Rezension: Die Rivalin der Götter von N.K. Jemisin

Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 608
Format: Taschenbuch
Verlag:  Blanvalet
Originaltitel: The Kingdom of Gods
Übersetzer_in: Helga Parmiter
Erscheinungsjahr: 2011
Bewertung: 7 Punkte

 

Sieh, das älteste Gottkind, wird durch einen mysteriösen Unfall in de Körper eines Menschen gefangen und droht eines Tages als Mensch zu sterben. Während Götter und Sterbliche versuchen herauszufinden, wie dies passieren konnte, muss er sich an sein neues Leben als Mensch gewöhnen. Er freundet sich mit Shahar Arameri, der Erbin der Aramerifamilie an. Jedoch beginnt die Macht der Familie, die Jahrtausende lang über die Welt herrschte, zu schwinden und es kommt zu Revolten gegen sie.

Ich rezensierte hier bereits  Die Erbin der Welt und Die Gefährtin des Lichts von N.K. Jemisin. Mit Die Rivalin der Götter wird die Trilogie abgeschlossenEs stehen andere Charaktere im Vordergrund als in den ersten beiden Bänden. Trotzdem lohnt es sich diese zu lesen, da Charaktere aus diesen Büchern in Die Rivalin der Götter auftauchen und sich manche Zusammenhänge schwer verstehen lassen, wenn man die Vorgänger nicht kennt.

Im Gegensatz zu Die Erbin der Welt und Die Gefährtin des Lichts ist die Rivalin der Götter aus männlicher Perspektive geschrieben. Allerdings war Siehs Perspektive für mich die interessanteste. Es ist ein Charakter, den wir aus den vorangegangenen Bänden kennen und lieb gewonnen haben, doch bisher kannten wir seine Gedanken nicht. Seine Perspektive mag für manche Leser_innen enttäuschend sein, da sie sich seine Gedanken anders vorgestellt hatten oder auf eine andere Entwicklung gehofft hatten. Ich fand diese Perspektive spannend. Sieh ist Nemisins bisher komplexester POV Charakter und geht eine tiefe Entwicklung durch. Nemisin lässt uns mit ihm mitfühlen und verstehen, was der Verlust seiner Göttlichkeit für ihn bedeutet.  Gleichzeitig ist er kein guter Charakter und es gab Momente, in denen ich Sieh für seine Taten hasste.

Die anderen Charaktere sind ebenfalls komplex. Wir lernen alte Bekannte besser kennen und treffen auf tolle neue Charaktere. Jemisin schafft es einem auch unsympathischeren Charaktere verstehen zu und mit ihnen fühlen zu lassen . So mochte ich Shahar und ihre Mutter als Menschen weniger, fand trotzdem, dass beide facettenreiche Charaktere mit interessanten Entwicklungen waren.

Der Roman spielt größtenteils in Elysium, aber neue Orte werden vorgestellt und Yeines Heimatland Darre taucht ebenfalls auf. Hier zeigt Nemisin gut, wie sich die Welt seit der Handlung von Die Gefährtin des Lichts verändert hat. Es ist glaube ich nicht klar, wie viele Jahre nach den Ereignissen seines Vorgängers Die Rivalin der Götter spielt, doch es dürften über 100 Jahre sein. Wie bereits erwähnt haben die Arameri in dieser Zeit an Einfluss verloren und zahlreiche Nationen begehren gegen sie auf. Sie drohen den Arameri mit einer neuen, magischen Waffe. Hier hat die Autorin ein  faszinierendes Konzept geschaffen, was ich so bisher in keinem Fantasyroman sah.

