Rezension: Shadow and Bone von Leigh Bardugo

Genre: YA-Fantasy
Seitenanzahl: 352
Format: E-Book
Verlag: Orion Children’s Book
Erscheinungsjahr: 2012
Deutscher Titel: Grisha 1: Goldene Flammen
Bewertung: 4 Punkte

 

Klappentext: Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren. Unscheinbar und still lebt sie im Schatten ihres Kindheitsfreunds Maljen, dem erfolgreichen Fährtenleser und Frauenschwarm. Keiner darf wissen, dass sie heimlich in ihn verliebt ist, am allerwenigsten er selbst. Erst als sie ihm bei einem Überfall auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich Alinas Dasein auf einen Schlag. Man munkelt, sie hätte übermenschliche Kräfte, und nicht zuletzt der Zar selbst wird nun auf sie aufmerksam 

Leigh Bardugo ist eine der erfolgreichsten YA-Fantasyautorinnen der letzten Jahre und ihre Grisha Trilogie hat viele Fans. Ich wollte das Buch schon länger lesen, kaufte es mir aber erst im Oktober. Ich las den Roman im Zuge der Russian Reading Challenge, die Elif auf ihrem Blog The Written Word veranstaltet. Das Ziel dabei ist es bis Ende des Jahres möglichst viele Bücher zu lesen, die mit Russland zu tun haben. In diesem Jahr hatte ich bisher ein ziemliches Pech mit Young Adult Büchern. Ich mag YA eigentlich gerne, aber alle YA Bücher, die ich bisher las, waren mittelmäßig bis schlecht. Noch kein YA Buch schaffte es mich in diesen Jahr zu begeistern. Ich brauchte eine Pause von dem Genre und las erst mal einige Monate keine Bücher in dem Genre. Schließlich entschied ich mich dafür es mit Shadow and Bone zu versuchen, da ich von diesem Buch bisher nur Positives gehört hatte. Außerdem klang es nach einem einzigartigen Buch. Ich hoffte, dass der Roman wieder meine Begeisterung für YA entfachen würde. Leider wurde ich auf ganzer Linie enttäuscht. Die Gründe für meine Enttäuschung werde ich jetzt genauer erklären.

Grisha spielt in dem Fantasyland Ravka, welches an das zaristische Russland angelehnt ist. Diese Idee finde ich grundsätzlich gut, es bietet Abwechslung von dem typischen Fantasysetting, das an das westeuropäische Mittelalter angelehnt ist. Wie gut Leigh Bardugo zu Russland recherchierte, kann ich nicht beurteilen, da ich zu wenig darüber weiß.

Was ich aber beurteilen kann, ist der Weltenbau und wie gut die Welt durchdacht ist. Hier wurde ich leider das Gefühl nicht los, dass Bardugo ihre eigene Welt nicht kennt. Bereits am Anfang des Romans erfahren die Leser_innen, dass Alina als einzige Grisha die Fähigkeit hat das Licht heraufzubeschwören und somit ein Sunsummoner ist. Es wird davon ausgegangen, dass sie mit ihren Fähigkeiten in der Lage ist, die Fold zu beseitigen. Dies ist ein Teil Ravkas, in dem seit Jahrzehnten totale Dunkelheit herrscht und der von Monstern beherrscht wird. Alle Menschen in der Welt scheinen sofort zu wissen, was Alina mit ihren Fähigkeiten machen kann, obwohl es keine anderen Sunsummoner gibt. Da tut sich bei mir die Frage auf, woher sie das wissen und wie sie auf den Gedanken kommen, dass Alina die Fold beseitigen könnte. Gab es schon mal einen Sunsommer? Gibt es eine Prophezeiung, die besagt, dass eines Tages ein Sunsummoner kommen und die Fold beseitigen wird? Keine Ahnung im Text wird dies nicht erwähnt. So muss ich davon ausgehen, dass die Charaktere dies wissen, weil die Autorin es ihnen verriet.

