Lesemonat Mai

Der Mai ist zwar schon ein paar Tage vorbei, doch ich dachte, ich mache mal einen kleinen Monatsüberblick über die Bücher, die ich im Mai gelesen habe. Insgesamt habe ich fünf Bücher gelesen, also eins mehr als ich mir für jeden Monat vorgenommen hatte. Zwar hänge ich mit meiner Lesechallenge immer noch zurück, aber zumindest konnte ich ein bisschen aufholen. Da ich mir für die Monate April und Mai selbst einen Buchkaufbann aufgelegt hatte, gab es keine Neuzugänge. Nun möchte ich aber ohne weitere Ausschweife zu den Büchern kommen, die ich diesen Monat gelesen habe.

Best served cold  von Joe Abercrombie

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Genre: Fantasy

Länge: 536 Seiten

Verlag: Orion Books

Deutscher Titel: Racheklingen.

Best Served Cold handelt von der Söldnerin Monza Murcatto , die nachdem sie einen Anschlag, bei dem ihr Bruder getötet wurde, überlebt hat auf Rache sinnt. Um die Mörder ihres Bruders zu töten, heuert sie Mörder, Söldner und andere Kriminelle an, die ihr bei der Durchführung ihrer Pläne helfen sollen.

Ich war bereits von Joe Abercrombies First Law Trilogie (The Blade itself, Before they are hanged und Last Argument of Kings) vollkommen begeistert und dieses Buch spielt in derselben Welt. Allerdings ist es ein Einzelband und man muss die Trilogie nicht gelesen haben um um das Buch zu verstehen. Es tauchen zwar einige Figuren aus der First Law  Trilogie auf, doch der Fokus der Handlung liegt auf Monza. Diese ist zwar kein guter Mensch, aber sie gibt eine komplexe und von inneren Konflikten geplagte Protagonistin ab. Sie darf zwar Stärke zeigen, trotzdem bekommen wir ihre Schwächen zu sehen. Sie droht nicht wie so viele weibliche Charaktere in letzter Zeit zu einer Strong Woman Trope zu werden. Wenn es eins gab, dass mich in der First Law Trilogie störte, dann war es der Mangel an weiblichen Charakteren, doch in diesem Buch gibt es neben Monza noch eine Reihe von interessanten Frauenfiguren.

Die Handlung war actiongeladen, enthielt aber auch genügend ruhige Momente und zusätzlich ist das Buch mit dem für Abercrombie typischen schwarzen Humor geschrieben. Alles in allem war es eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe und ich werde das Buch bestimmt noch mal lesen.

Gut aber tot von Eva Rossmann 

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Genre: Krimi

Länge: 268 Seiten

Verlag: Folio Verlag

Gut aber tot ist bereits der 18. Mira Valensky Krimi allerdings enthält jedes Buch eine in sich abgeschlossene Handlung. Ich habe den Roman gelesen ohne irgendwelche anderen Werke von Eva Rossmann zu kennen und dies war größtenteils kein Problem. Während meines Praktikums in Brüssel war ich bei einer Lesung der Autorin und habe mir dort dieses Buch gekauft und signieren lassen.

Die Journalistin Mira Valensky recherchiert im Umfeld der militanten Veganer, nachdem diese eine Reihe von Aktionen gegen örtliche Landwirt_innen durchgeführt haben, von denen auch eine von Miras Freundinnen betroffen war, doch bald geschieht der erste Mord…

Dieses Buch hat mir gut gefallen, auch wenn ich schon bessere Krimis gelesen habe. Es war ein unterhaltsames Buch, welches man schnell lesen kann. Der Humor kommt nicht zu kurz, aber gleichzeitig scheut die Autorin nicht davor Sozialkritik abzugeben. Sie legt sowohl das Für als auch das Wider des Themas Veganismus dar ohne den Leser_innen vorzuschreiben wie er zu leben hat. Die Handlung war spannend doch am Ende ging es mir dann zu schnell. Ich hätte mir da eine genauere Erklärung der Tat und des Motivs des Täters gewünscht. Für mich wurde da alles ein bisschen zu schnell abgehakt. Ich habe den Roman zwar verstanden, aber ich denke, dass man das Buch besser lesen kann, wenn man die Vorgänger kennt, da gelegentlich Verweise auf die Handlungen in anderen Bänden vorkommen und die Charaktere ein eingespieltes Team zu sein scheinen. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den Preis: Ich bin durchaus bereit ein bisschen was für ein gutes Buch zu bezahlen, aber 22€ finde ich für ein Hardcover mit gerade mal 268 Seiten etwas übertrieben. Vor allem wenn es Bücher zum selben Preis mit doppelt so vielen Seiten gibt.

Trotz dieser Kritik habe ich den Roman genossen und werde mir wahrscheinlich mal die Vorgänger kaufen.

