Rezension: Tigana von Guy Gavriel Kay

Genre: Fantasy
Seitenanzahl: 816
Format: E-Book
Verlag: Harper Collins Publishers
Deutscher Titel: Aufgeteilt in zwei Bände. Der Fluch und Der Hofnarr
Erscheinungsjahr: 1990
Bewertung: 9 Punkte

 

Zwei Tyrannen versuchen die Halbinsel die Palme zu erobern und bringen nach und nach die verschiedenen Städte der Halbinsel unter ihre Kontrolle. Allerdings arbeitet eine Gruppe von Rebellen daran die beiden zu töten. Der Großteil der Rebellen stammt aus der Provinz Tigana, die es lange Zeit schaffte sich dem Tyrannen Brandin entgegenzustellen und in einer Schlacht seinen Sohn tötete. Aus Rache ging Brandin bei der Eroberung Tiganas besonders grausam vor und er belegte die Provinz mit einem Fluch, welcher dafür sorgte, dass der Name und die Erinnerung daran, wie die Provinz vor seiner Eroberung war, aus dem Gedächtnis der Menschheit gelöscht wurde. Einzig jene, die vor der Eroberung in Tigana lebten, können sich noch an den wahren Namen der Provinz erinnern. Alle anderen denken, dass Tigana, welches sie als lower Corte kennen, immer ein unbedeutender Teil der Provinz Corte war. Die Rebellen hoffen, dass dieser Fluch mit Brandins Tot aufgehoben wird und so kämpfen sie nicht nur für ihre Freiheit, sondern auch für die Erinnerung an ihre Heimat.

Guy Gavriel Kay wurde mir in der Vergangenheit öfters in Fantasykreisen empfohlen, aber ich schaffte es jetzt erst eins seiner Bücher zu lesen. Kay half Christopher Tolkien bei der Arbeit am Simarillion, dementsprechend waren meine Erwartungen an dieses Buch hoch und wurden zum Glück nicht enttäuscht.

Die Charaktere des Romans gefielen mir gut, auch wenn sie nicht zu dieser Sorte Charakteren gehören, die einem noch lange nach dem Lesen in Erinnerung bleiben. Der Protagonist Devin wirkt stellenweise wie der typische Bauernjunge, der mit in ein Abenteuer gerissen wird, aber er war mir sympathisch. Ein Charakter, der sicherlich die Geister spaltet, ist Dianora, ein Mitglied von Brandins Harem. Relativ früh lernen die Leser_innen, dass sie ursprünglich aus Tigana stammt und dafür sorgte, dass sie in Brandins Harem kam, weil sie ihn ermorden wollte, doch dann verliebte sie sich in ihn. Normalerweise mag ich Geschichten in denen sich (Möchtegern) Assassinen in ihre Ziele verlieben nicht, aber in diesem Roman war es gut umgesetzt. Durch Dianora bekommen die Leser_innen einen guten Blick auf Brandin, der kein klischeehafter Bösewicht und differenziert dargestellt wird. Zusätzlich treten in dem Buch einige faszinierende Nebencharaktere auf, wie zum Beispiel Baerd, der engste Vertraute und rechte Hand des Rebellenführers, oder Sandre der ehemalige Herzog der von Brandin eroberten Provinz Astibar. Beide Männer sind bereit für ihr Ziel wortwörtlich über Leichen zu gehen.

Dies ist eines der Dinge, die mir an dem Roman gut gefielen. Bei den Charakteren erfolgt keine klassische schwarz-weiß Zeichnung. Der Bösewicht hat sympathische Seiten und die Helden haben keine weiße Weste. Sie schrecken vor Dingen wie Mord oder Versklavung nicht zurück um ihr Ziel zu erreichen. Als Leser_in muss man sich fragen, wie weit sie für die Befreiung ihrer Heimat gehen dürfen. Neben diesen thematischen Aspekten beschäftigt sich der Roman mit Themen wie Patriotismus und Erinnerung, denn dies ist das Einzige, was den Bewohnern Tiganas von ihrer Heimatstadt geblieben ist. Beim Lesen wird deutlich, warum die Erinnerung an ihre einstige Heimat den Protagonist_innen so wichtig ist. Zudem fand ich die Idee, dass es durch einen Zauber möglich ist die Erinnerung an eine Stadt auszulöschen, originell.

Tigana und die gesamte Palm wurden an die italienischen Stadtstaaten angelehnt. Die Namen einiger Charaktere und die Kultur wurden ebenfalls an das mittelalterliche Italien angepasst, doch es fließen Magie und die ein oder anderen mystischen Aspekte mit ein.

Ein Highlight war für mich Guy Gavriel Kays Schreibstil, dieser ist poetisch und atmosphärisch. Kay schafft es die Leser_innen immer mit seinen Charakteren mitfühlen zu lassen, selbst wenn sie Dinge tun, denen man nicht zustimmt. An den langsameren Stellen der Handlung, und davon gibt es einige, trägt die Prosa einen wunderbar durch die Geschichte. Zudem gelingt es Kay durch seinen Schreibstil, die Welt gleichzeitig real und mystisch wirken zu lassen.

Trotz all des Lobs gibt es einen Aspekt, den ich an Tigana kritisieren muss und das sind die Liebesgeschichten. Davon gibt es viele, denn fast alle Charaktere enden in Paaren. Ist es so schlimm, wenn ein Charakter Single bleibt? Außerdem fanden die jeweiligen Charaktere sehr schnell zusammen, in manchen Fällen war es sogar Liebe auf den ersten Blick. Normalerweise bin ich jemand, der sich eher an zu viel Romance stört, aber in diesem Fall störte mich, dass die Beziehungen nicht richtig ausgearbeitet wurden. Es wirkte fast so als werden ein Mann und eine Frau zu einem Paar, nur weil sie in denselben Szenen vorkommen.

Abgesehen von diesen kleinen Schönheitsfehlern ist Tigana ein spannender und gut geschriebener Fantasyroman, der sich zudem mit moralischen Fragen auseinandersetzt. Dafür gibt es 9 von 10 Punkten. Das Buch macht lust auf mehr und ich werde in Zukunft bestimmt weitere Werke des Autors lesen.

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