Ähnlich verhält es sich mit anderen Aspekten der Welt. Ravka befindet sich seit über 100 Jahren mit seinen Nachbarn im Krieg und durch den Krieg ist Alina zur Waise geworden. Der Krieg wird mehrmals erwähnt, aber wir erfahren zu keinem Zeitpunkt wie er entstanden ist. Geht es um Land, natürliche Ressourcen, religiöse Differenzen, oder irgendwas anderes? Diese Frage bleibt im ganzen Roman über unbeantwortet. Ebenso wenig verrät uns die Autorin den aktuellen Stand des Kriegs und ich bezweifle, dass sich Leigh Bardugo darüber Gedanken machte.

Dies waren nur zwei Beispiele, aber bei weiteren Aspekten des Weltenbaus verhält es sich nicht anders. Es muss nicht jede_r Autor_in einen so aufwendigen Weltenbau wie Tolkien begehen und ich brauche keine seitenlangen Infodumps, aber ich sollte beim Lesen zumindest das Gefühl bekommen, dass sich die Autorin über ihre Welt Gedanken machte. Dies war hier nicht der Fall.

Außerdem hätte ich gerne die Antwort auf die folgende Frage: Haben der König und die Königin eigentlich Namen oder heißen sie nur „King“ und „Queen“?

Kommen wir nun zu den Charakteren und diese konnten mich ebenfalls nicht überzeugen. Die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans ist Alina Starkov. Sie ist Waisin und war Kartenzeichnerin bei der Armee,  bis ihre magischen Fähigkeiten entdeckt wurden. Alina ist eine typische YA Protagonistin. Sie ist ein Teenager, sie ist durchschnittlich, aber trotzdem besonders, weil sie einzigartige magische Kräfte hat. Sie sieht nicht super aus und hat wegen ihres Aussehens Komplexe. Sie soll stark und unabhängig sein, aber hat gleichzeitig  Momente, in denen sie unsicher ist. Außerdem ist sie bereit sich für andere aufzuopfern und setzt sich gegen jede Art von Unrecht ein. Die vornehmlich weibliche Leserschaft soll sich möglichst gut mit ihr identifizieren können. Alina war keine katastrophale Protagonistin, aber sie langweilte mich die meiste Zeit über. Dies lag daran, dass sie sich kaum von den Protagonistinnen in gefühlt 90% der anderen YA Fantasy Romane unterscheidet. Ich hatte beim Lesen das Gefühl man hätte sie durch Tris Prios aus Divergent, oder irgendwelche anderen YA Protagonistinnen, austauschen können, und die Geschichte wäre die selbe gewesen. Ich kannte Alinas Geschichte bereits, bevor ich sie las, weil ich sie schon unzählige Male in anderen Romanen las. Dadurch gelang es mir nicht das geringste Interesse an Alina aufzubringen. Sie war mich schlicht und einfach egal.

Hinzu kommt, dass ihre Charakterisierung stellenweise unglaubwürdig ist. Sie soll eine Waisin und Soldatin sein, die ein hartes und entbehrungsreiches Leben gewöhnt ist. So verhält sie sich nicht. Sie beschwert sich das sie nicht genügend Schlaf bekommt oder über anstrengenden Kampfunterricht. Kennt sie Letzteres nicht aus der Grundausbildung der Armee und ist sie nicht durch lange Märsche ein gewisses Maß an körperlicher Ertüchtigung gewohnt? Sie meckert, wenn es Essen gibt, dass sie nicht mag oder sie keine Zeit zum Essen hat. Gab es in der Armee etwa jeden Abend 3 Gänge Menüs? Dieses Verhalten hätte bei einer Tochter aus einer Adelsfamilie mehr Sinn ergeben, als bei einer Soldatin, die im Waisenhaus aufgewachsen ist.