Swords and Scoundrels von Julia Knight 

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Genre: Fantasy

Länge: 357 Seiten

Verlag: Orbit Books

Vocho und Kacha sind ein Geschwisterpaar und Meisterduellisten, die allerdings ihr Geld als Räuber verdienen müssen, nachdem sie aus der Duellistenguilde verbannt wurden. Als sie sich entscheiden die falsche Kutsche auszurauben werden sie in eine Verschwörung reingezogen.

Dieses Buch lag schon ungefähr seit einem Jahr auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) trotzdem waren meine Erwartungen an den Roman eigentlich ziemlich hoch. Das Cover ist toll, der Klappentext klang gut. Duellisten und eine Verschwörung, das sollte mir eigentlich gefallen…

Leider war dieses Buch die Leseenttäuschung des bisherigen Jahres und mehrfach habe ich überlegt es abzubrechen. Ich hatte ja bereits vor Kurzem meine Meinung zu Fantasywelten kundgetan. Wie gesagt erfahre ich gerne möglichst viel über die Welt eines Fantasyromans. Wenn ich nur ein bisschen was über die Welt erfahre, ist das auch vollkommen okay, solange ich den Roman noch verstehe. Dies war hier nicht mehr der Fall, denn es gab nur so wenige Erklärungen zur Welt, dass ich mehrfach Probleme hatte, die Handlung zu verstehen. Die Geschichte spielt in einer Art Steam Punk Welt, ohne dass wir viel über diese erfahren. Es wird in praktisch jedem Kapitel eine bestimmte Gottheit erwähnt, aber sämtlich Informationen, die wir über den Glauben an diesen Gott erfahren bleiben extrem vage. Dabei war die Stadt, in der der Roman spielt, nicht immer so. Durch zahlreiche Flashbacks erfahren wir, wie die Stadt durch eine Revolution so wurde wie sie ist und wir der neue Gott an Anhängern gewann. Trotzdem lernen wir in diesen Flashbacks kaum etwas über die Welt und wie sie funktioniert.

Mein anderer großer Kritikpunkt betrifft die Charaktere. Charaktere sind für mich immer das wichtigste in einem Roman. Ich lege natürlich auch wert auf die Sprache, die Handlung und den Weltenbau, aber ich bin bereit kleinere Schwächen in diesen Bereichen zu akzeptieren, wenn ich die Charaktere toll finde. Leider blieben die Charaktere in Julia Knights Roman vollkommen blass und zeigten wenig bis keine Persönlichkeit. Wenn wir etwas über die Charaktere erfuhren, dann geschah dies dadurch, dass sie es uns sagten, doch was sie über sich oder andere Charaktere erzählten, stimmte dann meist nicht mit den Handlungen der betreffenden Charaktere überein. Zum Beispiel meinten die ganze Zeit alle, dass Vocho lustig wäre, doch er machte im gesamten Roman nur zwei Mal Witze und diese waren noch nicht mal lustig.  Als Leserin konnte ich mich nicht für die Charaktere interessieren. Am Ende war es leider so, dass es zu einem Kampf kam, in dem das Leben der wichtigsten Charaktere auf dem Spiel stand, mir aber vollkommen egal war, ob sie überleben oder nicht, weil sie mich aufgrund ihrer fehlenden Persönlichkeiten nicht interessierten.

Die Handlung des Romans enthielt zwar einiges an Action und die Sprache war in Ordnung, dies konnte jedoch einfach nicht über die Schwächen im Worldbuilding und bei den Charakteren hinwegdecken.

Blutiger Winter von Tom Callaghan

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Genre: Thriller

Länge: 332 Seiten

Verlag: Heyneverlag

Originaltitel: A killing Winter

Blutiger Winter ist der Debütroman des englischen Autors Tom Callaghan. Darin geht es um Inspektor Akyl Borubaew, der nach dem Tod seiner Frau in den Polizeidienst zurückkehrt und in dem Mord an einer jungen Frau ermitteln soll, doch bald tauchen weitere Leichen auf..

Dieser Kriminalroman hat mir durchaus gut gefallen, zwar hat er einige Schwächen, doch bei Debüts ist das ja zu erwarten. Das Interessante an diesem Thriller ist das Setting, er spielt nämlich in Kirgisistan, vor allem in der Hauptstadt Bischkek. Dabei erfährt mal als Leser_in einiges über das Land und die Leute. Der Autor hat selbst eine Zeit lang in Kirgisistan gelebt und war mit einer Kirgisin verheiratet. Er beschreibt das Land, wie jemand der es gut zu kennen scheint (zumindest wirkt das für mich als Leserin so) und gibt gleichzeitig Außenstehenden einiges an Informationen über Kirgisistan. Die Handlung bleibt bis zu den letzten paar Seiten spannend und man muss sich als Leser_in ständig fragen, auf welcher Seite einige Charaktere stehen. Die Charaktere waren interessant und komplex. Selbst kleinere Charaktere zeigten einiges an Persönlichkeit, man bemerke den Unterschied zu Swords and Scoundrels. Ich sollte hier vielleicht noch anmerken, dass die Leichen allesamt ziemlich übel zugerichtet wurden und der Autor manchmal nicht vor detaillierteren Beschreibungen zurückschreckt. Ich persönlich habe damit kein Problem, aber ich weiß, dass es genügend Leser_innen gibt, die so was nicht mögen.

