Nigeria – Eine verbotene Liebe in Kriegszeiten

Genre: Belletristik, Lesbische Literatur
Seitenanzahl: 328
Format: Taschenbuch
Verlag: Mariner Books
Erscheinungsjahr: 2016

Under the Udala Trees entdeckte ich vor ein paar Monaten in einer Buchhandlung, bei mir um die Ecke. Als ich mich entschied, die Weltlesereise zu veranstalten, bot sich mir ein guter Grund das Buch zu kaufen. Bei meiner Recherche für das Projekt stellte ich fest, dass es eine Menge an nigerianischen Autor_innen gibt. Ich fand viele weitere Bücher, die gut klangen. Nigeria ist ein Land, aus dem ich in Zukunft mehr lesen will.

Die Handlung von Under the Udala Trees erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und beginnt während des nigerianischen Bürgerkriegs. Dieser dauerte von 1960 bis 1970 und darin starben zwischen 45 000 und 100 000 Menschen. Während des Bürgerkriegs versuchte sich, der von der Volksgruppe Igbo, bewohnte Südosten des Landes von Nigeria abzuspalten und einen eigenen Staat zu formen. Außerhalb Nigerias scheinen viele Menschen von diesem Krieg nichts zu wissen. Ich muss gestehen, dass ich bevor ich mit dem Lesen des Buchs begann, auch nichts davon wusste.

Während des Kriegs stirbt der Vater der jungen Ijeoma und sie wird von ihrer Mutter zu Freunden der Familie geschickt. Dort trifft sie auf die gleichaltrige Amina und verliebt sich in sie, doch homosexuelle Beziehungen sind in Nigeria verboten.

Chinelo Okparanta veröffentlichte in der Vergangenheit mehrere Kurzgeschichten, aber Under the Udala Trees ist ihr erster Roman und ein gelungenes Debüt. Der Roman ist ruhig, wer Bücher mit viel Action oder Spannung bevorzugt, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Dennoch fand ich das Buch nicht langweilig, denn es berichtet gut von den Entwicklungen der Protagonistin und gibt einen Einblick in ihr Innenleben. Ijeoma ist kein Mensch mit besonderen Talenten oder Fähigkeiten. Sie ist ein gewöhnliches Mädchen, aber sie besitzt eine innere Stärke und weiß, was sie will. Sie kann es zwar nicht immer Laut sagen, aber sie hat ihre Wünsche und Träume. Trotz ihrer Stärke zeigt Ijeoma Momente der Schwäche und Unsicherheit, was sie umso menschlicher macht.

Angenehm fand ich, dass Ijeoma im Verlauf des Buchs mehrere Beziehungen hat. In vielen Romanen gibt es nur die eine große Liebe, obwohl die meisten Menschen in ihrem Leben mehrere Beziehungen haben. Das Mädchen, in die sich Ijeoma als Jugendliche verliebt, ist nicht die Liebe ihres Lebens. Ich fand es schön Ijeoma in verschiedenen Beziehungen zu sehen. Leider ähnelten die Beziehungen ein bisschen zu sehr Liebe auf den ersten Blick und die Autorin hätte sich mehr Zeit mit dem Beziehungsaufbau lassen können. Davon abgesehen waren die Liebesgeschichten nicht kitschig, etwas das mich an vielen Liebesromanen stört.

Ich bin mir nicht sicher, ob es richtig ist den Roman als Liebesroman zu bezeichnen. Es ist mehr eine Geschichte über Ijeomas Leben, zu dem unter anderem Beziehungen gehören. Under the Udala Trees handelt vor allem darüber, wie Ijeoma als lesbische Frau in einer Gesellschaft lebt, wo viele Menschen ihrer sexuellen Orientierung feindlich gegenüberstehen. Ich fand es hier gut, dass Okparanta homophobe Menschen nicht als karikaturenhafte Charaktere zeichnet, die einfach nur böse sind. Stattdessen zeigt sie, dass diese Menschen Produkte einer Gesellschaft sind, die Homophobie verinnerlicht hat, aber ihre Einstellungen ändern können. Ähnlich geht die Autorin mit dem Sexismus vor, den Ijeoma und andere Frauen in dem Buch erfahren. Die gesamte Handlung des Buchs spielt zwar in Nigeria, aber die Art und Weise, wie sich homophobe Menschen im Buch verhalten, ähnelt in einigen Aspekten dem, was in westlichen Staaten passiert(e).

Ich denke, dass die Autorin in Under the Udala Trees einen guten Einblick in das Nigeria der 1960er und 1970er Jahre gab. Gleichzeitig kommt sie ohne seitenlange Infodumps aus und bringt die Leser_innen dazu die Zusammenhänge selbst zu erkennen. So beginnt das Buch zu Kriegszeiten, aber es wird nicht lange erklärt wie es zu dem Krieg kam. Stattdessen lässt die Autorin hier und da Informationen einfließen, die reichen um die Geschichte zu verstehen. Wer mehr wissen will, kann selber recherchieren.

