Saigon: Stadttour

Hallöchen,

in diesem Eintrag werde ich euch über meinen ersten Tag in Saigon berichten. Der offizielle Name der größten Stadt Vietnams ist Ho Chi Minh Stadt, allerdings verwenden viele Vietnamesen den ehemaligen Namen Saigon. Beide Namen der Stadt werden benutzt und es ist egal, ob man von „Saigon“ oder „Ho Chi Minh City“ spricht. Nur beim Ausfüllen von Formularen, wie zum Beispiel dem Visaantrag, sollte Ho Chi Minh City stehen. Die ersten beiden Tage verbrachte ich alleine in der Stadt, bevor ich am Abend des zweiten Tags auf meine Reisegruppe traf. Nach dem ich Samstag morgens aufstand, genoss ich das Frühstück auf der Dachterrasse des Hotels.

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Ja, es gab Minifrühlingsrollen zum Frühstück 😉

Anschließend machte ich einen kleinen Spaziergang, um mir ein bisschen die nähere Umgebung anzuschauen. Dabei musste ich leider feststellen, dass es eine fast schon lebensgefährliche Angelegenheit ist, sich ein Saigon zu  Fuß zu bewegen. Das meine ich hier durchaus ernst. Der Verkehr ist für Westler vielleicht der größte Schock. Ich war zwar schon in Ländern, in denen es mit den Verkehrsregeln nicht so genau genommen wird wie in Deutschland, aber der Verkehr von Saigon war noch mal ein anderes Kaliber. Es bewegen sich weitaus mehr Fahrzeuge auf der Straße als in anderen Großstädten. Dies sind zum Großteil Mofas, was daran liegt, dass sich die meisten Vietnamesen keine Autos leisten können. Autos fahren nur die Wohlhabenden. Verkehrsregeln gibt es zwar offiziell, aber an die scheinen sich die meisten Verkehrsteilnehmer nicht zu halten. Wenn die Fußgängerampel grün und die anderen Ampeln rot anzeigen, muss man damit rechnen, dass zahlreiche Fahrzeuge die rote Ampel ignorieren. Es lohnt sich nicht zu warten, bis kein Auto oder Mofa kommt, da immer welche kommen. Am besten ist es die Straße zu überqueren und zu hoffen, dass die Fahrzeuge anhalten oder ihnen auszuweichen. Dadurch brauchte ich um einen Park, der nur 2km von meinem Hotel entfernt lag, zu erreichen 45 Minuten. Ich kann jedem, der Saigon besuchen will empfehlen, sich mit dem Taxi fortzubewegen. Falls ihr Mofa fahren könnt, könntet ihr euch ein Mofa mieten. Auf  den ersten Blick mag das gehfaul klingen, aber es ist weitaus sicherer und man kommt viel schneller vorwärts. Außerdem sind Taxis verglichen mit deutschen Verhältnissen der günstig und kosten ungefähr so viel wie Busfahrten hier. Als ich schließlich im Park angekommen war, ging ich dort eine Weile spazieren.

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Nach meinem Spaziergang durch den Park ging ich zurück zum Hotel, um mich kurz zu erfrischen. Ich war im Juni und Juli in Vietnam. Zu diesem Zeitpunkt ist es in dem Land warm und schwül, wobei mir das Wetter nicht zu schaffen machte und es erträglicher war als zum Beispiel bei einem Sommerurlaub in Südspanien. Trotzdem muss man sich mehrmals am Tag duschen und umziehen. Auch wenn es nicht gut für die Umwelt ist, lässt es sich in Hotelzimmern nur aushalten, wenn nachts die gesamte Zeit die Klimaanlage läuft.

Kurze Zeit später wurde ich von meinem Stadtführer abgeholt. Vor Anreise hatte ich mir eine Free Walking Tour mit Saigon Free Walking Tours gebucht. Die Touren werden von Tourismusstudenten geführt, die sich etwas dazuverdienen und ihr Englisch aufbessern wollen. Falls ihr noch keine Free Walking Tours kennt. Die werden in zahlreichen Städten überall auf der Welt angeboten. Die Idee ist, dass es keinen festen Preis gibt, sondern man so viel zahlt, wie man zahlen kann oder einem die Tour Wert war. Wie der Name sagt, sind Free Walking Tours normalerweise Touren bei den gelaufen wird, in Saigon ist dies jedoch ein bisschen anders. Aufgrund des Verkehrsaufkommens und der Größe der Stadt geht es mit dem Taxi oder Mofa, je nachdem was man bestellt hat, von einer Sehenswürdigkeit zum anderen. Aus diesem Grund werden die Touren in Saigon nicht für größere Gruppe, sondern nur für Kleingruppen oder Einzelpersonen angeboten. Mein Führer Bixn holte mich am Hotel ab und wir fuhren mit dem Mofa zur ersten Sehenswürdigkeit. Beziehungsweise er fuhr und ich saß hinten. Ich war noch nie zuvor Mofa gefahren, aber es machte mir Spaß und ich bekam dabei einiges von der Stadt zu sehen.

Unser erster Halt war ein Tempel des Caodaismus. Der Caodaismus ist eine vietnamesische Religion, die 1926 gegründet wurde und heute ungefähr 2 Millionen Anhänger in Vietnam hat. Die Religion ist auf Harmonie, Nächstenliebe und ein friedliches Miteinander ausgerichtet. Zusätzlich wird viel Wert auf das Gleichgewicht von Ying und Yang gelegt und es wird sowohl Gott der Vater als auch Gott die Mutter verehrt.