Trotz der Tatsache, dass mir das Buch in so vielen Bereichen gut gefiel, muss ich ein bisschen Kritik üben. Zum einen gab es in dem Buch eine, meines Erachtens, unnötige Vergewaltigungsszene. Damit eins klar ist, ich bin nicht dagegen, dass es Bücher derartige Szenen enthalten, schließlich kommt es leider noch sehr häufig zu Vergewaltigungen. Ich finde aber, Autor_innen sollten wenn sie sich dafür entscheiden so etwas zu zeigen, genügend auf das Leiden des Opfers eingehen und ich will als Leserin nicht das Gefühl haben, dass die Szene nur da ist, um die Leser_innen zu schocken. Tom Callaghan ist in diesem Fall schon durchaus eingegangen, wie dies dem betreffenden Charakter zusetzt, doch da hätte ich mir einfach mehr gewünscht, denn dies wurde nur sehr kurz gezeigt. Ich habe schon Bücher gelesen oder Serien geschaut, in denen schlechter mit der Thematik umgegangen wurde und ich fand nicht, dass Callaghan komplett unangemessen damit umgegangen ist, aber ich denke nicht, dass eine explizite Beschreibung notwendig war. Außerdem hatte ich ein Bisschen das Gefühl, dass diese Szene nur existiert, damit die aufkeimende Beziehung zwischen dem Protagonisten und dem betreffenden weiblichen Charakter zu treiben.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Ende und die Auflösung, wer hinter den Morden steckt. Ich will hier das Ende nicht spoilern, also sage ich nur, dass es ein bisschen was mit der Geschichte und Politik des Landes zu tun hat.  Ich konnte aus dem Zusammenhang grob das Motiv des Täters verstehen. Allerdings wäre es an dieser Stelle hilfreich gewesen, wenn der Autor noch mehr Informationen über die Geschichte und die Politik des Landes hätte einfließen lassen. Mit diesen Informationen, die ich später im Internet nachgelesen habe, lässt sich das Motiv des Täters einfach noch besser verstehen. Da der Autor an allen anderen Stellen des Buches genügend Informationen, über das Land hatte einfließen lassen, finde ich es schade, dass die Informationen genau an dieser wichtigen Stelle gefehlt haben.

Alles in allem war Blutiger Winter dennoch ein gelungener Roman. Aufgrund der Tatsache, dass das Erstlingswerk des Autors war, ist zu erwarten, dass er sich als Autor noch entwickelt und seine zukünftigen Werke weniger Schwächen aufweisen werden. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, die Fortsetzung von Blutiger Winter zu lesen.

I call myself a Feminist: The view from twenty-five women under thirty von diversen Autorinnen

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Genre: Sachbuch/ Sozialwissenschafen

Länge: 268

Verlag: Virago

Wie der Titel bereits sagt, legen in diesem Buch 25 Frauen, die unter 30 Jahre alt sind da was der Feminismus (das heißt der Glaube an die politische, wirtschaftliche und soziale Gleichheit der Geschlechter)  für sie bedeutet und warum er ihrer Meinung nach noch wichtig ist. Die Texte sind größtenteils 3-5 Seiten lang und die Autorinnen sind ganz unterschiedliche Frauen mit den verschiedensten Lebenserfahrungen, dadurch betrachten alle Essays den Feminismus aus unterschiedlichen Perspektiven. Ich fand dieses Buch sehr interessant und als jemand der sich schon einiges zum Thema gelesen hat, konnte ich noch neues lernen. Zwar gab es Essays, die ich besser fand als andere, jedoch hat mich das Buch nie gelangweilt und ich habe es an einem Tag verschlungen.

Außerdem hatte ich im Juni noch angefangen The Heroes von Joe Abercrombie zu lesen, welches ich mittlerweile schon beende habe.  Seit ein paar Wochen lese ich mit meiner Lesegruppe The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood. Im Juni habe ich teilweise frei und hoffe deshalb wieder etwas mehr Zeit zum Lesen. Ich hoffe, ich kann bei meiner Lesechallenge weiter aufholen und meinen SUB etwas reduzieren.

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