Kommen wir nun zu der Handlung des Romans und hier kann ich das Buch leider nicht so stark loben wie bisher. Die Rivalin der Götter ist der dickste Roman der Trilogie, doch wurde die Länge falsch genutzt. Es wurden viele Seiten für Siehs Entwicklung verwendet. Dies ist durchaus wichtig, jedoch wurden dafür andere wichtige Handlungselemente, vor allem das Ende, vernachlässigt. So hatte zum Beispiel der zentrale Bösewicht nur eine kleine Rolle. Er tauchte einmal in der Mitte und dann erst wieder am Ende des Romans auf. Seine Motive und seine Persönlichkeit bleiben blass. Lange Zeit wissen Sieh, Shahar und die Götter nicht was sie gegen den Antagonisten tun sollen. Als ihnen schließlich eine Idee kommt, fragte ich mich, warum niemanden früher diese Lösung eingefallen war, immerhin war diese „Waffe“ einer der zentralen Aspekte von Die Gefährtin des Lichts. Gleichzeitig war die finale Konfrontation gehetzt   und es wurden wichtige Dinge nicht erklärt. Hier hätte mehr Zeit auf die Lösung des Konflikts verwendet werde sollen.

Insgesamt hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass Nemisin in Die Rivalin der Götter zu viele Dinge gleichzeitig versucht. Es soll auf Siehs Entwicklung eingegangen werden und erklärt werden, wieso er zu einem Menschen wurde, Shahars Entwicklung ist ebenfalls wichtig, den ganzen Charakteren aus den ersten beiden Bänden soll ein würdiger Abschluss gewährt werden, es werden neue Nebencharaktere eingeführt, deren Geschichte erzählt werden soll, es gibt einen irdischen Konflikt, der gelöst werden muss, aber es gibt auch einen göttlichen Konflikt und die beiden Konflikte hängen zusammen, gleichzeitig will der Roman wichtige soziale Themen ansprechen. Dieses Buch versucht sehr viel, schafft aber  nicht alles. Einige dieser Aspekte bleiben auf der Strecke. Dass jeder Band der Trilogie die Geschichte anderer Charaktere erzählt, gefällt mir gut, aber es stellt den dritten Band vor die Herausforderung, dass er sowohl als Abschluss der Trilogie als auch als Einzelband funktionieren muss. Für mich war die Rivalin der Götter ein gelungener Abschluss der Trilogie. Die Handlungsstränge, die nach den ersten beiden Bänden noch offen waren, wurden gut beendet. Als Einzelband wieß der Roman leider eigene Schwächen auf und es wurden gerade am Ende nicht alle Vorgänge ausreichend erklärt.

Der Sprachstil ist so exzellent wie immer und trägt einen auch durch die längeren Passagen des Romans. Ähnlich wie seine Vorgänger beschäftigt sich Die Rivalin der Götter mit Themen wie Macht und Machtverlust, Unterdrückung und ihren Konsequenzen, Liebe und Eifersucht und dieses Mal mit dem Erwachsenen werden.

Insgesamt verfügt  Die Rivalin der Götter zwar über ein paar Schwächen, dennoch ist es ein gutes und empfehlenswertes Buch, welches die Trilogie angemessen vollendet. Dafür gibt es von mir 7 von 10 Punkten. Ich kann N.K. Jemisins Inheritance Trilogie allen ans Herz legen, die auf der Suche nach High Fantasyreihen abseits des typischen europäischen Mittelalter Setting sind. Ich freue mich darauf in Zukunft mehr von der Autorin zu lesen.

 

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2 Kommentare

  1. Pat Gawlik · 16 Days Ago

    Hallo die Dame,
    ich wurde kürzlich für den Mystery Blogger Award nominiert und darf nun ebenfalls Nominierungen aussperechen 🙂 Da bin ich so durch den Reader, mal hier mal da und auf einmal war ich hier und blieb auch ein wenig länger. Das nehme ich dann auch mal direkt zum Anlass Dich ebenfalls dafür zu nomieren. Ich hoffe Du bist mir nicht böse deswegen ^^

    Näheres hierzu findest Du auf:
    https://padmanpl.blog/2017/11/04/mystery-blogger-award/

    Liebe Grüße
    Pat

    Gefällt 1 Person

    • reisenderbuecherwurm · 16 Days Ago

      Hallo,

      freut mich, dass dir mein Blog gefällt und danke für die Nominierung. Ich werde sicher einen Beitrag dazu schreiben, aber das kann vielleicht ein paar Tage dauern. Bin gerade ein bisschen im Stress.

      LG
      Elisa

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