Seven Surrenders von Ada Palmer

Genre: Science Fiction
Seitenanzahl: 526
Format: E-Book
Verlag: Tor Books
Reihe: Terra Ignota Buch 2
Erscheinungsjahr: 2017
Bewertung: 10 Punkte

 

Klappentext:

In a future of near-instantaneous global travel, of abundant provision for the needs of all, a future in which no one living can remember an actual war…a long era of stability threatens to come to an abrupt end.

For known only to a few, the leaders of the great Hives, nations without fixed locations, have long conspired to keep the world stable, at the cost of just a little blood. A few secret murders, mathematically planned. So that no faction can ever dominate, and the balance holds. And yet the balance is beginning to give way.

Mycroft Canner, convict, sentenced to wander the globe in service to all, knows more about this conspiracy than he can ever admit. Carlyle Foster, counselor, sensayer, has secrets as well, and they burden Carlyle beyond description. And both Mycroft and Carlyle are privy to the greatest secret of all: Bridger, the child who can bring inanimate objects to life.

Das beste kommt zum Schluss. So war es auch mit einem meiner Lesehighlights des Jahres. Seven Surrenders ist der zweite Teil der Terra Ignota Reihe. Den ersten Band Too like the Lightning las ich vor ein paar Monaten. Too like the Lightning gefiel mir insgesamt gut, aber ich brauchte eine Weile, um in die Welt und die Handlung rein zu kommen. Seven Surrenders begeisterte mich dagegen von der ersten bis zur letzten Seite. Die Geschichte spielt in der aus Too like the Lightning bekannten Welt des 25. Jahrhunderts. Dieses Mal fand ich es wesentlicher leichter mich in die Welt hineinzuversetzen und Palmers Zukunftsvision besticht mit ihrer Komplexität. Die Welt ist gut durchdacht und bietet sowohl utopische als auch dystopische Aspekte, wobei es gegen Ende des Romans eher zur Dystopie wird.

Die Figuren sind weitestgehend die Bekannten, allerdings kommen einigen Charakteren, die in Too Like the Lightning kleinere Rollen spielten, nun größere Rollen zu. Ich fand es schön diese Charaktere besser kennen zulernen, denn sie waren facettenreich.

Die Charaktere und das Worldbuilding in Seven Surrenders mögen sehr gut sein, doch die absoluten Höhepunkte des Romans sind die Handlung und die thematischen Aspekte des Werks. Die Handlung von Too like the Lighting verlief langsam. Dies störte mich nicht, jedoch begriff ich anfangs nicht, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenhängen. Bei Seven Surrenders war das kein Problem. Zwar handelt das Buch von zahlreichen Intrigen, aber alle wurden gut erklärt und es bestand beim Lesen keine Gefahr den Überblick zu verlieren. Zudem ist das Tempo von Seven Surrenders weitaus höher als das seines Vorgängers. Zwar gibt es ruhigere Momente, aber insgesamt verläuft die Handlung schnell und nimmt zahlreiche überraschende Wendungen. Ada Palmer zeigt hier ihr Talent für überraschende Plottwists, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Das Buch war so spannend, dass ich es innerhalb von drei Tagen las und es mir schwer fiel es aus der Hand zu legen.

Palmer schafft es, trotz des hohen Tempos des Romans, ihre Leser_innen zum Nachdenken anzuregen. Sie lässt mehrere Diskussionen über die Philosophen der Aufklärung einfließen. Teilweise habe ich diese nicht verstanden, was meinem mangelnden philosophischen Wissen geschuldet ist. Außerdem zwingt das Buch einen sich beim Lesen mit moralischen Fragen auseinanderzusetzen. Die Gesellschaft im Jahre 2554 lebt seit über 300 Jahren in Frieden. Die Menschen kennen Krieg nur aus historischen Werken und die Verbrechensstatistiken sind niedrig. Um diese Utopie zu erkaufen, mussten über die Jahre 2000 Menschen sterben. War es dies wert? Diese Frage müssen sich nicht nur die handelnden Charaktere, sondern auch die Leser_innen stellen.  Gehören Krieg und Gewalt zur menschlichen Natur, oder lassen sie sich vermeiden? Dies ist eine weitere Frage mit der Palmer sich auseinandersetzt. Dabei gibt sie kein abschließendes Urteil ab, sondern lässt die Leser_innen entscheiden.

