Singapur – The Black Tides of Heaven von Jy Yang

Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 238
Format: E-Book
Verlag: Tor Books
Erscheinungsjahr: 2017
Reihe: The Tensorate Series Buch 1

Nach einer Lektüre für Singapur musste ich nicht lange suchen, da ich Jy Yangs The Black Tides of Heaven schon länger lesen wollte. Die Novelle und ihr Nachfolger The Red Threads of Fortune erregten in der englischsprachigen Fantasyszene Aufmerksamkeit und standen seitdem auf meiner Leseliste.

Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich eine Sache anmerken. Jy Yang ist nicht-binär, dass bedeutet, dass sich Jy Yang nicht mit einer der beiden binären Geschlechtsidentitäten (Mann oder Frau) identifiziert. Zu dem Thema gibt es nicht viele Artikel auf Deutsch, aber diese beiden Artikel erklären ganz gut, was nicht-binär bedeutet: Artikel 1Artikel 2

Es wäre falsch, männliche oder weibliche Pronomen zu verwenden. Außerdem ist es für nicht-binäre Menschen verletzend, wenn man sie misgenderd. Leider gibt es im Deutschen keine Pronomen für Menschen, die sich nicht innerhalb der Binarität identifizieren.Andere Sprachen sind da weiter. Im Englischen Sprachraum, wählen viele Menschen, deren Geschlechtsidentität außerhalb der Binarität liegt das Pronomen „they“. Die meisten von euch kennen „they“ nur als 3. Person Plural, aber es kann auch als geschlechtsneutrale 3. Person Singular verwendet werden. Da es im deutschen keine geschlechtsneutralen Pronomen gibt, habe ich mich entschieden in diesem Text ebenfalls das englische Pronomen they zu verwenden. Vielleicht ist es für euch ungewohnt zu lesen, aber in der deutschen Sprache fehlt ein geschlechtsneutrales Pronomen. Zudem bittet Yang auf their Website darum, dass man für they, dass they Pronomen verwendet. 

Wie oben erwähnt ist The Black Tides of Heaven der erste Teil einer Reihe und es sind noch weitere Novellen in der von Yang geschaffenen Welt Tensorate geplant. Zu dieser gibt es am Anfang des Buchs eine Karte, aber auf meinem E-Reader lässt die sich nicht lesen. Ich hoffe Verlage fangen bald an eine Methode zu entwickeln mit der Karten in E-Books gut dargestellt werden können. Tensorate ist eine von verschiedenen asiatischen Kulturen inspirierte Welt, die eine industrielle Revolution durchläuft. Es gibt in der Welt Magie, die  nur wenige eingeweihte Menschen beherrschen. Technologie, die allen Menschen zugänglich ist, droht die Magie abzulösen. Es gibt zahlreiche Erfindungen, die das ersetzen, was bisher nur mit Magie möglich war und den Menschen das Leben erleichtern. Gleichzeitig bergen die technologischen Fortschritte Gefahren und es kommt zu Streit um ihre richtige Verwendung. Bei der Behandlung dieser Thematik sind zahlreiche Parallelen zur Digitalisierung erkennbar. Yang führt den Leser_innen hier verschiedene Standpunkte zu dem Thema vor Augen, ohne ihnen einen aufzuzwingen.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Welt ist, wie diese mit Geschlechtern umgeht. Kinder werden geschlechtsneutral erzogen und haben bis sie Erwachsen werden kein Geschlecht. Sie können gucken, mit welchem Geschlecht sie sich besser identifizieren und sich für dieses entscheiden. Dieser Idee regt zum Nachdenken über Geschlechter an.

Mit dem Tensorate hat Jy Yang eine große Welt geschaffen, aber they überschütten die Leser_innen nicht mit Informationen. Stattdessen wir die Welt den Leser_innen nach und nach vorgestellt. Die erste Hälfte der Handlung ist auf ein Kloster und den Palast der Regentin beschränkt und erst später lernen die Leser_innen weitere Handlungsorte kennen.

Die beiden wichtigsten Charaktere in The Black Tides of Heaven sind die Zwillinge Mokoya und Akeha. Die Novelle erzählt ihre Geschichte über mehrere Jahrzehnte hinweg. Dadurch kommt es öfters zu Zeitsprüngen, aber die Geschichte ist so geschrieben, dass wir uns denken können, was zwischendurch passierte. Die Zwillinge sind die Söhne der Herrscherin des Tensorats und entwickeln sich zu Gegnern ihrer Regierung. Während Mokoya in ihrer Nähe bleibt und sich für ein Familienleben entscheidet, um so Macht auszuüben, wird Akeha zum Rebellen. Die Wege der beiden trennen sich und ab da folgt die Geschichte nur noch Akeha.

Die Handlung zeigt wie sich Akeha von jemandem der nur gegen die Politik seiner Mutter ist zu einem Rebellen wandelt. Seine charakterliche Entwicklung wird interessant beschrieben. Obwohl Akeha für andere Rebellen arbeitet, ist er nicht immer mit ihren, teilweise brutalen Methoden einverstanden. Jy Yang beschreibt hier glaubwürdige moralische Konflikte und scheut nicht davor Akeha vor schwere Entscheidungen zu stellen.

Erwähnenswert ist, dass die Geschichte sehr divers ist und mehre homosexuelle und transgender Charaktere enthält.

The Black Tides of Heaven gefiel mir sehr gut. Jy Yang kombiniert hier eine faszinierende Welt mit komplexen Charakteren. Zusätzlich schafft they es auf 200 Seiten eine vielschichtige Handlung zu erzählen, ohne dass ich das Gefühl hatte, es würde etwas fehlen. Ich freue mich darauf die weiteren Bände der Reihe zu lesen.

Im nächsten Beitrag der Weltlesereise werde ich über ein bekanntes Buch aus Spanien berichten.

Zwar gib es im Deutschen noch das Pronomen „es“, doch dies wird von vielen non-binären Menschen abgelehnt, da es vor allem für Objekte und nicht Subjekte verwendet wird, und sie sich davon entmenschlicht fühlen.

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6 Gedanken zu “Singapur – The Black Tides of Heaven von Jy Yang

  1. Hallo,
    das ist eine tolle Rezension. Ich kannte das Buch vorher nicht, aber dieses Thema regt zum Nachdenken an. Ich werde es mir nach deiner Rezension einmal genauer anschauen.

    Auch dein Vorhaben aus jedem Land der Welt ein Buch zu lesen, finde ich echt gut. Viel Erfolg dabei!

    Liebe Grüße
    Karo

    Gefällt 1 Person

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