Who fears Death von Nnedi Okorafor

Genre: Science Fiction/ Afrofuturismus
Seitenanzahl: 419
Format: Taschenbuch
Verlag: Daw Books
Erscheinungsjahr: 2010
Deutscher Titel: Wer fürchtet den Tod
Bewertung: 10 Punkte

 

Deutscher Klappentext: In einer nicht näher definierten post-apokalyptischen Zukunft werden die dunkelhäutigen Okeke von den hellhäutigen Nuru unterdrückt. Um sich an der Vergewaltigung ihrer Mutter zu rächen und ihr Volk zu befreien macht sich das Mädchen Onyesonwu (dt.: Wer fürchtet den Tod) auf eine lange Reise voller Magie und Gefahren. Ihr Ziel: Den mächtigen Zauberer Daib zu töten – ihren Vater und Vergewaltiger ihrer Mutter.

Nnedi Okorafor hat sich in den letzten Jahren in der Fantasy- und Science Fictioncommunity einen Namen gemacht. Nachdem ich vor ein paar Monaten ein Interview mit ihr las, wollte ich ihre Bücher lesen. Meine Erwartungen an Who fears death wahren hoch, denn der Roman gewann 2011 zahlreiche Preise u.a. den World Fantasy Award. Zum Glück wurden diese Erwartungen nicht enttäuscht, sondern übertroffen. Warum das Buch mir so gut gefiel, werde ich euch im Folgenden erklären.

Einer der interessantesten Aspekte des Romans ist das Worldbuilding. Die Welt ist anders als das, was einem in den meisten postapokalyptischen Romanen präsentiert wird. Diese sind spielen in der Regel kurz nach der Apokalypse in Europa oder den USA, Diese beiden Annahmen treffen auf Who fears death nicht zu. Das Buch spielt in einem post-apokalyptischen Sudan. Wer sich mit dem Darfurkonflikt beschäftigt hat, wird an dem Konflikt zwischen Okeke und Nuru einige Parallelen zum Darfurkonflikt erkennen. Wie es zu der Apokalypse kam, ist nicht klar und die Charaktere besitzen keine Informationen darüber. Die Bewohner verfügen über Technologie wie Computer, aber leben weitestgehend in traditionellen Dorfgemeinschaften.  Zudem gibt es in der Welt Magie. Hier entwickelte Okorafor ihr eigenes Magiesystem, welches von afrikanischer Mythologie inspiriert wurde.

Zusätzlich bietet der Roman tolle und komplexe Charaktere. Ihr verhalten machte es nicht immer leicht sie zu mögen, aber dafür waren sie vielschichtig. Mal verhielten sie sich schlau, mal dumm. Manchmal nervten sie mich beim Lesen, mal feierte sich sie. Insgesamt taten die Charaktere von Who fears death eins: Sie verhielten sich wie reale Menschen. Die Protagonistin und Erzählerin der Geschichte ist Onyesonwu. In deren Innenleben und die Gründe für ihr handeln ich beim Lesen einen guten Einblick bekam. Etwas, dass mich an ihr begeisterte, war ihre hoffnungsvolle Einstellungen. Sie erfährt von Kindesbeinen an Diskriminierung, weil sie eine Ewu, ein Kind von einer Okekefrau, die von einem Nurumann vergewaltigt wurde, ist.  Trotzdem bleibt sie die meiste Zeit über hoffnungsvoll und positiv eingestellt. Sie hat Ziele und will nicht aufgeben, wenn es mal schief läuft.

Zusätzlich zu Onyesonwu bietet der Roman eine Reihe von liebenswerten Nebencharakteren, die glaubwürdige Entwicklungen durchmachen. Da ist zum einen Onyesonwus Adoptivvater, der sie von Anfang an ohne Vorurteile akzeptiert und unterstützt. Ein weiterer Charakter, der mir gut gefiel, war Onyesonwus beste Freundin Luyu. Sie begleitet Onyesonwu auf ihrer Reise und dem Kampf gegen ihren Vater. Im Gegensatz zu Onyesonwu besitzt sie keine Magie und sie kann nicht kämpfen. Sie ist ein gewöhnliches Mädchen, die weiß, dass das was sie vorhaben gefährlich ist, aber sie tut es trotzdem, weil es das richtige ist. Außerdem unterstützt sie Onyesonwu in schweren Zeiten.