Außerdem spielen Macht und ihr Missbrauch in Seven Surrenders eine wichtige Rolle. Fast alle Mächtigen missbrauchen ihre Macht schamlos. Die Bevölkerung der futuristischen Welt, welche ihre Regierungsform als ideal ansah, muss lernen, dass die Regierenden korrupt sind. Es hat sich fast schon ein neuer Adel etabliert, der versucht Regierungsämter an die Nachfahren weiterzugeben.

Ein weiteres Thema, das im Roman im Vordergrund, sind Genderidentitäten. In der Gesellschaft der Terra Ignota Reihe gehören Gender der Vergangenheit an, jedoch wird schnell klar, dass die Menschen sie nicht komplett ignorieren können. Manche Vorurteile wurden zu stark verinnerlicht, um sie abzuschalten. Palmer zwingt hier die Leser_innen sich mit ihren eigenen Vorurteilen auseinander zusetzen.

Etwas, dass mir hier besonders gefiel, war ihr Lob für die Werte, die normalerweise als „typisch weiblich“ bewertet werden. Eigenschaften wie Sanftmütigkeit, Fürsorglichkeit und Mitgefühl werden immer noch als typisch  weiblich angesehen. So gelten zum Beispiel Berufe im Pädagogischen- oder Pflegebereich als „typisch weiblich“. Eigenschaften wie Härte, Stärke und Gewalttätigkeit gelten dagegen als typisch männlich. Natürlich ist es Bullshit solche Eigenschaften Geschlechtern zu zu ordnen.

In den letzten Jahren gibt es viele Werke, in denen die weiblichen Charaktere, „typisch männliche“ Charaktereigenschaften hatten. Dies stört mich nicht, ganz im Gegenteil ich liebe meine Kriegerinnen und Kick-Ass Frauencharaktere. Leider geschieht es in letzter Zeit häufig, dass dabei das „typisch weibliche“ komplett verteufelt wird. Manchmal werden Frauen, die sich für Kleidung interessieren oder nicht kämpfen wollen als dumm oder schwach dargestellt. In den schlimmsten Fällen werden, teilweise im Namen des (Pseudo)feminismus, die  gesamten „typisch weiblichen“ Eigenschaften als wertlos dargestellt. Als Frau, die Kampfsport betreibt und mit Liebesromanen nichts anfangen kann, aber auch gerne shoppen geht und 10 Jahre tanzte, regt mich so etwas auf. Aus diesem Grund war es eine meiner Lieblingsszenen, als eine junge Nonne eine bewegende Rede für die „typisch weiblichen“ Werte hielt. Mit Leidenschaft rief sie ihre Mitbürger_innen dazu auf diese nicht zu vernachlässigen und zu fördern. Palmer betont in Seven Surrenders, dass sowohl die „typisch weiblichen“ als auch die „typisch männlichen“ Werte wichtig für die Gesellschaft sind und von Menschen jedes Geschlechts (nicht nur den binären) vertreten werden können.

Der Schreibstil des Romans ist nicht einfach, trotzdem machte es mir Spaß Seven Surrenders zu lesen. Palmer schafft es sehr gut die Gefühle ihrer Charaktere zu vermitteln. Sie schreibt so atmosphärisch, dass ich das Gefühl hatte, mich in der Welt des 25. Jahrhunderts zu befinden. Geschrieben war die Geschichte wieder aus der Perspektive des Serienmörders Mycroft Canner, dessen Motive dieser Band aufdeckt. Mit ihm schuf die Autorin einen unglaublich vielschichtigen Charakter. Angenehm war zudem, dass er seltener die vierte Wand durchbrach, als in Too like the Lighting und Palmer sich dieses Mal mit seinen Einwürfen zurücknahm.

Alles in allem war Seven Surrenders eine gelungene Fortsetzung und eines meiner Jahreshighlights. Neben komplexen Charakteren und einer interessanten Welt enthielt es einen spannend Plot und brachte mich dazu über zahlreiche Themen nachzudenken. Dafür gibt es von mir 10 von 10 Punkten.

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3 Gedanken zu “Seven Surrenders von Ada Palmer

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