Streikland Frankreich

Ich dachte ich informiere euch heue mal über etwas, worüber in den deutschen Medien nicht so viel berichtet wird, was ich aber ständig mitbekomme: Die Streiks.

In Frankreich wurde schon immer mehr gestreikt als in Deutschland, doch in letzter Zeit gibt es noch viel mehr Arbeitsniederlegungen als gewöhnlich. Davon sind vor allem die öffentlichen Verkehrsbetriebe betroffen. Seit März hat es bereits 6 landesweite Streiks gegeben. An diesen Tagen fuhr beinahe kein einziger Bus oder Zug mehr. Zusätzlich gab es noch einige Tage, an denen nur noch die Hälfte der  Buslinien gefahren ist. Die Abstände zwischen den einzelnen Streiks sind auch kürzer geworden.

Im Mai haben bisher die Busfahrer, Zugfahrer und die Beschäftigten zahlreicher anderer Branchen am 17. und 18. Mai die Arbeit niedergelegt und weiterer landesweiter Streik ist für den 26. Mai angekündigt. Hinzu kamen  noch die Tagen an denen nur ca. die Hälfte der Busse gefahren sind, Streiks in einzelnen Städten und Streiks in anderen Gewerben. So gab es zum Beispiel zwei mal Arbeitsniederlegungen des Air France Personals und der Fluglotsen.  Allerdings waren davon nicht alle französischen Flughäfen betroffen. Die Lehrer haben sich ebenfalls an den Streiks beteiligt, was zu zahlreichen Unterrichtsausfällen führte. Des Weiteren gibt es regelmäßig Demonstrationen in allen größeren Städten des Landes.

Von letzteren ist besonders Paris betroffen dort findet seit dem 31.03.jede Nacht die „Nuit Debout“ (auf deutsch „Nacht der Aufrechten“/ „aufrechte Nacht“) auf dem Place de la République statt. Es treffen sich jeden Abend hunderte von Menschen um über Politik und die soziale Lage Frankreichs zu diskutieren. Ähnliche Gruppen haben sich mittlerweile auch in anderen Städten gebildet. Diese Bewegung ist ein loser Zusammenschluss von Gleichgesinnten, weil sie nicht über einen Sprecher oder Anführer verfügt. Dazu kommen noch klassische Demonstrationen, die es (fast) täglich in verschiedenen Teilen des Landes gibt.

Doch wo gegen richten sich die Demonstrationen und die Streiks?

Am 12.05. wurde ein neues Arbeitsgesetz verabschiedet gegen das es schon in den Monaten zuvor einige Proteste gab. Selbst eine Reihe von Parlamentariern der Regierungspartei kritisierten das Gesetz scharf. Die Regierung dagegen sieht als eine Möglichkeit um den französischen Arbeitsmarkt zu reformieren, der sich immer noch nicht komplett von der Finanzkrise erholt hat. Frankreich leidet unter einer Rekordarbeitslosigkeit und das Wirtschaftswachstum ist ebenfalls um einiges niedriger als in Deutschland. Zudem gilt das französische Arbeitsrecht als starr und kompliziert, deshalb will es die Regierung etwas flexibler und einfacher machen.

Allerdings halten die Gewerkschaften das neue Gesetz für viel zu arbeitgeberfreundlich. Sie sehen die 35-Stunden Woche bedroht und fürchten das der Kündigungsschutz gelockert wird. Tatsächlich macht das Gesetz es für Firmen, die sich in der Kriese befinden, leichter ihre Angestellten zu kündigen. Doch nicht nur die Gewerkschaften, auch Schüler Studenten demonstrieren stark gegen das Gesetz. Dies liegt daran, dass in Frankreich eine weitaus höhere Jugendarbeitslosigkeit herrscht als in Deutschland und viele junge Erwachsene fürchten, dass das Gesetz ihre Lage eher verschlimmern als verbessern wird. Hinzu kommt, dass in Frankreich zur Zeit eine Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien herrscht und ein Großteil des Volks das Gefühl hat, dass die Parteien die Wünsche der Bevölkerung nicht mehr wahrnehmen.

Es bleibt abzuwarten wie sich die Situation in der Zukunft entwickeln wird. Aktuell ist ein Großteil der französischen Bevölkerung gegen das neue Gesetz und für den 26.05. wurde bereits ein neuer landesweiter Streik angekündigt.

 

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