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Im ersten Stock des Tempels befand sich der Altarraum, zu dem wir über eine Treppe gelangten. Es gibt sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite des Gebäudes Treppen. Da wir zur zweit unterwegs waren nahm jeder von uns die Treppe auf einer Seite, dies wird gemacht, um die Harmonie zu waren. Der Caodaismus ist ebenfalls darauf ausgerichtet in Harmonie mit anderen Religionen zu Leben. Propheten anderer Religionen, wie zum Beispiel Jesus und Muhammad, werden als Propheten des Caodaismus angesehen. Es sind nicht nur religiöse Figuren, die als Propheten des Caodaismus gelten. Zu den Propheten der Religion zählen unter anderem auch Isaac Newton, William Shakespeare und Victor Hugo, da die Anhänger des Caodaismus glauben, dass diese ihre Ideale vertreten. Während meiner Führung durch den Tempel erzählte mir Bixn einiges über den Caodaismus und das religöse Leben der Vietnamesen.

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Der Altarraum zur Verehrung von Gott dem Vater
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Der Altarraum, in dem Gott die Mutter verehrt wird

Von dem Tempel aus fuhren wir weiter zum Markt. In Saigon gibt es, so wie in vielen anderen Städten Vietnams, zahlreiche Märkte. Diese befinden sich manchmal sogar in Gässchen auf offener Straße. Der Markt war nicht touristisch ausgelegt, aber das war gut, da ich extra eine Tour gebucht hatte, die mir die versteckten Ecken Saigons zeigt. Bixn zeigte mir während unseres Spaziergangs über den Markt die verschiedenen örtlichen Früchte und Gerichte. Auf den Märkten gibt es jede Menge Street Food Stände. Wir hielten an einem kleinen Stand, an dem es Sweetsoup gab. Sweetsoup ist ein beliebter vietnamesischer Nachtisch. Dabei handelt es sich um kalte, süße Suppen. Jeder Stand hat seine eigenes Rezept, aber meine bestand aus Kokosnussmilch, mit Litschi, Mango und anderen örtlichen Früchten.

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Eine der Seitengassen, in der der Markt stattfand
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Meine Suppe

Nach dem Essen gingen wir weiter, um einen Kaffee zu trinken. Vietnam ist einer der größten Kaffeeexporteure weltweit und hat eine besondere Kaffeekultur. Kaffee wird in Vietnam aufgrund der hohen Temperaturen häufig mit Eis getrunken. Sehr beliebt ist der cà phê sữa đá (ausgesprochen Kaffee Seda), der kalter Kaffee mit Kondensmilch.

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Nach dem Kaffeetrinken ging es weiter in das Museum für traditionelle Medizin. Die traditionelle vietnamesische Medizin ähnelt der Chinesischen, was daran liegt, dass Vietnam über die Jahrtausende hinweg mehrfach von China erobert wurde.  Die östliche Medizin und Heilmethoden unterscheiden sich in Ansatz und Methode stark von der westlichen Medizin. Während in der westlichen Medizin immer nach Heilungen für einzelne Krankheiten zu finden, geht man in der östlichen Medizin davon aus, dass eine Krankheit daher rührt, dass sich der Körper im Ungleichgewicht befindet. Es wird versucht den Körper als Ganzes zu heilen, damit es nicht zu Krankheiten kommt. Im Anfangsbereich des Museums wurden verschiedene Heilkundigen vorgestellt, die wichtige Beiträge zur vietnamesischen Medizin leisteten. Einer der wichtigsten dieser Heilkundigen wird im Volksmund als „fauler, alter Mann“ bezeichnet, doch dies ist keinesfalls negativ gemeint. Hai Thuong Lan Ong Le Huu Trac lebte im 18. Jahrhundert als Vietnam wieder einmal von den Chinesen erobert worden war. Der chinesische Kaiser verlange von ihm an den kaiserlichen Hof zu kommen und dort die kaiserliche Familie zu behandeln, aber der Heilkundige weigerte sich. Er wollte lieber das einfache Volk behandeln. Mit seiner Weigerung zog er den Zorn des Kaisers auf sich, weshalb er ins Kloster floh und von dort aus weiter die Bevölkerung behandelte. Außerdem schrieb er ein 66 Bände umfassendes Werk über die vietnamesische Heilkunde.  Seinen Spitznamen erlangte er durch seine Weigerung eine gut bezahlte und ruhmvolle Position anzunehmen.

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Links seht ihr den faulen, alten Mann

Im nächsten Teil des Museums erfuhr ich einiges über die verschiedenen Heilmittel. Solche waren in der traditionellen vietnamesischen Medizin Kräuter oder andere natürliche Substanzen.  In manchen Fällen können die Stoffe sowohl als Heilmittel als auch als Gift dienen. Zusätzlich gab es in diesem Teil des Museums alte Aufbereitungsmittel für Kräuter und Mörser, mit denen sie zermalen wurden. Zu den verschiedenen Kräutern gab es Informationen über ihre Wirkung und an manchen konnte ich riechen, was nicht immer angenehm war 😉 .

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Nach dem Besuch des Museums für traditionelle Medizin ging es für mich zurück zum Hotel. Am nächsten Tag besuchte ich einen Tempel und nahm an einem Kochkurs teil, aber davon werde ich euch ein anderes Mal berichten.

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Ein Gedanke zu “Saigon: Stadttour

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