Die Handlung des Romans ist spannend und sie bietet eine gute Mischung zwischen Aktion und ruhigeren Momenten. Knapp die erste Hälfte von Who fears death handelt von Onyesonwus Kindheit und ihrer Lehrzeit bei einem Magier. Dieser Teil des Romans spielt vor allem in einer Stadt und geht vor allem auf die Diskriminierung ein, die Onyesonwu aufgrund ihrer Herkunft erfährt. Gleichzeitig werden Themen wie das Erwachsenwerden und das Leben in einer Gemeinschaft beleuchtet. In der zweiten Hälfte des Romans begibt sich Onyesonwu gemeinsam mit einigen Freund_innen auf eine Reise, um ihren leiblichen Vater zu töten. Dabei werden weitere Aspekte der Welt beleuchtet und die Beziehung zwischen Onyesonwu und ihren Freund_innen wird auf eine harte Probe gestellt.

Erzählt wird der Roman weitestgehend aus Onyesonwus Perspektive, wobei diese als Ich-Erzählerin funktioniert. Ich bin kein großer Fan der Ich-Perpspektive, auch wenn es Geschichten gibt, in denen sie gut funktioniert und zu diesen gehört Who fears death. Es fiel mir beim Lesen leicht mich in Onyesonwu hineinzuversetzen, obwohl sie sich stark von mir unterscheidet. Außerdem wächst der Erzählstil mit der Protagonistin. Am Anfang des Romans ist Onyesonwu ein Kind und die Geschichte ist aus einer eher kindlich-neugierigen Perspektive geschrieben, doch mit der Protagonistin wird auch die Sprache des Romans reifer.

Wie der Klappentext verrät, ist Who fears death kein einfacher Roman. Bereits auf den ersten 60 Seiten gibt es Szenen in denen eine Massenvergewaltigung und weibliche Genitalverstümmelung vorkommen. Beides wird von Okorafor nicht voyeuristisch beschrieben, dennoch sind es harte Szenen. Zudem beschäftigt sich der Roman mit Themen wie Kindersoldaten, Rassismus, Sexismus und Unterdrückung. Soweit ich das beurteilen kann, geht die Autorin mit diesen Themen angemessen um. Zwischen den brutalen Szenen werden immer wieder fröhliche Momente gezeigt, sodass Who fears death nicht zu düster wird und alles im allem eine hoffnungsvolle Geschichte erzählt. Okorafor gelingt hier eine gute Balance zwischen den Unterhaltungsaspekten und den thematischen  Aspekten des Romans.

Ich bin eine kritische Leserin und habe bei (fast) allen Büchern etwas auszusetzen. Wer meinem Blog länger folgt, wird gemerkt haben, dass ich bisher in noch keine Rezension die volle Punktzahl vergab. Dieser Fall ist nun glücklicherweise eingetreten. Who fears death war eines meiner Jahreshighlights und ein Roman mit tollen Charakteren, einem innovativen Worldbuilding und eine faszinierenden Handlung, welcher sich dazu mit wichtigen Themen auseinandersetzt. Das Buch bot mir alles, was ich von einem Roman erwarte und dafür gibt es von mir verdiente 10 von 10 Punkte.

Links:

Einen Ted Talk, in dem Nnedi Okorafor über die Notwendigkeit von afrikanischer Science Fiction Literatur spricht, findet ihr hier.

Ein Washington Post Artikel über Kriegsvergewaltigungen im Sudankonflikt, welcher Okorafor zu der Geschichte inspirierte, gibt es hier.

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3 Gedanken zu “Who fears Death von Nnedi Okorafor

  1. wah, das klingt ja klasse. Ich freu mich so auf das Buch obwohl ich schon etwas Bammel vor den ersten 60 Seiten habe. Aber ich finds super, dass Dir das Buch so gut gefallen hat. „Binti“ und „Lagoon“ haben mir ja wirklich sehr gefallen und die anderen Okorafors in meinem Regal warten darauf, gelesen zu werden. Hach, zuviele gute Bücher, zu wenig Zeit.
    Danke für diese tolle Rezension. Jetzt freu ich mich wirklich noch mehr drauf.

    Gefällt 1 Person

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