The Fifth Season von N.K. Jemisin

Genre: Fantasy, Postapokalyptische Fantasy
Seitenanzahl: 465
Format: Taschenbuch
Verlag: Orbit
Reihe: Broken Earth Trilogy
Erscheinungsjahr: 2015
Deutscher Titel: Zerrissene Erde (erscheint am 01.08.2018 beim Knaur Verlag)
Bewertung: 11 Punkte

Deutscher Klappentext: Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sanze ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, dessen Asche den Himmel verdüstert, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor.

Ich lese seit ich 10 bin Fantasybücher, also seit 12 Jahren. Im Laufe der Zeit sind mir viele gute Fantasybücher und einige sehr gute Bücher untergekommen. Ganz selten gibt es dann noch diese Bücher, die zu meinen absoluten Lieblingsbüchern werden und die ich unzählige Male re-readen kann. Diese Bücher, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistern und die selbst Bücher, die ich sehr gut finde in den Schatten stellen. Das letzte mal, dass ich ein Buch, bzw. in dem Fall eine Reihe, las, welche mich so sehr begeistern konnte, war vor sechs Jahren. Damals las ich zum ersten Mal George R. R. Martins A song of Ice and Fire. Seit 2012 las ich zwar einige sehr gute Fantasybücher (z.B. die The Wheel of Time Saga oder die The First Law Reihe), aber keine Fantasybücher, die zu der Kategorie, „beste Fantasybücher, die ich je gelesen habe“ zählten. Zumindest war das so, bis ich N.K. Jemisins The Fifth Season las.

The Fifth Season spielt auf dem Kontinent „The Stillness“ (wird im deutschen anscheinen mit Sanze übersetzt). Auf diesem Kontinent kommt es alle paar Jahrhunderte zu schweren Naturkatastrophen, genannt Fifth Season, die die Welt auseinander reißen. Zu Beginn der Handlung steht wieder so eine Fifth Season bevor. Zu der Bevölkerung von the Stillness gehören Orogenes, dies sind Menschen mit der Fähigkeit die Energie und die Erde zu manipulieren. Sie können zum Beispiel Erdbeben oder Tsunamis erzeugen. Die Orogenes werden von den anderen Menschen gehasst und müssen an der Akademie Fulcrum ein hartes Training durchlaufen. Danach stehen sie in den Diensten Fulcrums und ihnen droht bei den kleinsten Fehltritten der Tot.

Das Worldbuilding von The Fifth Season ist sehr originell und anders als, dass was man in den meisten Fantasyromanen erlebt. In Interviews las ich, dass sich Jemisin vor Schreiben des Romans ausgiebig mit Geologie beschäftigte und dies merkt man. Naturkatastrophen und der Klimawandel spielen in dem Roman eine große Rolle und sind ein ständiger Bestandteil der Welt. Diese ist keine typische „europäisches Mittelalter Welt“, sondern eine eigene Kreation, welche sich kaum mit der unseren vergleichen lässt. So gibt es in The Stillness zum Beispiel Obelisken, die durch den Himmel fliegen und von denen niemand weiß, wozu sie gut sind. In diesem Zusammenhang gefiel mir gut, dass die Leser_innen die Welt gemeinsam mit den Charakteren entdecken konnten. Durch die ständigen Naturkatastrophen geht viel Wissen verloren und die Menschen wissen teilweise selbst nicht, wie ihre Welt funktioniert. Jemisin gelingt es hier den Leser_innen Stück für Stück verschiedene Aspekte der Welt zu zeigen und sie viel selbst entdecken zu lassen.

The Fifth Season handelt von drei verschiedenen Protagonistinnen, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird. Da ist zum einen Essun, die ihren Mann und ihre entführte Tochter Jagd. Ich fand es äußerst angenehm in einem Fantasyroman mal auf eine etwas über 40 jährige Protagonistin mit Kindern zu treffen, da die Charaktere in den meisten anderen Werken des Genres Teenager oder Anfang 20 sind. Außerdem zeigte Jemisin hier wie verzweifelt Essun ist und scheute nicht davor zurück ihr Trauma zu zeigen. Die nächste Protagonistin ist Damaya eine junge Orogene, welche die Ausbildung am Fulcrum durchläuft. Sie ist noch ein Kind, welches ein normales Leben haben will, aber aufgrund ihrer Fähigkeiten ein strenges Training durchläuft und ausgegrenzt wird. Es ist schmerzhaft zu sehen, wie ein einst fröhlicher Mensch nach und nach gebrochen wird und niemanden mehr vertrauen kann, doch auch hier gelang die Charakterisierung gut. Die dritte und letzte Protagonistin ist Syeniete eine junge Orogene in Diensten Fulcrums. Sie ist ehrgeizig und will schnell in den Rängen Fulcrums aufsteigen, aber gleichzeitig ist sie sehr vorlaut und sarkastisch. Bei mehreren Protangonistinnen besteht häufig die Gefahr, dass man eine sehr mag und die anderen dafür gar nicht, doch dies war hier nicht der Fall. Mir gefielen alle Protagonistinnen gut und ich weiß gar nicht, welche ich am meisten mochte.