Ein anderer wichtiger Charakter war Mal Alinas Kindheitsfreund und Love Interest No.1. Sein Charakter bleibt den Großteil der Handlung über blass. Außer, dass er ein guter Spurenleser und Jäger ist, kann ich kaum etwas über ihn sagen. Warum Alina sich in ihn verliebt war mir  nicht klar und deshalb interessierte mich die Liebesgeschichte des Romans nicht im geringsten.

Einige der anderen Nebenfiguren gefielen mir besser und beim Lesen wünschte ich mir mehrmals, die Geschichte würde aus ihren Perspektiven, anstatt der Alinas, erzählt. Einer dieser Charaktere war Genya eine junge Grisha, die am Hof des Zaren lebt und zu Alinas Freundin wird. Ein anderer faszinierender Charakter war Baghra, eine Grisha, die Alina beibringt ihre Kräfte zu nutzen. Diese Figuren hatten interessante Persönlichkeiten und waren gut ausgearbeitet.

Dann ist da noch der Darkling, der mysteriöse Anführer der Grisha und Alinas Love Interest No.2. Er war die meiste Zeit über ein komplexer und interessanter Charakter, von dem ich gerne mehr gesehen hätte. Leider entwickelte er sich kurz vor Ende des Romans zu einem klischeehaften Bösewicht. Ich habe nur noch darauf gewartet, dass er sich die Hände reibt, während er davon spricht Menschen zu foltern, oder sich seinen nicht-existierenden Schnurrbart zwirbelt. Diese Entwicklung fand ich schade, da Leigh Bardugo hier das Potential eines tollen Charakters nicht nutzte.

Die meisten anderen Nebencharaktere spielten keine großen Rollen und blieben somit Stereotypen. Der GeekTM, Die ZickeTM, der HandlangerTM, etc.

Die Handlung des Romans gefiel mir auch nicht. Der Großteil der Handlung bestand aus Alinas Lehrzeit bei den Grischa. Dies hätte Potenzial für eine interessante Geschichte geboten. Auch wenn magische Schulen eine häufig verwendete Trope sind, mag ich sie  gerne, zumindest wenn es gut umgesetzt wird. Harry Potter ist das wohl beste Beispiel dafür, das Geschichten über Magierschulen interessant sein können. Leider erinnerte mich Alinas Zeit bei den Grisha an eine Soap oder einen amerikanischen High Schoolfilm. Es ging die meiste Zeit über um Männer und Kleidung und die verschiedenen Grisha stritten sich um die Aufmerksamkeit des Darklings. Falls ihr gerade mit den Augen rollt, glaubt mir ich tat es beim Lesen auch oft.

Zudem enthielt die Geschichte eine Lovetriangle. Ich muss nicht erklären, warum ich das nervig fand oder?

Ein weiterer Aspekt, der mich störte, war die merkwürdige Fixierung, die der Roman auf Schönes und Äußerlichkeiten legte. Alle Grisha sehen wahnsinnig toll aus und Alina glaubt, dass sie keine Grisha sein kann, weil sie nicht schön genug ist (*großes Augenrollen*). Dann verpasst ihr Genya ein Makeover und schon fühlt sie sich viel besser. Alle Grisha und alle Frauen am Hof scheinen sich nur für ihre Schönheit zu interessieren (und für Männer). Dies hätte Potenzial für eine gute Sozialkritik geboten, da diese ausbleibt muss ich mich aber fragen, was diese komische und unnötige Fixierung auf Äußerlichkeiten sollte.

Die Sprache des Romans war in Ordnung. Sie war nicht so herausragend, dass sie mir in Erinnerung bleiben wird, aber sie war nicht schlecht. Shadow and Bone lies sich leicht und schnell lesen.

Alles in allem ist Shadow and Bone ein klischeebeladener YA Roman mit typischen Teenie“drama“, welcher zu unrecht als originelles Fantasywerk präsentiert wird. Dafür gibt es von mir 4 von 10 Punkten.

 

 

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