexykörpern. Ok, der Male Gaze wander auch ab und über sexy Männer, aber der über Frauen dominiert.

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      2. Danke für die Warnung. Es kommt bei mir immer auf den Fall an. Wenn es ein älteres Buch ist oder es nur ein zwei Mal passiert, bin ich weniger kritisch als wenn es bei neueren Büchern oder am laufenden Band passiert. Genauso kommt es für mich darauf an, wie die weiblichen Charaktere ansonsten beschreiben sind. Haben sie ausgefallene Persönlichkeiten oder sind sie nur Loveinterests, etc? Vielleicht schaue ich einfach mal in eine Lesprobe der Dresden Files rein und gucke wie ich das finde.

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      3. Dresden Files hat geniale Charaktere, auch auf auf weiblicher Seite. Allerdings auch eine super genial geschaffene Welt und viel Wortwitz. Definitiv lesenswert. Aber wie Andrea schon weiter unten geschrieben hat, gehts erst in Band 3 so richtig los. Die ersten beiden sind ok aber ab Band 3 kommt man kaum noch dazu Luft zu holen 🙂

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  2. Der Male Gaze verschwindet in den späteren Büchern immer mehr.
    Wenn du ähnliche Urban Fantasy mit mehr Emotionen möchtest kann ich die Dresden Files von Jim Butcher empfehlen. Ähnliche Prämisse, lockerer frecher Erzählton, irre spannend, wahnsinnig gute Nebencharaktere, ab Band drei die besten Nebencharaktere! 😉

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    1. Oh, jetzt sehe ich den Kommentar hier erst…bei Harry Dresden gibts aber sehr viel Male Gaze. aber so richtig.viel! Da ist RoL ja nix dagegen. Ansonsten bin ich voll bei Dir denn die Dresden Files gehören neben Rivers of London zu meinen absoluten Favoriten, trotz teilweise grobem Sexismus und Male Gaze.

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      1. Harry Dresden hat schon mehr Sex and Violence als Rivers of London. Trotzdem finde ich die Reihe toll… Ich hab, muss ich ganz ehrlich sagen aber bei Aaronovitch nie so wirklich auf Sexismus geachtet. Später hab ich dann ein paar Reviews dazu gelesen, wo das kritisiert wurde und erst dann habe ich gezielt danach geschaut und festgestellt, daß die Anspielungen immer weniger wurden.
        Harry Dresden habe ich von Anfang an eher als eine Parodie auf diese typischen 70er Jahre Detektivgeschichten gelesen, in denen immer eine verruchte Frau alle Reize einsetzt, um den armen Detektiv nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. 😉
        Ich habe kein Problem damit, wenn Männer in Büchern ein bißchen den Macho raushängen lassen, solange es in diesen Büchern auch starke Frauen gibt, die ihnen ordentlich Paroli bieten können. Bei Dresden hat man reichlich davon. 😉

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      2. Ja, Sex und Violence gibt es da wesentlich mehr. Auch merkt man im direkten Vergleich der beiden Reihen, wie amerikanische Dresden ist, aber ich liebe beide Reihen und kenn sie echt bald auswendig, weil ich sie schon so oft gelesen habe. Bei Rivers of London gings mir wie dir. Mir war das bei den Büchern gar nicht so richtig bewusst, bis es andere Rezensenten angesprochen haben. Die weiblichen Figuren bei Dresden finde ich toll, durch die Bank weg. Mein Hund heißt nicht umsonst Molly xD Wäre sie ein Rüde, hätte ich sie Waldo getauft, ich steh nämlich total auf Waldo Butters xD

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      3. Ja, das fand ich so super passend. Molly find ich toll….in beiden Reihen. Aber meine ist ganz brav, nur ein leidenschaftlicher Jäger, der gerne Igel anschleppt, wenn ich sie lasse 😀 😀 😀

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  3. Pingback: Rückblick auf unseren Krimi-Februar - Gerngelesen

  4. Pingback: Einige Worte zu „Flüsse von London“ – Bücherweltenwanderer

  5. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber Teile der Kritik auch schon von anderen gehört, besonders den Sexismus. Ich meine mich auch zu erinnern, dass die Diversität besser gemeint als umgesetzt wurde, aber da bin ich gerade unsicher. Ich bin jedenfalls gespannt auf das Buch und bin gespannt, welche anderen Aspekte mich ebenfalls stören werden.
    Sehr gute Rezension!

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