Rezension: Sumerland Band 1: Prinzessin Serisada von Johannes Ulbricht

Genre: Urban Fantasy
Seitenanzahl: 349
Format: Taschenbuch
Verlag: Panini Books
Erscheinungsjahr: 2016
Bewertung: 7 Punkte

 

Klappentext: Nur wenige Eingeweihte wissen, dass unsere Zivilisation nichts als eine kollektive Illusion ist, in der die Menschen gefangen gehalten werden. In Wahrheit tobt ein geheimer Krieg in der phantastischen Realität hinter der Scheinwelt unseres Alltags. Auf der einen Seite steht der babylonische Stadtkegel von Waylhaghiri, in dem alle Zivilisationsepochen der Menschheit übereinander geschichtet sind. Diese einzige Stadt auf der Welt lebt von der Perfektionierung der zivilisatorischen Ästhetik. Glamour, Moden und kalkulierte Manipulation sind bis in die Intimsphäre allgegenwärtig. Auf der anderen Seite steht die umgebende Wildnis des Sumerlandes, in der Tiermenschen leben, die verspielt und kindlich, aber auch unberechenbar und grausam sind. Die jahrhundertealten, doch ewig kindlichen Herrscher beider Reiche, Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada, kämpfen erbittert um die Vorherrschaft. Zazamael benötigt für die endgültige Dominanz seines Reiches – die in Form einer Emulsion von Traum und Wirklichkeit namens „große Fusion“ erfolgen soll – den „wilden Wein“ als rettendes Elixier. Auf der Suche nach dem „wilden Wein“ dringt er unter ständiger Bedrohung durch die sumerländischen Tiermenschen ins Herz von Serisadas Reich vor.  Währenddessen gelingt es Serisada, als Spionin in Waylhaghiri einzudringen. Dort hat sie die schwierige Aufgabe, sich in der Zivilisation zu behaupten, ohne enttarnt zu werden.

Sumerland: Prinzessin Serisada ist der erste Band der Sumerland Dilogie von Johannes Ulbricht. Zusätzlich zu den Büchern gibt es eine App, welche ich nicht ausprobierte.

Das Interessanteste an der Dilogie ist die von Johannes Ulbricht geschaffene Welt, welche sich hinter unserer Welt versteckt. Sie ist komplex und bietet zahlreiche kreative Ideen. Es gibt die verschiedensten Ecken der Welt zu entdecken. Von dem oberen Bereich des Stadtturms Waylhaghiriri, zu den unteren Etagen, bis ins Sumerland, wo Prinzessin Serisada ihren Palast hat. In jeder Ecke der Welt lassen sich neue Dinge finden. So begleiten wir Prinzessin Serisada zum Beispiel dabei, wie sie bei ihrer Ankunft in Waylhaghiriri einen Basar überquert oder am Lizenzhandel mit Superheldenkarten teilnimmt (so etwas wie das wayhalghirische Poker). Alle diese Orte werden mit einer starken Liebe zum Detail beschrieben, sodass es mir beim Lesen leicht gelang in die, vom Autor geschaffene, Welt einzutauchen.

Interessant ist dabei, dass der Autor anhand von Sumerland an unserer heutigen Gesellschaft Sozialkritik übt. Die Beschreibung Waylhaghiris zwang einen beim Lesen über unsere moderne Konsumgesellschaft und die Schattenseiten des Kapitalismus nachzudenken.  Ebenso waren in der Gesellschaft Waylhaghiris klare Parallelen zu den sozialen Medien erkennbar. In Waylhaghiri sind die Menschen einzig und allein darauf aus  ihren, für alle sichtbaren, Status zu verbessern, um so in die oberen Stockwerke Waylhaghiris vor zu gelangen. Dabei herrscht ein knallhartes Konkurrenzdenken und jede_r arbeitet nur an den eigenen Zielen. Freundschaften gibt es nicht. Gleichzeitig besteht für jeden die Gefahr abzustürzen.  Die Bewohner der Stadt sind in einer Art Teufelskreis gefangen und müssen stets daran arbeiten ihren Status aufrechtzuerhalten. Es gibt keine Möglichkeit den Zwängen dieser Welt zu entkommen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von verschiedenen Charakteren erzählt. Da sind zum einen Serisada und Zazamael, die beide hunderte von Jahren alt sind, aber in den Körpern von Kindern leben. Ihre Handlungsstränge fand ich am interessantesten, da sie mir einen Einblick in Sumerland und Waylhaghiri boten. Zusätzlich gab es die Perspektive einer namenlosen Erzählerin, welche in die Welt von Sumerland sehen kann, Probleme bei der Arbeit hat und ihrer verflossenen Liebe nachtrauert. Dann ist da noch ihre Nichte Susanne, welche ebenfalls Sumerland sehen kann und glaubt es erfunden zu haben. Diese beiden Handlungsstränge fand ich zwar nicht langweilig, aber sie gefielen mir bei Weitem nicht so gut wie die Handlung um Prinzessin Serisada und Prinz Zazamel. Ich denke, es hätte, dem Roman gut getan, wenn es weniger Abschnitte von Susanne und der Erzählerin gegeben hätte, vor allem da diese die Handlung um Sumerland und Waylhaghiri teilweise stark unterbrachen.

Leider blieb die Charaktere teilweise blass und ich konnte die Motivationen ihres Handelns nicht immer nachvollziehen. Serisada wird zum Beispiel schnell zu einer Bürgerin Waylhaghiris und beginnt den Lebensstil der Stadt zu lieben, obwohl sie die Stadt zuvor noch hasste. Dieser Wandlung kommt ziemlich schnell und hätte besser ausgearbeitet werden müssen. Auch an anderen Stellen hätte ich mir gewünscht, mehr über die Charaktere und ihre Motivationen zu erfahren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass der vollständige Klappentext (das oben ist nur ein Auszug) fast die gesamte Handlung des Romans vorwegnimmt. Dies finde ich schade, da so ein bisschen die Überraschung beim Lesen fehlt.

Insgesamt ist der erste Band der Sumerland Dilogie ein Roman mit einem interessanten Weltenbau und einer zum Nachdenken anregenden Sozialkritik, bei dem sich aber in der Charakterentwicklung Schwächen aufweisen. Von mir gibt es dafür 7 von 10 Punkten.

Ich erhielt das Buch als Rezensionsexemplar von der Noon Games Augmented Reality GmbH & Co. KG und bedanke mich für die Zusammenarbeit.

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2 Kommentare

  1. bucherfreut · 20 Days Ago

    Das Buch hört sich echt interessant an, ich glaube das werde ich mir mal genauer anschauen. Auf jeden Fall eine schöne Rezension. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • reisenderbuecherwurm · 20 Days Ago

      Es freut mich, dass dir die Rezension gefällt und ich bei dir Interesse auf das Buch wecken konnte. Am Donnerstag folgt die Rezension zum zweiten Teil, wobei die das Ende des ersten Bands spoilert.

      Gefällt 1 Person

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