Neben den drei Protagonistinnen gibt es einige Nebencharaktere, doch die Anzahl an Charakteren ist eher klein. Dafür haben die Nebencharaktere alle sehr eigene und komplexe Persönlichkeiten. Besonder schön fand ich hier auch die Diversität des Romans. Die meisten Charaktere sind nicht weiß und außerdem gibt es homosexuelle und bisexuelle Charaktere. Ein wichtiger Nebencharakter ist außerdem Transgender. Manche Autoren schreiben solche Charaktere oft so, dass das einzige was man von ihnen weiß, ihre sexuelle Orientierung oder ihre Genderidentity ist, aber Jemisin schuf hier komplexe Charaktere und ließ ihre sexuellen Orientierung und Genderidentitys fast schon nebenbei in die Geschichte einfließen.

Die Handlung des Buches besteht aus drei Handlungstrengen, bei denen wir die verschiedenen Protagonistinnen auf ihren Reisen und Entwicklungen begleiten. Insgesamt ist es ein eher langsamer und ruhiger Roman, wobei es gegen Ende zu einem Actionreichen Showdown kam. Die langsame Handlung passte hier allerdings perfekt zur Charakterentwicklung und dem Aufbau der Welt. Es gab keine Stelle, bei der ich mich, während des Lesens langweilte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Romans sind die thematischen Aspekte, die The Fifth Season. Unterdrückung spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte und die Widmung des Buchs lautet:

For all those who have to fight for the respect that that everyone else is given without question

Deutsche Übersetzung:

Für all jene, die um den Respekt kämpfen müsse, der allen anderen selbstverständlich gewährt wird.

Die Orogenes werden ihr Leben lang stark unterdrückt und teilweise wie Sklaven behandelt. Andere Romane nähern sich der Thematik an, indem es einzelne Szenen gibt in denen Charaktere aufgrund ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung beleidigt werden oder Gewalt erfahren, aber in The Fifth Season ist die das Thema Unterdrückung omnipräsent. Jemisin zeigt wie die Unterdrückung jeden Aspekt des Lebens der Orogenes prägt und von machen von ihnen verinnerlicht wird. Außerdem wird deutlich, wie Unterdrückung Menschen zu verzweifelten Taten treiben kann. Manche Aspekte der Unterdrückung besitzen klare parallelen zu aktuellen und historischen Ereignissen. The Fifth Season bringt einen dazu sich mit Unterdrückung und Diskriminierung auseinander zusetzen und darüber nachzudenken, wie diese unsere Welt noch prägen. Dies macht The Fifth Season natürlich zu keinem einfachen Romanen, sondern einem mit einigen harten und traurigen Momenten. Jedoch fand ich, dass die Autorin es schaffte hier die innere Gefühlswelt ihrer Charaktere gut darzustellen.

The Fifth Season war einer der besten Fantasyromane, die ich je las. Es kombiniert eine originelle Welt, mit tollen Charaktere und einer wichtigen thematischen Botschaft. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzungen und kann euch allen raten dieses Buch zu lesen. Die deutsche Übersetzung erscheint am 01.08.2018 unter dem Titel Zerrissene Erde beim Knaur Verlag.

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4 Gedanken zu “The Fifth Season von N.K. Jemisin

  1. Corinna

    Dieses Buch ist mir schon aufgefallen, als du es im Rahmen unserer Challenge gelesen hast (und wir im Sammelpost die Rezension gelesen haben). Obwohl ich nicht so im Fantasy-Genre beheimatet bin, spricht mich dies aber durchaus – ich mag es gerne etwas düsterer. Auch die komplexen Protagonisten, von denen du sprichst, finde ich faszinierend.
    Da es jedoch der erste Teil einer Trilogie ist, frage ich mich, ob es alleine (zunächst) gut gelesen werden kann? Ich mag keine Cliffhanger, bei denen ich dann ein oder zwei Jahre auf die Forsetzung warten muss..

    Viele Grüße,
    Corinna
    #litnetzwerk

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Corinna,

      Freut mich, dass das Buch dich interessiert. Es ist echt grandios.
      Das Ende ist schon relativ offen und ich denke man sollte definitiv die anderen Bände lesen.
      Auf Englisch sind schon beide Fortsetzungen erschienen und da müsstest du nicht warten.
      Falls du die deutschen Übersetzungen lesen willst, ist natürlich nicht klar, ob die Reihe komplett übersetzt wird und wie lange es dauern wird.

      Liebe Grüße
      Elisa

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