Einzig beim Thema Homophobie hat ich das Gefühl, dass die Autorin ihren Leser_innen nicht genug zutraut. So wurde immer wieder und sehr deutlich erklärt, warum Homophobie falsch ist oder wie zum Beispiel Passagen in der Bibel, die gleichgeschlechtliche Beziehungen als Sünde bezeichnen, anders interpretiert werden können. Ich bin auch gegen Homophobie, aber in vielen dieser Fälle sollten die meisten Leser_innen es begreifen, ohne seitenlange Erklärungen zu benötigen, die sich teilweise stark wiederholen. Andererseits kann ich verstehen, dass Okparanta so lange Erklärungen verwendete, sie wollte sichergehen, dass ihre wichtige Botschaft bei den Leser_innen ankommt.

Insgesamt gefiel mir Under the Udala Trees sehr gut. Es war eine bewegende und tiefgründige Geschichte mit einer wichtigen Botschaft, die zudem einen Einblick in Nigeria gibt und eine wichtige Botschaft enthält. Ich werde in Zukunft bestimmt mehr von Chinelo Okparanta lesen.

Im nächsten Beitrag der Weltlesereise werde ich euch eine innovative Fantasynovelle aus Singapur vorstellen.

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8 Gedanken zu “Nigeria – Eine verbotene Liebe in Kriegszeiten

  1. Huhu
    Ja, eine Leseweltreise ist genau das, was ich schon seit ich lese, mache. Ich liebe das. Bei dieser Rezension hat mich speziell das Nigeria-Thema angesprochen und es interessiert mich auch sehr! Gerade afrikanische und südamerikanische Literatur ist schwer zu bekommen. Wenn, dann meistens nur auf englisch, was aber OK ist für mich. Dieses Buch hört sich auf jeden Fall spannend an und bewegt sich genau in meiner Zielgruppe von Büchern!
    LG, Tabea

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    1. Hallo Tabea,
      freut mich, dass das Buch dein Interesse wecken konnte.
      Ich habe bisher noch nicht so viel zur südamerikanischer Literatur recherchiert, aber ein bisschen was zu afrikanischen Büchern. Wenn du dich für Bücher aus Nigeria interessiert, sollte es kein Problem sein was zu finden es. Ich fand meiner Recherche für die Weltlesereise sehr viele nigerianische Autoren und werde sicherlich noch einige lesen und hier vorstellen.
      Falls du allgemein auf der Suche nach afrikanischen Autoren bist, habe ich ein paar Blogs entdeckt, die sich mit afrikanischer Literatur befassen. Vielleicht findest du bei denen was:
      http://www.afrikaroman.de/ Deutscher Blog zur afrikanischen Literatur.
      https://www.africabookclub.com/ Hier wird jede Menge afrikanische Literatur vorgestellt und es gibt eine Liste mit Autoren, die nach Ländern sortiert ist.
      https://woyingi.wordpress.com/ Dieser Blog hat auch ein paar Länderliste und Infos über afrikanische Filme und Diasporaliteratur.
      https://kinnareads.com/ Hier wird eine Afrikalesechallenge veranstaltet und es gibt extra Infos zu afrikanischen Autorinnen, sowie Listen zu verschiedenen Themen.

      LG
      Elisa

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      1. Wow, das ist ja mal eine grossartige Antwort. Danke Dir liebe Elisa, da werd ich demnächst mal stöbern gehen 🙂 Afrika ist halt immer so ein bisschen schwierig, denn vieles ist so kitschtig romantisch à la Karen Blixen Jenseits von Afrika. Das mag das erste Mal Berechtigung haben, aber halt nicht 300x. 😉 Ich hoffe, du verstehst was ich meine.
        LG, Tabea

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    1. Hallöchen :),

      soweit ich weiß gibt es das Buch leider nicht auf Deutsch.
      Wenn, du etwas aus Nigeria lesen möchtest, gibt es aber einige andere Autoren, die übersetzt wurden.
      Die bekanntesten sind sicher Chinua Achebe, Chimamanda Ngozi Adiche und Wole Soyinka.
      Allerdings habe ich von keinem dieser Autoren bisher was gelesen.

      Liebe Grüße
      Elisa

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  2. Hi Elisa,
    eine tolle Rezension zu einem interessanten Buch, das gleich mal auf meine Wunschliste wandert. Seit ich im letzten Jahr Chimamanda Ngozi Adichie für mich entdeckt habe, interessiert mich afrikanische Literatur sehr. Von ihr habe ich unter anderem „Die Hälfte der Sonne“ gelesen, in dem es auch um den nigerianischen Bürgerkrieg geht. Vielleicht wäre das auch was für dich. 🙂
    Liebe Grüße
    Anka

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    1. Hallo Anka,

      danke für das Kompliment und fürs Folgen 🙂 .
      Von Chiamamanda Ngozi Adichie habe ich noch nichts gelesen, aber ihre Bücher stehen schon länger auf meiner Wunschliste.
      Wenn du dich für afrikanische Literatur interessierst, könntest du mal beim Blog AfrikaRoman vorbeischauen.
      Da wird, wie der Name schon sagt, viel an afrikanischer Literatur vorgestellt.

      Liebe Grüße
      Elisa

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