Brüssel: Was mache ich eigentlich hier?

In den nächsten Reiseberichten werde ich euch von meinem Aufenthalt in Brüssel erzählen. Dort habe ich von Anfang Januar bis Anfang April gewohnt, weil ich ein Praktikum bei einem Abgeordneten des Europäischen Parlaments gemacht habe. Die Wochenenden konnte ich gut fürs Sightseeing nutzen, wobei ich mir neben Brüssel auch noch andere Städte in Belgien angeschaut habe. Das Land ist ja nicht so groß und dadurch kommt man von Brüssel aus innerhalb von einer Stunde mit dem Zug zu vielen anderen belgischen Städten. 

Während meines Aufenthalts wohnte ich bei der Mitarbeiterin eines anderen Abgeordneten, die netterweise ein Zimmer in ihrer Wohnung an Praktikanten untervermietet, gewohnt. So hatte ich mein eigenes Zimmer mit Bad und konnte ihre Küche und Wohnzimmer mitbenutzen. Die Wohnung lag nur 15 Minuten vom Parlament entfernt und wir haben uns gut verstanden, sodass wir auch mal zusammen ins Kino gegangen sind.

Unter der der Woche habe ich montags bis donnerstags immer von 9:00-18:00 Uhr (einschließlich einer Stunde Pause) und freitags von 9:00-14:00 Uhr gearbeitet. In der Mittagspause bin ich immer mit den deutschen Praktikanten essen gegangen. Das Europäische Parlament verfügt gleich über mehrere Kantinen, wobei einige nur für die Abgeordneten zugänglich sind, und wir Praktikanten nur in eine rein kamen. Dort gab es jeden Tag eine Reihe von verschiedenen Menüs zur Auswahl (Tagesgericht, vegetarisches Gericht, etc.) und die Preise waren akzeptabel. Anschließend sind wir immer weiter in die Micky Maus Bar Kaffeetrinkern gegangen. Die heißt so, weil irgendjemandem Mal aufgefallen ist, dass die Stühle so wie eine stilisierte Micky Maus geformt sind.

Außerdem gab es dienstags abends einem Praktikantenstammtisch. Dabei sind wir zu der Maison Antoine (sehr beliebte Frittenbude in der Nähe des Parlaments) essen gegangen und haben uns anschließend in eine Kneipe gesetzt. Donnerstags gab es zusätzlich eine After-Work-Party am Place Luxemburg. Dies ist ein großer Platz mit zahlreichen Cafés und Restaurants, der vor dem Parlament liegt. Ich bin zu beiden Treffen zwar nicht jede Woche hingegangen, aber sie waren trotzdem schön und ich habe mich gut mit den meisten Praktikanten verstanden. Wir waren allerdings eine ziemlich große Gruppe und es war nicht immer leicht den Überblick zu behalten. Das lag vor allem daran, dass nicht alle gleich lange Praktikum gemacht haben. Die meisten von den Anderen blieben nur für vier oder sechs Wochen und dadurch wechselten die Leute, mit denen ich zu tun hatte ständig. So konnte ich leider  nur wenige Leute besser kennenlernen.

Im Januar war ich die einzige Praktikantin im Büro des Abgeordneten, im Februar kamen allerdings noch zwei weitere Praktikanten dazu. Jedoch blieb einer von den beiden nur für zwei Wochen. Wir waren dann kurz nur zu zweit, bevor dann wieder ein neuer Praktikant hinzukam.

Außerdem arbeiteten in dem Abgeordnetenbüro noch drei Assistentinnen, welche sehr nett waren und uns unsere Aufgaben zugeteilt haben. Diese war glücklicherweise äußerst vielfältig. Zum einem gab es da natürlich typische Büroarbeit wie auf Terminanfragen antworten oder Akten sortieren, aber der Großteil unserer Arbeit deckte eine Reihe von verschiedenen Themengebieten ab. Das ging von dem Rechtsruck in Europa, über die Handelsbeziehungen zwischen der EU und China, zum Brexit bis hin zur Haltung von Nutzkaninchen. Wirklich, auf dem Thema bin ich jetzt fast schon eine Expertin 😉 . Wir Praktikanten sollten öfters Briefe beantworten, die von Bürgern aus dem Wahlkreis, an den Abgeordneten geschrieben wurden, und mussten uns dafür erst mal in die jeweiligen Themen einlesen. Außerdem sollten wir zu Themen, die neu auf die legislative Agenda des Parlaments kamen oder mit denen sich die Medien gerade stark beschäftigten, recherchieren und die wichtigsten Punkte zu diesen Themen zusammenfassen. Häufig sollten wir etwas zu Energie-, Industrie- und Forschungsthemen recherchieren, weil mein Abgeordneter in dem Ausschuss saß, der sich mit diesen Themen beschäftigt.

Wir durften auch zu den Ausschusssitzungen des Parlaments mitgehen und uns so die Arbeit des Parlaments mal „live“ anschauen. Zusätzlich kamen wir noch zu Fraktionssitzungen, die im Gegensatz zu Ausschusssitzungen, der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Zu Zeiten des Brexit und mit Trump als Präsidenten der USA war dies natürlich ganz besonders spannend.

Es war auch schön, dass wir Praktikanten die Möglichkeit hatten zu zahlreichen thematischen Veranstaltungen des Europäischen Parlaments zu gehen. Es können sowohl einzelne Abgeordnete als auch ganze Fraktionen Debatten oder Vorträge zu einzelnen Themen organisieren und zu diesen Gäste einladen. Zusätzlich haben  die Ständigen Vertretungen einzelner Länder bzw. Bundesländer derartige Veranstaltungen organisiert. Die Veranstaltungen fanden teilweise während der Arbeitszeit, teilweise abends statt und so hatte ich unter anderem die Möglichkeit zu einer Debatte zum Nahostkonflikt, den Wahlen in den Niederlanden, den Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea oder auch zur Lesung der österreichischen Krimiautorin Eva Rossmann zu gehen. Im anschließend an diese Veranstaltung gab es häufig noch  leckeres Essen und ich habe da meist andere Praktikanten angetroffen.

Im Großen und Ganzen war es ein interessantes Praktikum, das mir einen guten Einblick in die Arbeit des Europäischen Parlaments gegeben hat. Ich konnte meinen Horizont erweitern und mich mit einer Reihe von verschiedenen Themen beschäftigen. Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit viel von Brüssel, und anderen belgischen Städten sehen, wovon ich euch in meinen nächsten Einträgen berichten werde.

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